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Full text: Berliner Leben Issue 28.1925

Jahrq. 2£ 
Nr. 27 
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Die Mode im Hochsommer 
ir befinden uns jetzt im Hochsommer, d. h. in 
der schönsten Zeit des Jahres. — 
Die Tage sind lang, herrliche warme Abende lösen 
heiße Nachmittage ab und der kühlen Nacht folgt 
ein strahlender Morgen, so ziehen die Tage dahin, so 
schnell, ach zu schnell. — In allen Erholungsorten, an 
der See, in den Bädern, wo Kur gebrauucht wird, ist 
Hochsaison, mit anderen Worten: duftige Kleider, 
helles Lachen, Lebensfreude, Flirt, Tanz, Sport und vor 
allen Dingen Faulenzen, köstliches Nichtstun und für 
eine kurze Spanne Zeit Losgelöstsein aller Sorgen, 
In dengrößerenKurorten und an einigen fashionablen 
Seebädern wird unerhörter Toilettenluxus getrieben. 
Mit den ersten Sommertagen kamen auch die weißen 
Kleider wieder zum Vorschein; die alte liebe Weiß 
stickerei erfreut sich einer neuen Vorliebe, Organdi, 
Georgette-Crepe,Taffet und 
andere feine Stoffe sind 
mit dieser „broderie 
a n g 1 a i s e“, wie man sie in 
Frankreich nennt, garniert. 
Aber nicht nur in Weiß 
hat man diese gestickter 
Roben, auch in farbig, in 
roten Tönen, in Pastellblau. 
in Grün und auch in Grau. 
Letztere sind besonders 
schick und elegant. Zum 
Kleid passen die Schuhe, 
Strümpfe, Handschuhe, der 
Hut und das Täschchen. 
So gekleidet steht das mo 
derne Aschenbuttel in seiner 
ganzen Grazie und Lieblich 
keit vor uns. 
Zum eleganten Kleid nach 
mittags Adrd der kleine Hut 
durch die große Schute ab 
gelöst, aus Ostende kommt 
uns die Kunde von bemalten 
Hüten, und zwar bestehen 
diese aus Stroh in dichtem 
gleichmäßigem Geflecht, das 
dann mit originellen Blumen 
und anderen Mustern be 
malt wird. 
Bemalte Schals sind eben 
falls die große Neuheit der 
Badesaison, man sieht sie am 
Strande wie auf der Pro 
menade der Kurorte. — Der 
Schal ist seiner großen 
Wandlungsfähigkeit für Alt und Jung geeignet, man 
kann ihn auf die verschiedensten Arten tragen, ihn so 
und so um den Körper legen, ihn als Krawatte binden 
und ihn geschickt über die Schultern fallen lassen. 
Da sich Frau Mode wie nun einmal jede schöne Frau 
in Widerspruch gefällt, bringt sie Pelzbesatz auch an 
Hochsommerkleidern an. — Man muß diesen Einfall 
immer wieder als einen sehr glücklichen und gelungenen 
preisen, denn die erzielte Wirkung des hauchdünnen 
Materials mit einem duftigen Sommerpelz ist im 
höchsten Grade reizvoll. 
Zu den Sommerpelzen par excellence gehört der 
Weißfuchs, man sieht jedoch auch dunkle Pelzarten. — 
Es wird möglichst auf Übereinstimmung der Farbe ge 
sehen, also wird man ein weißes Kostüm mit weißem 
Pelzwerk ein braunes mit 
braunem und ein graues mit 
grauem Pelz schmücken. 
Das Stilkleid, das ja 
immer etwas abseits der 
Mode wandelt, ohne jedoch 
sich ganz davon frei zu 
machen, bildet auch im 
Sommer im Kurort einen 
wichtigen Bestandteil des 
Toilettenbestandes junger 
Mädchen und junger Frauen. 
Es gibt Stilkleider, die sich 
nur für den Abend eignen, 
diese sind in der Art unserer 
Modelle Fig. 5—7 gehalten, 
andere aus Mull oder Or 
gandi werden zur Promenade 
getragen. Die Machart der 
Stilkleider ist immer die 
selbe: krausgezogener Rock 
und glatte, ärmellose Taille. 
Die Garnierungen wählt 
man recht auffallend, es sind 
entweder bunte, applizierte 
Blumen, breites Lamöband, 
gestickte große Motive oder 
ganzeStreifen in öl- oder He 
liosfarbenmalerei. Immer 
ist der Rock garniert, die 
Taille schmucklos gehalten, 
es sei denn, sie hätte einen 
Spitzenkragen oder eine 
Blume auf der Schulter. 
Marianne. 
Fig. 1. Kasinokleid au» goldgelbem Seidenstoff 
ln Prinzeßform mit weitem Rock. Durch 
den Stoff geleitetes braunes Band wird link» mit 
einer Straßichnalle zusammengehalten.
        
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