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Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

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..HERZ-SCHUHE* 
und efegante Trauen find unzertrennfic6~~j 
«HERZ'SCHUHE» vollenden jedes moderne Kleid 
und verleihen Anmut und Schönheit. Neue herrliche 
Modelle bilden das Entzüdcen jeder Dame, welche durch 
fie ihre Modewünfche ftets erfüllt fieht, 
Ein Spiegefßihd des Cßarahters eines Menfcßen 
find feine Schuhe 
«HERZ-SCHUHE» mit dem Herz auf der Sohle werden 
dem prüfenden Blick kritifcher Augen ftets ftandhalten,da 
fie alle Vorzüge vereinen, denen fie ihre Berühmtheit ver* 
danken: Gefunde Paßform, aparte Modelle, peinlich forg' 
fältigfte Herltellung. 
tete auf die vollgeschriebenen 
Blätter, die den Schreibtisch 
bedeckten. „Politische?“ 
. Verdutzt und peinlich be 
rührt, begehrte Humieres zu 
wissen, warum sie sich gerade 
danach erkundige, ob er politi 
sche Bücher schreibe. Ein häß 
licher Verdacht schoß ihm 
durch den Kopf. 
. , Ich bin eben neugie 
rig. Später, lieber Freund. Sie 
schnitt eine Grimasse, die die 
Enthüllung irgendeines Ge 
heimnisses versprach, und” 
zwinkerte vieldeutig. 
Herr von Humieres wurde 
aus ihrer Antwort und ihrem 
Gehaben allerdings nicht 
klug. Die böse Vermutung je 
doch, daß Marianne, die Gut 
mütige, sich in sein Haus ge 
drängt haben könnte, um zu 
spionieren, wies er gleich wie 
der von sich. 
„Ich bin kein Schriftsteller“, 
sagte er. Und da er meinte, 
ihr die Wahrheit nicht schul 
dig zu sein, gab er ihr den Be 
scheid: „Das hier sind Aus 
züge von Werken, die mir be 
sonders am Herzen liegen.“ 
„Schade“, meinte sie nach 
denklich. 
„Was ist schade?“ 
„Daß Sie sich nicht mit Poli 
tik beschäftigen. Aber Sie ver 
stünden sich darauf, sicher 
lich“, setzte sie überzeugt hin 
zu. „Sie sind ja so gescheit..“ 
Immer sonderbarer, unver 
ständlicher kam sie ihm vor. 
Nun, die Erklärung aller Rät 
sel konnte ja nicht mehr lange 
auf sich warten lassen. Jeden 
falls war er gespannt, wenn 
auch nicht gerade sehr ernsthaft. Dieser 
Besuch war übrigens ein guter Einfall 
von ihr gewesen. Es war wirklich sehr 
hübsch, so mit ihr ungestört, in Ge 
mächlichkeit, einmal ohne den sonst un 
vermeidlichen Du Barry, zu sitzen und 
zu plaudern. 
Sie hatte sich im Armstuhl niederge 
lassen und spielte mit den Troddeln des 
samtenen Rückenpolsters. 
Herrn von Humieres’ Blick haftete 
lange an den Fingern, die in den Schnü 
ren wühlten. Diese Finger waren lang 
und blaß und spitz, mit rosigen, gewölb 
ten Nägeln. Keine Prinzessin konnte 
edlere, adeligste Hände haben. 
„Sie fragen mich ja gar nicht, warum 
ich eigentlich gekommen bin“, begann 
sie schließlich, mißgestimmt über seine 
Zurückhaltung, die ihr das Vorhaben 
nicht erleichterte. 
„Ich vermute, daß Sie es mir schon 
von selbst sagen werden“, versetzte er 
freundlich. Jede absichtliche Kränkung 
war ihm dabei fern. 
Aber Marianne faßte es 
anders auf. „So — ich. soll 
mich wohl gleichsam entschul 
digen, daß ich es gewagt 
habe . . .“ 
„Sie mißverstehen mich“, 
beschwichtigte sie der Baron. 
