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Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

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Was liebt der Berliner? 
'ne Strippe! 
Von Hans Hy an 
Photos: Zander & Labisch Ohne Kümmel geht es nicht! 
E r is ’n juter Kerl“, sagt Max 
von Edewachten, „er stippt 
keene Fensterladen in Kaffee!“ 
— Nein, das tut er nicht, dahingegen 
aber Schrippen! Und wenn, wie 
das Vorkommen soll, der Dalles 
haushoch ist, dann besteht in 
Schrippen oder Maulschellen, 
von denen es früher für einen Pup 
pen (gleich zehn Pfennig) 
vier Stück gab und Lorke, 
auch Schusterpunsch 
geheißen, das ganze Diner. 
Euphemistisch bezeichnet 
man solche Mahlzeit mit 
dem Worte Leber. Man 
hat ja nicht nötig, die 
Schrippen trocken zu 
essen, man kann Salbe 
(Schweineschmalz) drauf 
schmieren oder ’n e 
Flaume druff flan- 
z e n. Und finden sich 
noch in irjendeene 
Ritze paar Jute, denn holt 
man sich ’n kleenen Hacke 
peter. Natierlich müssen immer 
noch ’n paar Pimperlinge 
für Getränke übrig bleiben. Denn 
ohne ’n e Weiße, ’ne große oder 
’ne kleine, geht’s nun einmal nicht! 
Und nicht zu vergessen: ’ne 
Strippe muß dabei sein! Zum Bei 
spiel ’n jroßer Leichenwa 
gen mit Troddeln, zu deutsch: 
ein Nordhäuser mit Himbeer oder 
Juchteifuchtel mit Pfer 
debittern, vielleicht auch ’n 
paar kleene Kindertränen. 
Manche Leute stecken sich dazu ’ne 
Affen flöte (Zigarette) an, andere 
beißen ’n kleenet Ding ab 
(priemen) oder* r o o c h e n 
’n Zijahn, wobei der 
vor dem Essen weggelegte 
Maikäfer sorgfältig 
wieder in Brand gesetzt 
wird. 
Kommt aber der Monats« 
erste und es fällt, wie 
man zu sagen pflegt, ’n 
warmer Rejen, denn 
geht Vater mit Mutter 
abends ins Familien« 
restaurant, un bestellt 
zweimal E i s b e e n — 
„aber nich so wie Ihre,
        
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