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Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

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Asino = Toiletten 
I m Süden unter blauem Himmel, wo die 
goldene Sonne heißer strahlt, muß das 
Paradies gelegen haben. Denn jedem von 
uns Liegt die Sehnsucht im Blut nach den 
leuchtenden satten Farben des Südens, 
nach Wärme, Licht und flammender 
Schönheit Diejenigen, die in diesem Jahr 
schon ihr Glück in Monte versuchten 
und weiter nach Venedig, Florenz, Rom 
und Neapel zogen, wissen von einer 
Eleganz zu erzählen, wie man sie nur in 
wenigen Jahren kannte. Tiefe Decolletes 
schülernder Paillettenkleider, darüber 
Paillettencapes, weiße Mäntel mit kost 
baren Pelzen, Hermelin und Chinchiilla- 
capes, Dinge, die sonst wie seltene 
Träume den Frauen vorschweben, sind 
hier in den internationalen Hotels und 
,im Kasino selbstverständliche Erschei 
nungen. Um die apart ondulierten Köpfe 
schmiegen sich Brillantspangen, weiße 
nackte Arme schimmern unter zahllosen breiten Brillant 
bändern,, Brillanten, auf feine Platinketten gezogen, rivalisieren 
mit mattsohimmernden Perlen. Sie sind die letzte Sensation 
und scheinen an Beliebtheit alles übrige zu übertrumpfen. 
Uber die nackten Schultern werden wundervolle Stoffstücke 
aus Velours, Chiffon, Brokat, Lame geworfen und harmonisch 
um die Schlankheit drapiert. Die weichen, farbigen Samte, die 
von metallischen Fäden durchzogen werden, bringen die leuch 
tendsten Reflexe im Glanze der Kronleuchter zu strahlendster 
Entfaltung. Ruhin- und Bordeauxrot, Jadegrün und Orange 
wetteifern mit Zobel, Nerz, Biber und weißem Fuchs, die 
Schönen zu schmücken, und wenn die Abendkleider leichter 
und immer kürzer werden, so werden die Mäntel und Capes 
reicher und immer schwerer. Steine rieseln geradezu von 
ihnen hinab, und die Pelzkragen erreichen monumentale Pro 
portionen. 
Unsere modernen Toiletten, leuchtend und anspruchsvoll, 
stehen selbst zu den letzten Perückenentwürfen in bester Har 
monie.
        
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