„Aber ich kann doch nicht gut 
fragen: ,Was wollen Sie?“ — 
Vor allem freut mich Ihr Be 
such.“ 
Ja, das war wieder der zärt 
lich verweisende, warme Ton, 
der ihr so wohl tat, in dem 
nur er, Athanasius von Humieres, mit 
ihr je gesprochen hatte und sprach. 
Sie senkte, ein wenig beschämt, die 
Augen Sie haben recht, ich war 
£>ie &rau 
von Dr. med. Paoli, mit 76 
Abb. Inh.: Der weibl. Körper 
Periode, Ehe, Geschlechts- 
trieb, Sch wangei-sdi.,Verhüt. 
u.UnterbredtR.d.Schwanger 
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ungeschickt. — Wenn ich in Gesellschaft 
der andern bin, glaube ich immer, schon 
ganz Dame zu sein, bin es ja wohl auch, 
für die andern. Indes, mit Ihnen al 
lein ...“ — und sie gestand 
treuherzig — „Sie machen 
mich immer wieder unsicher.“ 
Mit einem leise schüchter 
nen Ausdruck, den Kopf 
halb abgewendet, so daß sie 
ihn nicht ansehen mußte, 
saß sie unbeweglich ihm 
gegenüber, und die Scham 
des Geständnisses hatte 
ihren Wangen eine sanfte 
Röte angehaucht. 
Humieres hatte sie nie ent 
zückender gefunden. Durch 
gelegentliche Posen gewarnt, 
suchte er die Aufrichtigkeit 
ihrer Worte in ihren Mienen 
zu lesen. Aber sie gab sich in 
diesem Augenblick echt und 
natürlich. Und er empfand, 
vielleicht das erstemal, so 
ganz den Reiz dieser klar- 
linigen Schönheit und ruhigen 
Anmut, empfand ihn mit 
einem starken körperlichen 
und seelischen Wohlbehagen 
sogar. 
In seine beinahe andächtige 
Bewunderung fiel es wie eine 
Störung, als sie wieder zu 
sprechen anhub: „Es bereiten 
sich wichtige Veränderungen 
in meinem Leben vor.“ 
„Ich habe davon gehört", 
meinte er etwas kühl. Es wäre 
ihm lieber gewesen, wenn sie 
jetzt nicht darüber gesprochen 
hätte. 
„Was, Sie wissen es auch 
schon?“ 
„Man lebt doch nicht außer 
halb der Welt. Le Bel — Fahrt 
nach Versailles — meinen Sie, 
das bliebe geheim?“ 
Eine Enttäuschung für 
Marianne: sie wäre gerne 
die erste gewesen, die Humieres die 
große Neuigkeit gebracht hätte. Aber 
freilich, damit mußte sie sich nun 
abfinden, daß ihre Geheimnisse das 
allgemein verbreitete Wissen der ande 
ren wären. Und diese Popularität ihres 
Schicksals erfüllte sie im Grunde mit 
einer gewissen Genugtuung; man war 
doch jemand, man spielte eine Rolle in 
der Öffentlichkeit... Sie hätte jetzt 
eigentlich einige Worte der Anerken 
nung, des Lobes erwartet. Doch davon 
kam nichts. — Nahm er nicht mehr so 
viel Anteil an ihren Wegen? ... Dann 
wollte s i e eben die Größere sein, wollte 
beweisen, daß ihre Freundschaft die 
dauerhaftere, tiefere sei. 
Zu sehr mit ihren eigenen Gedanken 
beschäftigt, bemerkte sie nicht die Un 
ruhe, von der Humieres allgemach be 
fallen wurde. Er machte überflüssige, 
nervöse Bewegungen, blätterte zwecklos 
in einem Buch, drehte einen Schreibstift 
zwischen den Fingern, und seine Blicke, 
die immer wieder auf ihr verweilten, 
waren nicht mehr frei und 
klar . . . 
Ein beständiges Schwanken 
schnellwechselnder Empfin 
dungen: ganz unwahr, traum 
haft süß fühlte er bald Mari 
annens Anwesenheit, bald 
quälend verwirrend wirklich. 
Er legte sich die Frage vor: 
Kommt sie, um mir zu erzäh 
len, daß Du Barry sie glück 
lich bis zum Thron hinauf 
verschachert hat? . . . Will 
sie sich vor mir brüsten . . . 
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