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Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

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klappernden Pantinen, — emsig 
kochend und rührend. 
„Mutter!“ rief Marianne und 
wollte der Alten um den Hals 
fallen. 
Frau Vaubernier aber hielt sie 
trotz ihrer Verblüffung mit schnell 
ausgestreckten Armen von sich. 
„Das Fräulein Tochter! . . . Daß 
die sich auch einmal blicken läßt . 
— Sie fühlte sich vernachlässigt von 
Marianne, die sie wirklich erst ein 
einziges Mal besucht hatte, seit sie 
mit Du Barry lebte. 
Marianne, wie ehedem als kleines 
Mädchen, schmollte. „Ist das eine 
Begrüßung? Ich habe sie mir anders 
vorgestellt. Da gehe ich lieber.“ Sie 
kehrte sich um. 
Frau Vaubernier, der lange zu 
grollen nicht gegeben war, vertrat 
ihr den Weg, schon halb ausgesöhnt 
lächelnd: „Na, komm her!“ und zog 
sie an sich und küßte sie. „Aber ein 
undankbarer Fratz bleibst du doch.“ 
Sie führte sie in die Stube. Sie 
hielt Marianne an den Fingerspitzen 
gefaßt und musterte sie von oben 
bis unten. 
„Fein siehst du aus, sehr fein. So 
ist’s recht.“ 
„Und es soll noch feiner werden!“ 
rief Marianne und setzte sich auf 
das wackelige Sofa unter die bemalte 
Tonstatuette der heiligen Genoveva. 
Die Alte streifte den Rock her 
unter und nahm neben der Tochter 
erwartungsvoll Platz. 
„Nun? Hast du dich zerschlagen 
mit dem Herrn Grafen? Oder wo 
fehlt’s?“ 
„Wo es fehlt? Warum? . . .“ 
„Ich denke mir, wenn so eine 
große Dame sich zur armen Mutter 
bemüht, drei Treppen hoch, da muß 
irgend was nicht stimmen.“ 
„Nein, Frau Mutter“, lachte Ma 
rianne, „es stimmt alles, sogar wun 
derschön — und gerade deshalb, 
weil’s so schön stimmt, deswegen 
bin ich hier.“ Sic wollte es recht 
wirkungsvoll herausbringen. „Sitzen 
Sie auch gut und fest, Mutter?“ 
„So fest, daß ich nicht einmal 
herunterpurzele, wenn du mir sagtest 
— zum Beispiel — der König 
selber . . .“ 
Marianne fuhr jäh in die Höhe: 
„Sie wissen es!“ rief sie außer sich. 
„Was soll ich wissen?“ fragte 
Frau Vaubernier ruhig. 
„Vom König — daß ich ihm vor 
gestellt werden soll . . . daß ich 
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„Ins Schloß, zum König . . .“ 
„Zum König, ja! zum König!“ 
jubelte Marianne, deren Freude sich 
eigentlich jetzt das erstemal unge- 
dämmt befreien konnte. 
Frau Vaubernier schwieg. Sie sah 
die Tochter an mit einem unendlich 
stolzen Lächeln um den Mund und 
mit glücklicher Rührung in den 
Augen. Sie nahm behutsam in ihre 
großen schwieligen Hände die 
weißen und zarten Mariannchens. 
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„Mein Kind . . sagte sie, sonst 
nichts. 
Marianne jauchzte und lachte an 
ihrem Hals. 
Frau Vaubernier fuhr ihr lieb 
kosend übers Haar. „Mädel, mein 
Mädel . . .“ Ganz weich wurde ihr 
ums Herz. „Erzähl’ das alles!“ 
Und Marianne erzählte. Begann 
mit dem Aufenthalt auf La Guerche 
und schloß mit dem gestrigen Besuch 
des Kammerdieners. Es war nicht 
leicht, aus ihren aufgeregten Reden 
Klarheit zu gewinnen über den Gang 
der Begebenheiten. Frau Vaubernier 
mußte einige Male unterbrechen, 
zu größerer Deutlichkeit mahnend 
und über einzelnes nähere Auf 
klärung verlangend. 
Schließlich hatte Marianne ge 
endigt. 
Aber wie sonderbar benahm sich 
denn die Mutter?! . . . 
Schon während des letzten Teiles 
von Mariannens Bericht war Frau 
Vaubernier ernst und ernster ge 
worden und hatte die Unterlippe 
über die mit dunklem Flaum be 
deckte Oberlippe geschoben, wie 
immer, wenn sie angestrengt nach 
dachte. Und jetzt, jetzt saß sie 
stumm und schaute an Marianne 
vorbei starr in die Dämmerung hin 
aus, den Ausdruck ängstlicher Be 
denken in den Zügen. 
Marianne rüttelte sie am Arm. 
„Mutter, was haben Sie? Warum 
reden Sie nichts?“ 
Frau Vaubernier wandte ihr das 
Gesicht zu. Sie nickte: „Ja, ja, 
gleich . . . Also, so ist das alles ge 
wesen, genau so, wie du’s erzählt 
hast? . . . Du faselst nicht? . . .“ 
„Ich werde Sie doch nicht an 
lügen?“ 
„Der Herr Kammerdiener selbst 
hat es dir gesagt, hat dir in Aus 
sicht gestellt . . .?“ 
„Der Herr Kammerdiener, Herr 
Le Bel selber.“ 
„Hm . . Frau Vaubernier schüt 
telte den Kopf 
Marianne sprang auf. „Aber Sie 
freuen sich ja gar nicht!“ rief sie 
gekränkt. 
„Dummheiten, natürlich freue ich 
mich. Nur —“ 
„Nur? . . .“ 
„Nur sehe ich eine Menge Dinge 
da ganz anders als du, meine Liebe“, 
sprach Frau Vaubernier sehr ernst. 
„Was für Dinge?“ 
„. . . Ob du nicht noch zu jung 
bist, zu unerfahren, zu schwach für 
so was? Ja, schau mich nur groß an. 
Da, komm, setz dich hübsch nieder. 
Ich glaube, Mariannchen, du bist dir 
über das Schwere, was dir bevor 
steht, nicht ganz klar. Man ist 
nämlich nicht die Geliebte des 
Königs, wie man die Geliebte irgend 
eines beliebigen Herrn Grafen ist.“ 
„Das weiß ich.“ 
„Das weißt du. Weißt du aber 
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