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Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

18 
(13 Fortsetzung) 
LIEBCHEN 
ROMAN VON WALTER ANGEL 
E ine Frau in diesen Räumen? ... 
Diese Vorstellung war ihm ganz 
fremd geworden. Wie vieles, 
was zu entbehren er sich die 
langen Jahre gewöhnt hatte, 
dünkte ihn mit einem Schlag wieder teuer 
und köstlich. War dieser ernste, nüch 
terne Raum nicht plötzlich traulicher 
und freundlicher, seit eine Frau darin 
weilte? ... Wie heiter und hell klang von 
den Wänden, die sonst nur einsames 
Schweigen umschlossen, die Melodie 
einer Frauenstimme ... 
Sie erzählte. Er schien sehr aufmerk 
sam und hörte doch nicht, was sie sprach. 
Er überließ sich ganz dem 
Zauber ihrer Gegenwart, den 
sanften Wellen der Stimmung. 
Und so unbeschreiblich woh 
lig, so seltsam frei wurde ihm 
zumut, als fiele in diesen 
Augenblicken ein düsterer 
Bann von ihm ab, als nahe 
ihm mit schmetternden Fan 
faren die Erlösung. Es sang in 
ihm von einer neuen, einer 
schöneren, bewußteren Jugend, 
von einem Frühling seiner 
Seele, der nie zum Schweigen 
gebrachten Hoffnungen Erfül 
lung spendete . . . Galianis 
Worte kamen ihm in den 
Sinn: ,... ein einziges Mal die 
Kraft aufbringen, sich beden 
kenlos dem Augenblick zu 
überlassen, zu nehmen, wo sich 
Hände entgegenstrecken . . .‘ 
— Bedenkenlos? Tauchten sie 
aber nicht schon auf, die Be 
denken, rückten sie nicht be 
reits sein Sehnen und seine 
Begierden ins Licht der Über 
legung und rüttelten mit ge 
wichtigen Einwänden dage 
gen? Staute sich jenes durch 
Jahre zurückgedrängte Ver 
langen nach Zärtlichkeit, nach 
schenkender und empfangen 
der Liebe, das jetzt jäh in ihm 
emporbrach, nicht neuerlich 
vor dem unter Qualen selbst 
aufgerichteten Hindernis: der Furcht vor 
dem Mißverständnis und der. Enttäu 
schung? 
Und doch spürte er, wie die Vernunft 
diesmal viel leiser, schüchterner zu ihm 
redete, ihres Sieges gleichsam ungewiß, 
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von Dr. mcd. Pauli, mit 76 
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mißtrauend ihrer sonstigen Gewalt über 
ihn ... 
Unvermittelt ließ er einen seiner 
bitteren Zweifel laut werden: „Freuen 
Sie sich?“ 
„Worüber?“ fragte Marianne, die den 
Sinn seiner Frage nicht gleich erfaßte. 
„Uber das Ziel, dem sie schon so nahe 
stehen. Freuen Sie sich ...“ 
Zu dringlich, zu bange forschend 
kamen diese Worte heraus, als daß Mari 
anne jetzt nicht, durch ihren Ton stutzig 
gemacht, auch die übrige sonderbare Um 
wandlung Humieres’ hätte merken 
müssen: wie er in vorgebeugter Haltung, 
mit einem ihm fremden, beinahe ängst 
lichen Ausdruck auf die Antwort lauerte, 
wie seine ganz dunkel gewordenen Au 
gen heiß und flimmernd brannten, seine 
Hände immer zu den ihren hinstrebten. 
Seine Unruhe sprang auf sie über. 
Sie wurde verwirrt, hielt seinen Blick 
nicht aus. 
.Mein Gott, ich werde Du Barrys 
doch endlich ledig!“ gab sie beklommen 
zurück. An dem Aufleuchten seiner Au 
gen bemerkte sie, daß sie nach seinem 
inneren Wunsch geantwortet hatte. 
Warum erlaubte er ihr nicht, sich über 
ihren Erfolg zu freuen, warum? . . . 
So fragte sie sich, trotzdem sie seine 
Veränderung zu verstehen meinte. Sie 
wagte nur noch nicht, daran auch zu 
glauben, was diese Veränderung ver 
sprach . . . 
Humieres sprang auf. Knapp vor ihr 
blieb er stehen. Sie schauten sich an, 
eine Ewigkeit lang. Dann — dann packte 
er sie —• da schloß sie die Augen — er 
riß sie empor — mit einem jubelnden 
Aufschrei: „Marianne!“ zog er sie in 
seine Arme — — und wie von Sinnen 
stürzte er sich auf ihre Lippen, küßte ihr 
den Mund, küßte ihr Hals und Haar und 
Arme... stumm, atemlos, ohne eine 
Silbe herauszubringen. 
.Noch starr vor namenloser Über 
raschung lag sie zuerst ohne sich zu 
regen an seiner Brust. Sie mußte das 
Wunderbare, Überwältigende erst als 
Wirklichkeit begreifen, sich fassen, bevor 
das so unerwartete Ereignis sie auch be 
glücken konnte, bevor sie imstande war, 
seine Liebkosungen zu erwidern. 
Aber jetzt wurde Humieres, der Vier 
zigjährige, Reife, plötzlich schüchtern 
und verlegen wie ein junges Mädchen. 
Er zog sie auf seinen Schoß, fragte 
sie, hilflos selig: „Du bist mir gut, sag, 
du bist mir gut?“ . . .“ 
Sie lachte ihn aus. „Du darfst nicht so 
töricht fragen, du weißt es doch, daß ich 
dich liebe, nur dich, immer dich...“ Sie 
umschlang seinen Hals, sie 
küßte ihn, lang, begehrlich. 
Niemals früher hätte sie mit 
gleicher Stürmischkeit einen 
Mann geküßt, bildete sie sich 
ein. 
Den Rücken an seine Schul 
ter gelehnt, den Kopf an 
seiner Wange, weitete sie die 
Arme in die Luft. „Ah ... wie 
glücklich bin ich, daß ich dich 
gefunden habe, jetzt, gerade 
jetzt . . .“ Sie schauerte zu 
sammen und drückte sich 
fester an ihn. „Ich habe mich 
vor der Einsamkeit dort ge 
fürchtet. iNun hab’ ich ja 
dich! . . Und sie vergrub 
ihren Mund in den seinen. 
Humieres stand das Herz 
still. Er drängte sie weg. 
„Vor der Einsamkeit — dort 
. . . Dort — wo?“ 
,Jn Versailles, in Fontaine 
bleau, St. Hubert, mein’ ich. 
Du wirst immer in meiner 
Nähe sein, nicht wahr, und 
jeden Tag werden wir uns 
treffen.“ 
Humieres sanken die Arme, 
die sie umfaßt hielten, herab. 
Er machte sich von ihr los. Sie 
schaute ihn verwundert an 
und erschrak: alles Blut schien 
aus seinem Gesicht gewichen, 
seine Züge waren unbeweg 
lich, wie eingefroren, das Auge stach 
gläsern in die Leere. 
„Was ist dir?“ 
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