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Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

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„Ihr Spiel mit Jen Willen . . . 
Von Tr uJe John 
K ennt ihr das Meerspiel“, 
das drei Monate im Jahr 
— vom Juni bis September 
—funktioniert und in aufgezogenem 
Zustand, besonders wenn die Sonne 
scheint, ein wunderhübscher Zeit 
vertreib ist? Das Meer zieht sich zu 
rück und kommt wieder, der kleine 
Dampfer fährt vom Hafen bis zum 
historischen Felsen imimer hin und 
her, indem er eine dünne Rauch 
säule in die klare Luft hinaufschickt, 
der Matrose, ein richtiges Wasser 
spielzeug, wiegt sich in seinem Kahn, 
die Autos sausen auf ferner Land 
straße vorbei, „er“ geht ins Kasino, 
und „sie“, ja „sie“ in die Kabine! 
Denn auch bei diesem Spiel ist „sie 
die Hauptperson, und wenn sich die 
Tür des hochrädrigen Wasserkarrens 
hinter einem großgeblümten Musse 
linkleid und einer ibuntbebänderten 
Strohschute schloß, so bewei 
sen alle, von fern und nah auf 
diese Holzpforte gerichteten 
Operngläser, Brillen, Monokels 
und unbewaffnete männliche 
Augen, welchen Wert sie dem 
Augenblick beimessen, da sich 
das knarrende Tor des Para 
dieses vor der Eva im Bade 
kostüm wieder öffnet. Denn: 
„Ein Tor ist immer willig, wenn 
eineTörinwill!“ — Und sie will! 
Und ist auch keineswegs eine Törin, 
das zur Schau zu stellen, was für die 
Gläubigen eine Gelegenheit mehr ist, 
den lieben Gott in seinen Geschöp 
fen zu ehren und ihm für seinen 
guten Geschmack und seine All 
macht dankbar zu sein! 
So ein Badekostüm ist in den 
letzten Jahren zu einer sehr wichti 
gen Angelegenheit geworden, denn 
Eleganz mit einem kleinen Stücjc- 
chen Trikot zu betreiben, erscheint 
im ersten Augenblick sehr schwierig! 
Und doch haben sich ganz schar 
mante Ideen ausführen lassen, die 
unter den Strahlen der Meeressonne 
den Beifall aller Badenden und 
Nichtbadenden finden. 
Das zweifarbige Kostüm ist wohl 
das reizvollste. Da ist etwa der obere 
Teil aus weißem oder grünem Tri 
kot mit großem schwarzem Mono- 
korallenfarbenem Marocain, die mit 
weißen und marineblauen Streifen 
durchsetzt sind. Die Bademäntel 
sind phantastisch und inspierieren 
Anoriffaber eit / 
Leu 
Rechtes Bein vorwärts . . . streckt / 
gramm, während der untere 
schwarz ist. Kleine Höschen in 
Ballonform blähen sich über Wa 
den, deren Anblick keineswegs 
unangenehm ist, und Inkrusta 
tionen in entgegengesetzten Far 
bentönen fordern zu der Beob 
achtung heraus, wie wirkungsvoll 
doch Kontraste sind. Frauen, die 
das anliegende Badekostüm nicht 
mögen, wählen den ganz kurzen 
Überwurf, der, ein wenig weitge 
halten, sehr fesch aussieht.Oft bil 
den sich sogar kleine Röckchen aus 
sich an den modernen Kleidungs 
stücken. Farbige Riesenblumen 
auf organischen Schals, die aus 
dickem Kräuselstoff sind und 
in einer langen Fransenbordüre 
enden, wechseln mit Peignoirs aus 
geblümtem Cretonne ab, der mit 
dem schützenden Sonnenschirm 
in harmonische Übereinstimmung 
gebracht wird. Fast möchte man 
das Ganze für ein morgendliches 
Strandkomplet halten und ist 
doch nichts anderes als ein 
moderner Bademantel, der ein
        
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