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Full text: Berliner Leben Issue 29.1926

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zu fischen ... sie streckt sich ln 
dem Kahn aus und läßt sich längs 
des Ufers dahintreiben, in einer 
sehr verführerischen Pose . . . und 
sie erwidert dann auch die Blicke 
und das Lächeln der Passanten . . . 
Es scheint, daß dies jedesmal ge 
lingt . . . Sie sollten ihre Bekannt 
schaft machen . . . man sagt, daß es 
sich verlohnt ... 
Du kannst dir denken, Fernand, 
daß ich diesen Rat befolgte . . . 
Fernand (totenblaß, sich beherr 
schend): Und? . . . 
Direktor (sehr eitel): Und . . . ich 
versichere, daß die Kleine ent 
zückend war . . . und verliebt!! Ich 
bedauerte, nicht den ganzen Som 
mer in Evian bleiben zu können ... 
es hätte sich gelohnt! . . Sicherlich 
hast du sie auch gesehen, es kennt 
sie ja alle Welt in Evian . . . (Er be 
merkt, daß Fernand sehr düster und 
blaß dreinsohaiut.) Aber ich erzähle 
dir da Geschichten, die dich gar 
nicht interessieren . . . ich glaube, 
daß du von der Reise sehr ermüdet 
bist . . . Nun, ich will dich jetzt in 
Ruhe lassen . . . gehe jetzt auf dein 
Zimmer . . . wir werden später 
plaudern . . . 
Fernand (sehr aufgeregt, lebhaft): 
Nein, nein . . . ich bleibe nicht 
hier . . . ich fahre nach Paris wei 
ter .. . Wann geht der nächste 
Zug? 
Direktor (sehr überrascht): Was 
erzählst du mir da? Du willst wie 
der abreisen? Aber du bist kaum 
an,gekommen! 
Fernand (sehr nervös): Es ist un 
bedingt notwendig . . Sag schnell.. 
wann geht der nächste Zug? 
Direktor (sieht auf die Uhr): 
Wenn du ein Auto nimmst, kannst 
du noch zu dem Expreß zurecht 
kommen . . . 
Fernand (zum Portier): .. Schnell 
. . ein Auto!! (auf seine Koffer zei 
gend) und man lade diese Koffer 
auf . . . 
Direktor (verblüfft): Warum, zum 
Teufel, hast du dann ein Zimmer 
verlangt . . da du . . , 
Fernand (vertraulich): Wegen der 
. . . andern! 
Direktor: Der andern? . . Welche 
andere? 
Fernand: Die andere . . . die jetzt 
im Zimmer ist . . . die sich soeben 
schön macht, sich frisiert, sich pu 
dert, ohne etwas zu ahnen . . . 
Direktor: Ah . . . oben ist eine 
andere? . . . 
Fernand: Ja . . . eine Klette . . . 
eine wirkliche Klette! . . . Eine Ge 
liebte, die ich nicht loswerden 
kann . . . und . . . 
Direktor (sich auf die Stirne 
schlagend): Aha . . . jetzt begreife 
ich! . . Du willst -dich verheiraten! 
. . . Ah. . . 
Fernand: Nicht wahr? . . Es ist 
ganz leicht . . es ist mir der Einfall 
gekommen . . . hier anzuhalten, um 
die Klette loszuwerden . . . ich habe 
an dich gedacht, damit du mir dabei 
behilflich bist . . . Du wirst sie be 
ruhigen . . . du wirst ihr in meinem 
Namen zehntausend Francs geben .. 
du wirst das für mich tun, nicht 
wahr, mein Lieber? . . . Und vor 
allem . . . damit sie meine Spur ver 
liert, wirst du ihr sagen, daß du 
meine Adresse nicht kennst . . '. ich 
kann mich auf dich verlassen, nicht 
wahr? 
Direktor (ohne Begeisterung): Du 
gibst mir da eine verwünschte Mis 
sion . . . eine Frau beruhigen zu 
müssen, die von ihrem Liebhaber im 
Stiche gelassen wird . . . vor allem 
in dieser ungewöhnlichen Art .... 
dies ist nicht gerade leicht! .... 
Wenn ich sie zumindest kennen 
würde, dann ginge es leichter! 
Fernand (der ihm die Hand drückt 
und in das Auto springt): Aber du 
kennst sie ja, Lieber. 
Direktor (sehr neugierig): Ich 
kenne sie?! Unmöglich . . wer ist’s 
denn? 
Fernand (während er den Wagen 
schlag schließt): Die kleine Dame in 
Lila! (Das Auto verschwindet) . . . 
(Autorisierte Übersetzung von Franz Farga.)
        
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