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Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

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P ers o nen: 
Bella Nova, eine Filmdiva — Emmy, ihre Zofe — 
Ein hübscher Mensch — Ein aufdringlicher Mensch 
Das Boudoir Bella Novas. 
Bella Nova in eleganter Morgentoilette. Die Zofe 
Emmy ist mit dem Abräumen des Frühstück* 
gerade fertig 
Bella (zündet sich eine Zigarette 
an und durchfliegt die Morgenblät 
ter): Emmy! 
Emmy: Gnädiges Fräulein? 
Bella: Das Programm für heute? 
Emmy: Sofort. (Holt aus dem 
dahinterliegenden Zimmer einen 
großen Notizblock, von dem sie in 
der Folge abliest. 
Bella: Wie spät ist es jetzt? 
Emmy: Ein viertel vor elf? 
Bella: Also, bitte 
Emmy: Um zehn Uhr sind das 
gnädige Fräulein zum Zahnarzt be 
stellt. 
Bella: Abtelephonieren! Fragen, 
wann ich morgen kommen kann. 
Emmy: Verzeihen, gnädiges Fräu 
lein, der Herr Doktor war schon das 
letztemal sehr ungehalten. 
Bella: Ungehalten? Worüber? 
Emmy: Das gnädige Fräulein 
hätten nun zum viertenmal abgesagt. 
Bella: Nun, und —? Was er 
laubt sich der Mann! Unglaublich! 
Ich bin für ihn eine Reklame, die gar 
nicht abzuschätzen ist. Aber schön, 
machen wir einen anderen glücklich! 
Sagen Sie endgültig ab und machen 
Sie mir Vorschläge für einen 
anderen. 
Emmy: Sehr wohl! 
Bella: Weiter! 
Emmy: Um viertel vor elf 
wollte der Herr, der hübsche Herr 
von gestern, noch einmal vor 
sprechen. 
Bella: Ach ja. Ich werde es mir 
noch überlegen, ob ich ihn empfange. 
Emmy: Sehr wohl! 
Bella: Weiter! 
Emmy: Um elf ein halb ist die 
Friseuse bestellt; um zwölf ein halb 
Premiere im Welt-Theater. 
Bella: Der Chauffeur soll den 
weißen Wagen für ein viertel vor 
ein Uhr bereithalten. 
Emmy (notiert): Ein viertel vor 
ein Uhr den weißen Wagen. 
Bella: Am Nachmittag? 
Emmy: Um 6 Uhr Five o’clock 
bei der Baronin Osterburg. 
Bella: Hm. Rufen Sie ein vier 
tel vor sechs Uhr an — Migräne. 
Ich bedauerte. 
E m m y (notiert): Ein viertel vor 
sechs anrufen. 
Bella: Was ist am Abend? 
Emmy: Ich habe zwei Veran 
staltungen vorgemerkt: Hauptmann- 
Premiere im Deutschen Theater und 
Jubiläums - Aufführung im Ope- 
retten-Theater. 
Bella: Welche Operette ist das 
doch? 
Emmy: Die mit den zwölf Au 
toren. 
Bella: Der Titel? 
Emmy: Der Fox-trott-Prinz. 
Bella: Ich gehe in die Operette. 
Emmy: Sehr wohl! 
Bella: Sie können, wenn Sie 
Lust haben, die Karten für das 
Deutsche Theater benutzen. 
Emmy: Vielen Dank, gnädiges 
Fräulein. Leider habe ich schon 
etwas Besseres vor. 
Bella : So? 
Emmy: Gnädiges Fräulein 
waren so gütig, mich für den heuti 
gen Abend zu beurlauben und da — 
Bella (verständnisinnig lächelnd): 
Da haben Sie sich schon etwas vor 
genommen. 
Emmy: Ja! In der Marabu-Diele 
wird heute die Jazz-Meisterschaft 
für Sechzehnjährige ausgetragen. 
Bella: Das ist freilich inter 
essanter! Nun, Sie werden schon 
jemand finden für die Karten. 
Emmy: O ja. Die Hausmanns 
leute gehen so gern ins Theater. 
Bella: Na also! (Das Telephon 
ruft.) Es ist gut, Emmy. (Emmy ab.) 
Hier Bella Nova. Mor’n, lieber 
Direktor! Danke, so, so. Ein bißchen 
müde. Wie? Ja, ich höre. — Eine 
große Sache? Oh! Warum nicht! 
Von wem ist der Film? Ein be 
rühmter Dichter? Schon faul! Dich 
ter können keine Filme schreiben. 
Äh, nee, nee, Direktorchen, lieber 
nicht. Ich hab’ meine Erfahrungen. 
Haben Sie nichts anderes? Wie? 
Einen großen Sittenfilm? Ja, das 
könnte mich eher reizen. Wie? 
„Vom Barmädel zur Milliardärin?“ 
Oh! Das verspricht schon etwas! 
Hören Sie, Direktorchen, dafür habe 
ich Interesse. Honorar! Ausge 
schlossen, liebes Direktorchen. 
Unter 10 Mille auf keinen Fall. 
Zehntausend, jawohl! Unter diesem 
Betrag filmt heute kein anständiger 
Mensch mehr. Sie sind ein Knicker 
geworden, Direktorchen! Ihr Auf 
sichtsrat? Unter uns: Das sind doch 
lauter Idioten. Also, wann bekomme 
ich dann Bescheid? Morgen nach 
mittag? Famos! Wiedersehen, 
Direktorchen. (Hängt ein.) 
Emmy (von links): Gnädiges 
Fräulein, der hübsche Mensch von 
gestern ist wieder da. 
Bella (besinnt sich einen Augen 
blick): Ach so! Was wollte er doch? 
Emmy: Er sagte nur etwas von 
einer dringenden geschäftlichen An 
gelegenheit. 
Bella (gut gelaunt): Hm. Er ist 
hübsch, sagen Sie? 
Emmy (schwärmerisch): Sehr 
hübsch! Gnädiges Fräulein werden 
selbst sehen: Es ist ein zu schöner 
Mann! 
Bella: Na, dann lassen Sie den 
Adonis in Gottes Namen herein! 
Emmy (sehr erfreut): Ja, sofort! 
(Eilig ab. Wenige Sekunden später 
tritt „der hübsche Mensch“ ins 
Zimmer). 
Der hübsche Mensch (sehr 
sicher, sehr selbstbewußt, mit einem 
Stich ins Freche): Guten Morgen. 
Bell a(ihn lorgnettierend): Guten 
Morgen. (Deutet nach einer Weile 
auf einen Sessel.) Bitte. 
Der hübsche Mensch (setzt 
sich): Danke! 
Bella (immer noch mit dem 
Lorgnon vor den Augen): Sie 
wünschten mich in einer geschäft 
lichen ? 
Der hübsche Mensch (mit 
Betonung): In einer dringenden 
geschäftlichen Angelegenheit. 
B e 11a: Bitte sprechen Sie. 
Der hübsche Mensch (be 
merkt den günstigen Eindruck, den 
er auf Bella gemacht): Mein gnädiges 
Fräulein! Ich komme im Auftrag der 
Internationalen Alliance-Film-A.-G. 
Bella (unterbricht): Einen 
Augenblick: Wie heißt Ihre Gesell 
schaft? 
Der hübsche Mensch: 
Internationale Alliance-Film-A.-G. 
Bella: Nie gehört! 
Der hübsche Mensch : Das 
glaube ich. 
Bella: Was heißt das? Wo ist 
Ihre Gesellschaft —?
        
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