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Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

völlig in den Naturzustand zu 
rückzukehren. 
Die Siegerin 
hälse, Aprikosenarme und Zwetsch 
gengesichter auftauchen! Ein ganzes 
Menü für Vegetarianer! Sollten die 
Hundstage vielleicht eine Ersparnis 
sein?! Man wagt nicht, daran zu 
glauben, denn 
wenn der Körper 
auf dem Lande 
und am Meer 
auch der Klei 
dung entbehren 
kann, so ent 
wickelt der Ma 
gen einen dop 
pelten Appetit, 
was die Kauf 
leute auch „dop 
pelt“ berücksich 
tigen! Man möch 
te glauben, daß 
durch die Ver 
treibung unserer 
Ahnen Adam 
und Eva aus 
Kinder, die so nackt und 
dick wie Boucher-Putten sind, 
führen ihre kleinen, stolpern 
den Silhouetten auf dem Lande 
spazieren. Der Vater, der, 
einer Bronzestatue ver 
gleichbar, unbeweglich in 
der Sonne steht, über 
wacht ihr Treiben, und 
eine andere kleinere, aber 
auch vergoldete Bildsäule, die 
Mutter, bietet ihr Gesicht 
sorglos den Strahlen des himm 
lischen Gestirns dar. Am 
Abend reibt sie sich dann, 
nach antiker Mode, mit Ol 
ein. Allerdings Salatöl . . . die 
Zeiten sind teuer! 
Vater, Mutter und Kinder 
erinnern an die Pfefferkuchen 
familien, die man in den 
Würfelbuden auf dem Jahr 
markt gewinnen kann. Man 
fühlt, daß sich die Eltern in 
kindlicher, ehrlicher Zivilisa 
tion bemühen, nicht auch, wie 
ihre Nachkommenschaft, die 
unkomplizierten Kostüme 
1^Adams und Evas anzunehmen. 
Schönheitspflege am Meeresstrand (Vielleicht hält sie auch nur die 
Furcht ab, dieser Nachkom- 
Wenn behauptet wird, daß sich die menschaft zu unähnlich zu sehen!) 
Frau mit immer weniger und weniger Des Nachmittags sieht man dafür 
anzieht, so bezieht sich das nicht auf aber auch aus weiblichen, be- 
die Qualität, sondern die Quantität drucktenMusselinkleidernundmänn- 
der Stoffe. Die Hundstage bieten liehen Trikoleinenhemden Pfirsich- 
vollauf Gelegen 
heit, die Damen 
ohne die ge 
ringste Umhül 
lung, im Trikot 
einherspazieren 
zu sehen. Die 
Sonnenbäder 
verlangen sogar 
den Fortfall die 
ses letzten, be 
hindernden Klei 
dungsstücke auf 
den Körperteilen, 
die gebraten wer 
den sollen, so 
daß schließlich 
nicht mehr viel 
übrig bleibt, um 
Wer bekommt den Ball?
        
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