Path:

Full text: Berliner Leben Issue 28.1925

jabrg. 33 
hr,'26 
34 
Die Direktrice kam sogar angelaufen, mühte sich mit ihrem ziemlich schlechten 
Französisch, ihm Artigkeiten zu sagen und schenkte ihm eine Rose. 
„Das ist Rasse!“ lobte Doktor Brölling laut, als der 
Knabe mit seiner Begleitung das Vestibül verlassen 
hatte. Er fragte die Direktrice: „Wer ist der famose 
kleine Bursche? Doch unstreitig ein Südländer?“ 
„Die Herrschaften kommen aus Athen . . . Also wohl 
Griechen!“ antwortete die starkbusige Dame. „Der 
Kleine ist ein Prinz Vouzso!“ 
Froh der Neuigkeit schienderte Doktor Brölling nach 
dem Tennisplatz. Er suchte eigentlich das schöne 
Amerika-Girl, das sich so selten machte. Doch halt, 
gleißte da nicht ihr Goldhaar? Also herangepirscht. 
Die Alte war natürlich auch da. 
„’n Morgen, meine Damen! ... Lassen gnädiges Fräu 
lein sich auch mal hier sehen?“ 
„Ich bin leidenschaftliche Tennisspielerin!“ antwortete 
Tissa, „aber nicht hier!“ 
„Haben Sie schon den neuen Zuzug hier im Hotel be 
merkt?“ plauderte Brölling und schwenkte seine lange 
Gestalt hin und her, „Dort — sehen Sie den famosen 
kleinen Kerl? Ein griechischer Prinz. Prince de Vouzso 
benamst!“ 
Tissa mußte sich Gewalt antun, ihr Erschrecken zu 
verbergen. Auch Tante Klara war zusammengezuckt 
und warf Tissa einen Blick zu. Dann fragte Fräulein 
Kalkbrenner: ,Der Kleine ist mit seinen Eltern da?“ 
„Habe keine Ahnung, Gnädigste . . . Vermute 
jedoch! . . . Und wie haben sich gnädiges Fräulein vor 
gestern auf der Redoute unterhalten? Hielt vergebens 
Umschau!“ 
„Dazu geht man ja maskiert, um nicht erkannt zu 
werden!“ antwortete Tissa. 
Dabei war ihr, als schwanke der Boden unter ihren 
Füßen. Es hate sie schon die größte Anstrengung ge 
kostet, heute unter Menschen zu gehen nach einer Nacht 
vergeblichen Wartens und grausamer Unruhe. Was hielt 
den Geliebten fern? Weshalb ließ er sie auch heute 
ohne Gruß? 
Am Strand und in den Bergen zu lesen! 
Märchen von Irmgard Frcyer 
Entzückende Märchen für jung u. 
alt 7 wie geschaffen zur Ferienlektüre. 
In schönem Malhleinenhand AI. -f. - 
2,u beziehen durch jede Buchhand» 
lung oder direkt vom 
JllmAn&ch^JCunstverl&s yf.-G 
Berlin S. dU. öl. Belle »Allianceplatz 8 
Was geschehen, davon hatte Tante Klara nichts ge 
merkt aber Tissa hatte eingestanden, daß sich der Fürst 
S? auf dem Balle genähert und ihr von Liebe gesprochen 
hab H,-ite AieF!“ hatte Tante Klara nur gesagt. 
fS stfnd vorhin auch in ihrem schnellen Blick. 
Wer aber war der Knabe? Doch nicht etwa sein 
Sohn? War er verheiratet? w TLssa her 
Es stürzte gleich brandenden Wogen über iissa ber, 
SSSroäenVvon“- Schmerzen der Ver B .„ S e„- 
hC p . v,Allc4ierisch in ihrer Eifersucht eilte Tissa ins 
Hotel* um ihre Nachforschungen anzustellen. Das mit 
pfwn ^nd Blattgewächsen dekorierte Vestibül war 
voll heiterer plaudernder Menschen und durch das breit 
geöffae e Portal drang die von einer rotgestreiften Mar 
quise gedämpfte Sonnenwarme des strahlenden Mai- 
p; nP kirnte lebensvolle Bewegung war hier, überflutet 
von dem warmen, flirrenden Licht, dem Sonnendurft, 
der heiteren Unruhe des glänzenden Reiselebens. 
Tissa fiel die Sorglosigkeit dieser Sphäre auf, an die sie 
gewöhnt war und die sie stets ebenso sorglos genossen 
hatte Heute aber kam sie sich hier ganz fremd vor, fast 
verirrt. Sie hatte wohl etwas erlebt, was sie einsam 
m Auch das Kontor des Hotels war voll Menschen. Jetzt 
konnte sie ihre Fragen nicht tun. Als sie sich aber 
wieder zurück in die offene Halle wendete, sah sie den, 
beiden Sie an 
Sommersprossen 
<o wenden Sie sich vertrauensvoll an 
Gertrud Hasselhorsf, Hannover IBS 
Schließfach 206.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.