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Full text: Berliner Leben Issue 28.1925

Nr. 16 
Jahrq. 2S 
33 
Sie griff zu — ihn hindernd. Cämon faßte nach der 
Waffe — und eine der drei Hände wurde zum Werk 
zeug des Verhängnisses. 
Tödlich getroffen stürzte Cimon zu Boden. 
Die Frau auf dem Ruhebett schrak auf. Sie hatte 
ihren eignen Schrei von damals gellen gehört. 
Verstört blickte sie um sich. Wo war sie denn? 
Ein öder fremder Raum umgab sie. Ein Kronleuchter 
mit fünf elektrischen Lampen übergoß die steife, markt 
mäßige Pracht der Einrichtung mit grellem Licht und 
füllte die Spiegel mit scharfen Reflexen. Und inmitten 
der kalten Glanzflächen sah sie da ein schwarzes Weib 
kauern mit hohlen Augen und verzerrten geschminkten 
Lippen, auf denen ein Schrei erstarrt war. 
Zur selben Stunde aber erreichte ihr Brief sein Ziel. 
Der Fürst hatte mit solcher Bestimmtheit wiederholt, 
er wisse von der Nähe der Fürstin, daß Henn nicht 
mehr zögerte, den Brief zu übergeben. 
Erst las Porphyrie Vouzso ohne sichtliche Bewe 
gung die in französischer Sprache geschriebenen Zeilen. 
Dann aber flog ein irres Lachen über sein fahles Ge 
sicht und er stotterte: „Sie weiß also noch nicht, daß ich 
tot bin! . . . Weshalb sagte man’s ihr noch nicht?“ 
„Werden Durchlaucht die Fürstin aufsuchen oder 
empfangen?“ fragte Kenn nach kleinem Schweigen. 
„Was darf ich antworten? —“ 
Da öffneten sich die Augen des Fürsten weit. Er 
schien plötzlich besser zu begreifen. Vielleicht wich 
auch die Wirkung des Betäubungsmittels, das der Arzt 
ihm gegeben, von seinem Geiste. Und Henns Ärmel 
packend, schrie der Fürst heiser; „Wir müssen sofort 
abreisen! Ich werde die Fürstin nicht sprechen! . . . 
Wecken Sie Marion! Wir reisen sofort!“ 
„Morgen früh ist dazu noch Zeit genug!“ antwortete 
Henn beruhigend. „Und irgendeine Nachricht möchten 
Durchlaucht der Fürstin doch wohl geben . . . Darf ich 
schreiben, daß Durchlaucht bereits abgereist wären?“ 
„Tun Sie, was Ihnen gut scheint!“ erwiderte Fürst 
Porphyrio. Als aber Henn zum Schreibtisch ging, rief 
er ihn herrisch zurück. 
„Nicht schreiben! ... Sie sprechen persönlich mit 
der Fürstin! Sagen Sie, daß ich Dionys mein ganzes 
Vermögen vermachen werde. Daß ich’s aber nicht ver 
mag, sie wiederzusehen!“ 
Achtes Kapitel. 
Es wirkte auf Fürstin Florence wie ein Symbol, daß 
kein Strahl der Morgensonne in ihre Räume drang. Die 
Zimmer befanden sich an der Nordseite des Riesen 
hotels und lagen zudem im Schatten naher, hochwipf- 
liger Tannen, die alles Sonnenlicht auf fingen. Fröstelnd 
und übernächtig wickelte sich die Fürstin in ihren mit 
Schwanenpelz besetzten, gelbseidenen Schlafrock. 
Dionys weinte. Monsieur Rambeau wurde ungnädig 
herausgeschickt, als er seine Dienste zur Verfügung 
stellte. 
„Gehen Sie mit dem Prinzen in die Sonne!“ befahl 
die Fürstin der Kammerfrau. „Ich brauche Sie jetzt 
nicht!“ 
Nein, niemanden brauchte sie. Auch die Gesellschaf 
terin war ihr lästig. Alle waren nur peinliche Zeugen 
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ihrer fürchterlichen Lage. Wie unbesonnen von ihr, sich 
in diese Lage versetzt zu haben. Aber sie hatte damit 
gerechnet, daß ihre Nähe jede Kluft sofort überbrücken 
würde. Daß Fürst Porphyrio sofort zu ihr eilen und 
seinen unbegreiflichen Widerstand aufgeben werde. 
Was war jetzt zu tun? Ihm eine nochmalige, bedroh 
liche Botschaft senden? 
Schon wollte sie nach Mademoiselle Renee läuten, als 
diese eintrat und ein Billett überbrachte. 
Die Krone auf dem Umschlag verriet den Absender. 
Florence erblaßte derart, daß das Schwarz ihrer Wim 
pern und Brauen und die zinnoberrote Farbe der Lippen 
ihr verfallenes Gesicht zur Maske entstellten. 
Abgewendet riß sie den Umschlag auf . , , Zeilen mit 
der Schreibmaschine. Der Sekretär meldete sein 
Kommen im Aufträge des Fürsten. 
Inzwischen ließ sich Prinz Dionys ziemlich unwillig 
in den Flotelgarten führen. Er liebte es nicht, so viel 
angesehen zu werden und hier richteten sich sofort aller 
Augen neugierig auf ihn. 
Die Direktrice des Hotels kam sogar angelaufen, 
mühte sich mit ihrem ziemlich schlechten Französisch, 
ihm Artigkeiten zu sagen und schenkte ihm eine Rose! 
In anerzogener Höflichkeit lächelte Dionys, und rings 
um wuchs das Entzücken über den schönen Knaben, der 
schlank und matt gebräunt, in subtiler Vornehmheit 
seine Abtstammung verriet. Der weiße Matrosenanzug 
mit den langen Beinkleidern hob die Schlankheit seines 
Wuchses und die Schwärze von Haar und Augen. 
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