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Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

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Phot Rembrandt 
Links schwenkt, marsch! 
Sehr oft taucht heute 
vor den entzückten 
Augen des Anbeters das 
Bild der Tennis- und 
Flirtgefährtin hinter dem 
Steuerrad inmitten des 
großstädtischen Wagen 
getriebes auf. Freund 
schaftlich - kamerad 
schaftlich winkt sie ihn 
neben sich. 
„Wie alle anderen, 
wollte auch ich meinen 
kleinen Wagen. Gefällt 
er Ihnen? Zuerst hatte 
ich mächtige Angst. Aber 
mein Lehrer war ein 
netter, nachsichtiger 
Junge. Jetzt fahre ich zu 
meiner Freundin Anne- 
Marie und Sie müssen mit!“ 
Schon saust es dahin, das neue, 
blanke Damenspielzeug. Alle Ach 
tung, sie fährt gut, die kleine Person! 
Flier wird eine kühne Wendung ge 
macht, dort die behandschuhte 
Linke wagerecht und warnend zur 
Seite gestreckt. Berufskollegen 
v/eichen galant aus, Fußgänger 
schicken dem Gefährt und seiner 
Führerin bewundernde Blicke nach. 
Ein längeres Halten versetzt das 
blonde oder schwarze Kind in Wut. 
„Haben Sie es denn so eilig?“ fragt 
der Freund gutmütig. „Jawohl“, 
faucht sie und will durchaus an dem 
Lastwagen vorbei, dessen Kutscher 
jedoch um keines Haares Breite 
nach rechts ausweicht. 
Mit der Hupe wird eine 
wahre Jazzsymphonie 
ausgeführt: „Se sin woll 
nervös, junge Frau?“ 
fragt der Rosselenker, 
sich gemächlich auf sei 
nem Sitze umwendend. 
„Det verjeht . . . sonst 
lassen Se doch det 
Mondjesichte neben sich 
mal an’t Steuer ran!“ 
Wenn unsere chauffie 
rende Berlinerin oft einen 
„ledernen“ oder „lackier 
ten“ Eindruck macht, so 
ist das natürlich nur dem 
Äußeren nach! Zu Tou- 
renfahrten zieht sie sich 
selbstverständlich anders 
an, als für den Stadtwagen. Heute, 
wo die karierte Mode große Erfolge 
zeitigt, trägt die Chauffeuse gern 
einen großkarierten Rock mit Leder 
jacke, und für besonders schick 
gelten breite, lederne Vierecke auf 
einfarbigem Kashagrund. Reizend 
anzusehen ist auch die Autlerin, die 
im roten Lederkomplet am Steuer- 
Aller Anfang i*t schwer!
        
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