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Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

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W: 
as sagst du dazu? Und Maxi 
Schaumburg hat seine rote 
Rennfahrerkappe, die ihm die 
O. M.-Mannschaft verehrte, auch 
kein besonderes Glück gebracht! 
Der Herr in den Breeches, der mit 
ihm sprach? Wann denn? Ach so — 
der mit dem blauen Chrysler — das 
war doch Prinz Sigismund — richtig, 
und der andere war der zweite O. 
M.-Fahrer Minoia, der plötzlich auf 
gab, weil er „nicht Lust hatte, sich 
das Genick zu brechen“! Na, etwas 
dran ist natürlich — auf einer Bahn, 
wo die Wagen schleudern, an 200 
Kilometer zu fahren, ist bestimmt 
nicht ganz angenehm! Das Publikum 
war wirklich sehr interessant — es 
war mal wieder alles da! Jetzt sitzt 
alles in Heringsdorf und läßt sich 
neppen! Sonnabend, Sonntag oder 
wie der Berliner seit „Week end“ so 
hübsch sagt „Übern Sonntag“, ist in 
keiner Autogarage mehr Platz zu 
finden. Was? der große Renault mit 
dem graumelierten Herrn? Na, da 
hast du wohl nicht richtig gesehen 
— das war doch Hans Bleichröder, 
und die junge schwarzhaarige Dame 
war nicht Fräulein Rasmussen, son 
dern Fräulein Karfunkel. Und der 
Mercedes? In dem Mercedes saßen 
Schieber und Rehlein — das ist ein 
zweiter Irrtum. Beim Tennisturnier 
fehlte eigentlich die große Klasse —- 
immerhin, auf den hübschen Plätzen 
war allerhand los. Und wohl denen, 
die sich bei der Hitze nicht in Berlin 
placken müssen! Der Kainer, na der 
arbeitet doch wie ein Blödsinniger 
für die Haller-Revue! Keine 
schlechte Idee übrigens. Das wird ja 
ein toller Wettlauf werden mit den 
neuen Revuen. Acht Stück kommen 
gleichzeitig heraus. Weißt du, daß 
Haller Minty und Tillio, die Tänzer 
aus dem Casino de Paris engagiert 
hat, die dir damals so gut gefielen? 
Dafür hat Charell die Eckersberg 
und Gurt Bois. Die Gebrüder 
Schwarz? Die hüllen sich vorerst in 
Schweigen. Man weiß nur, daß sie 
für ihre Revue wieder die schönsten 
Mädchen und eine Magazin-Idee als 
Rahmen gewählt haben. Die vorer 
wähnte Tänzerin Rigmor Ras 
mussen, von der ich vorhin sprach, 
äst da engagiert! Ein dänisches 
Mädchen — beim dänischen Wein . . 
Warum fragst du mich immer nach 
Männern, frag’ mich doch mal nach 
Frauen? Oder interessieren die dich 
nicht mehr? Da ist eine Frau Holtz 
aus Hamburg, die im Bristol wohnt 
und zum Film gehen will — eine 
sehr schöne Frau, ohne Frage! Na, 
du weißt doch — bei Horcher — zu 
sammen mit dem Grafen Montgelas 
und Fräulein M. und Herrn Bran- 
dies, den Mann mit den zwanzig 
Poloponys. Tetelmann — ja, der 
hätte sich ja beinahe das Genick ge 
brochen und geht jetzt am Stock 
spazieren. Nicht beim Turnier — 
schon vorher beim Training! Er hat 
wahrscheinlich zu tief in die blauen 
englischen Augen der Miß L. ge 
sehen! Nebenan saß Mary Parker 
mit ihrem glücklich gelandeten, pol 
nischen Grafen. Und die Reinwald 
mädchen, Irma und Hanni, die 
immer hübsch und blond zum ver 
trauten Inventar gehören. Ja — das 
wußte ich, daß du das fragen 
würdest—das ist eine amerikanische 
Beauty—die mal Herrn von Koczian 
nahe stand, allerdings nur ein paar 
Wochen — dann dampfte sie über 
den großen Teich. Die Ossi — oh der 
geht es sehr gut, sie ist „lustig“ und 
guter Dinge. In der Tiergartenstraße 
hat man dieser Tage die erste 
Sitzung des neu gegründeten „Klubs 
der geschiedenen Berlinerinnen“ ab 
gehalten! Das ist kein Witz, du, son 
dern reine Tatsache. Die Klubräume 
in der Bendlerstraße werden nächste 
Woche bezogen. Ich werde dir dar 
über genauest berichten! Wer da 
drin äst? Na, muß ich dir das erst 
sagen? Jedenfalls alles alte Bekannte 
von dir. Frau Dr. E. ist erste Schrift 
führerin und hält, glaube ich, mit 
acht Scheidungen einen derzeitigen 
Rekord. Und wen, glaubst du, er 
blicken meine erstaunten Augen 
gestern nachmittag bei Rumpel 
mayer? Ernst Deutsch! Nein, nicht 
den Schauspieler — den ehemaligen 
Zeichner, der jetzt unter dem Pseu 
donym Dryden in Wien lebt. D. h. 
lebte — denn er befindet sich auf der 
Durchreise nach Amerika — böse 
Zungen sagen, er will mal die 
Zeichner kennen lernen, die seine 
Zeichnungen gemacht haben . . . 
Hier kommt Berlin — auf Welle . „
        
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