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Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

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<11. Fortsetzung) 
LIEBCHEN 
ROMAN VON WALTER ANGEL 
E inen Menschen jedoch ganz vor 
sichtig, so daß er sich nicht 
wehren konnte, zu zwicken und 
zu peinigen, dieses Vergnügen 
konnte er .sich nicht versagen, 
obzwar er ganz gut spürte, daß seiine 
Rolle hier für den Augenblick durch 
seine eigene Ungeschicklichkeit ausge 
spielt sei. 
Lauzun achtete Maupeous überhaupt 
nicht. Mit dem ungepflegt anissehenden 
Plebejer sich zu beschäftigen, bereitete 
ihm Ekel. Er vermied es, ihn anzureden 
oder ihm direkt zu antworteten, Und 
mußte er wirklich einmal das Wort an 
den Kanzler wenden und ihn anschauen, 
dann kam sein Auge gewiß von irgend 
einer Stelle seiner stets mangelhaften 
Toilette nicht hinweg, zu Maupeous 
leisem Unbehagen. Heute waren es bei 
spielsweise des Kanzlers schmutzige, 
dicke, braune Strümpfe. 
„Wo ich 'Frau von Lancon kennenge 
lernt .habe, das kann ich Ihnen nicht 
mehr sagen“, sprach er, zur Herzogin ge 
wandt. „Man macht so viele Bekannt 
schaften ... Im letzten Karneval war’s. 
Ich habe dem ersten Zusammentreffen 
zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, um 
noch- eine klare Erinnerung daran zu 
haben. Auf einem Opernball sah ich sie 
wieder, dann öfters bei der Marquise 
von Duquesnoy, die siie für ihre Nichte 
ausgab. Dort dürfte ihr auch wahrschein 
lich Du Barry begegnet sein. So wie ich 
sie kenne, kennen sie ziemlich viele 
Herren vom Hof, fragen Sie doch 
Aiguillon oder Richelieu.“ 
Der kleine Herzog lächelte dreist lie 
benswürdig Frau von Gramont und 
seinen Oheim an; er hatte Persönlich 
keiten genannt, die mit der Herzogin 
und dem Minister verfeindet waren. 
„Vielleicht sind die besser beschlagen . . 
Aber sicher dürfen Sie nicht erwarten, 
von denen mehr zu erfahren.“ 
Die Herzogin war über alle Maßen er 
grimmt, daß ihr der Neffe so geschickt 
entglitt. „Vom Hiiimmel kann sie doch 
nicht gefallen sein!“ rief sie, erregt auf 
springend. 
„Kaum“, versetzte ruhig Lauzun und 
erhob sieih desgleichen. „Erlauben Sie, 
< daß ich mich jetzt verabschiede, die 
Mesnard singt heute, ich möchte mir das 
Vergnügen nicht gern entgehen lassen.“ 
„O, lassen Sie sich nur nicht stören! .“ 
sagte die Herzogin. 
Er verbeugte sich und ging. 
„Nun, wiie gefällt Ihnen unser Neffe?“. 
Frau von Gramont schnaufte ordentlich 
vor Wut. 
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Ohoiseul aber lächelte zufrieden: 
„Nicht.übel. Und nicht wahr, jetzt ent 
schuldigen Sie auch mich." 
„Ich ersuche auch darum“, sagte der 
Kanzler. 
„Und wenn Sie darüber Entschluß ge 
faßt haben, wie man sich dieser — dieser 
Frau von Lancon entledigen kann, und 
sofern sie sich wirklich als eine solche . . 
Gefahr entpuppt haben sollte, dann 
wollen w.ir weiter beraten. Bis dahin — 
hören Sie auf meinenRat, FrauSchwester 
— bleiben Sie doch besser in Sours.“ 
Im Hof unten .stand die grüne Gala- 
kalesche, in der Marianne seinerzeit 
ihren Einzug ins Palais Auneuiil gehalten 
hatte. Zwei schwere, langmähnige 
Limousiner Sehimme) klirrten im rot- 
go-ldencn Geschirr, der Lakai hielt den 
Schlag offen, die Wagenstiege war schon 
heruntergelassen. 
Oben im Ankleidezimmer der Frau von 
Lancon sagte Du Barry: „Es ist Zeit.“ 
Er selbst hatte die Ausfahrt in Szene 
gesetzt. Er hatte die Roibe ausgewählt, 
er war beim Anziehen und Frisieren zu 
gegen gewesen, hatte Frau von Lancon 
eigenhändig die Federn im Haar gestellt 
und den Schmuck umgelegt. 
„Es ist Zeit", sagte er. 
Marianne warf noch einen Blick in den 
Spiegel, dann eilte sie ins Schlafgemach, 
nahm ernst das Hufeisen, das sie neben 
ihrem Bett hängen hatte, und verwahrte 
es in ihrem Rüticule. 
„Überflüssig, Ihnen Erfolg zu wün 
schen“, meinte Du Barry, sie ein letztes 
Mal höchst zufrieden musternd, während 
sie die Treppe hiinunterstiegen. 
Er setzte sie ein, reichte ihr durchs 
Fenster die Hand und befahl: „Vor 
wärts!“ 
Der Lakai sprang hinten auf, der Kut 
scher zog die Zügel, Marianne winkte 
zurück, und der Wagen rollte davon. 
In sieh versunken achtete Frau von 
Lancon nicht des Weges. Kaum daß sie 
hier und da flüchtig hinausblickte, um 
sich zu vergewissern, wo sie sich befände. 
So bemerkte sie auch nicht die beiden 
Reiter, die sie ein Stück hinter dem 
Stadttor, auf der Raichsstr.aße, höflich 
grüßten. 
„Frau von Lancon! —“ sagte der Baron 
La Chat re. „Donnerwetter, doch schon 
so weit . . 
Der Herzog von Aiguillon lachte: „Ja, 
halten Sie unsem Freund Du Barry für 
einen Stümper?“ 
Und in stillschweigendem Einverständ 
nis schlugen sie die Richtung zum Cours 
la Reine ein, wo man Bekannten be 
gegnen konnte. 
Der Kutscher fuhr durch das äußere 
Parktor von Versailles. Frau von Lancon, 
aus ihren Träumen erwachend, sah um 
sich und rückte ans Fenster. 
In weitem Bogen umfuhr sie das 
Schloß, 
Vor de.n Eingängen schritten langsam, 
das Gewehr im Arm, die Wachen, an 
einigen Fenstern blitzten Partisanen. 
Eine Staatskalesche hielt vor einem 
Seitentor, ein Lakai schwatzte mit dem 
Schweizer. 
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HERZ-SCHUHE“ 
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