Path:

Full text: Berliner Leben Issue 28.1925

Jafirg. 23 
Nr. 26 
30 
Müancin 
em Wasserbettes garantiert uru 
sehddlieh.es (Präparat, welches 
einem (kopfrv asser ahn eit, gibt den. 
sCaaren allmählich u. unmerklich, 
ihre frühere/ratür/arbe wieder 
i&r (Trauen und Wann er mtY 
gleichem Cr/oupm anrvendban 
W, SeegerA.G.£ Co« 
BERLIN-STEGLITZ 4 
DANZIG . WARSCHAU » WIEN 
Überall erhältlich. 
Karton B Mk. 
sich’s heute der Arzt in einem Sessel des Vorzimmers 
bequem und tupfte mit seinem goldbeknopften Stock 
auf dem persischen Teppich herum. 
Der Sanitätsrat war in seiner Tätigkeit als berühmter 
Badearzt schon ziemlich ergraut und genoß den Ruf 
eines außerordentlich sicheren Diagnostikers. Ebenso 
groß aber war sein Ruf als Menschenkenner und Di 
plomat. Er verstand es, mit der größten Delikatesse 
Fälle ,auf sich beruhen' zu lassen und wohltätiges 
Schweigen zu üben. 
So ein Fall war der des Fürsten. Der Sanitätsrat hatte 
sich bisher damit begnügt, Bäder und verschiedene 
Dosen Brom zu verordnen, persönlich davon überzeugt, 
daß es sich hier nur um einen allerdings schweren Fall 
von Neurasthenie handelte. Er hatte sich auch keinen 
Moment um die Umgebung des Fürsten gekümmert, da 
sich derselbe in bester Pflege und Obhut zu befinden 
schien. In allerletzter Zeit und besonders heute machte 
der geistige Zustand des Kranken dem Arzt jedoch 
einen höchst bedenklichen Eindruck. Er glaubte, die 
Anfänge von Verfolgungswahn zu erkennen. Die Ge 
dankenbilder trübten sich. 
Sehr gelegen kam dem Arzt daher die Mitteilung von 
Familienbeziehungen des Fürsten. Unauffällig ergab sich 
da eine Frage nach den nächsten Verwandten Seiner 
Durchlaucht. Den Perser betupfend meinte der Sani 
tätsrat endlich mit ruhiger Sachlichkeit: „Der Moment 
rückt nahe, wo Seine Durchlaucht anderer Pflege und 
Beobachtung bedarf . . . Möchten Sie sich nicht mit 
den Verwandten in Verbindung setzen wegen Unter 
bringung des Fürsten in eine geeignete Anstalt, wo ihm 
die nötige Pflege und Sicherheit gewährt ist?“ 
Kenn erblaßte. 
Aber die Worte des Arztes kamen ihm nicht uner 
wartet. Er war darauf vorbereitet und erwiderte mit 
aller Entschiedenheit: „Noch ist Seine Durchlaucht 
vollkommen fähig, über sich zu bestimmen, Herr Sani 
tätsrat! Es liegt wohl keine Veranlassung vor, daß man 
Verfügungen trifft, die den ausdrücklichen Wünschen 
Seiner Durchlaucht zuwiderlaufen. Seine Durchlaucht 
ist ein Gegner jedes Anstaltsinternats. Wenn ein ge 
schulter Pfleger nötig ist, so bin ich befugt, einen 
solchen sofort zu engagieren. Wollen Sie, Herr Sani 
tätsrat, hierüber bitte entscheiden!“ 
„Hm!“ 
Der Arzt antwortete ein Weilchen nicht. An seiner 
hohen, stets geröteten Stirn hob sich an der linken 
Schläfe eine schlangenartige, blaue Ader, die seltsam 
zu vibrieren und zu zucken begann, so pochte das Blut 
darin. Der Sanitätsrat ärgerte sich über Kenn und 
dessen selbstbewußte, fast feindselige Art. Der stand 
ja da wie der Heilige Michael und hielt Wache .... 
Sehr begreiflich. Aber letzten Endes waren die per 
sönlichen Wünsche und Zwecke des Herrn Sekretärs 
nicht maßgebend. 
Da hatte die Familie, hatten die mutmaßlichen Erben 
des Fürsten wohl auch noch ein Wort mitzureden. 
Es juckte dem Sanitätsrat ein wenig am Rockauf 
schlag. Da war immer noch Platz — neben den vielen 
europäischen Orden — für einen kleinen exotischen 
Hausorden . . . Wenn er nur erst informiert wäre über 
die Verhältnisse der fürstlichen Familie . . , 
Kenn erriet den Gedanken des Arztes, Er bereute, 
von der Ankunft der Fürstin gesprochen zu haben und 
gab im Nu sein Vorhaben auf, den Arzt zu bitten, per 
sönlich mit der Fürstin zu sprechen. Lieber unterzog er 
sich selbst der peinlichen Aufgabe. 
Auch der Arzt erriet Henns Gedanken. Brüsk erhob 
er sich und sagte: „Sie nehmen eine große Verantwor 
tung auf sich, Herr Kenn! Ich begreife vollkommen den 
Standpunkt Seiner Durchlaucht und ebenso den Ihrigen, 
aber bald dürften doch Entschlüsse nötig sein, die 
diesen Standpunkt hinfällig machen. Jedenfalls sind 
tunlichst alle seelischen Erregungen zu vermeiden, sollen 
jene Entschlüsse nicht aktuell werden! Geben Sie mir 
bitte morgen früh gleich telephonisch Bericht, wie die 
Nacht verlief . . . Empfehle mich!“ 
Was war das nur? Tickten die Uhren schon immer so 
schnell und so laut? War das Haus schon immer von 
diesem unheimlichen Schweigen erfüllt, wenn nicht die 
Klingel schwirrte? 
Die Küche befand sich im Souterrain, man vernahm 
daher kein Geräusch wirtschaftlichen Lebens. — 
Marion war, die Kleiderbürste in der Hand, eingenickt, 
Henn hörte nur sein eigenes Herz pochen. 
Still wie ein Toter lag der Fürst. Er hatte eine starke 
Dosis seines Beruhigungsmittels erhalten. Ohne zu 
schlafen lächelte er bleich vor sich hin, die Augen halb 
bedeckt von den gedunkelten Lidern. 
Ein unsäglicher Schmerz preßte Henns Herz zu 
sammen. Unabweisbar fühlte er das starke seelische 
Band, das ihn an jenen leidenden Menschen fesselte, 
ihn fast untrennbar mit ihm einte. Länger als drei 
lange Jahre war er sein Vertrauter, Freund und Diener 
gewesen, nur eingestellt auf die Wünsche und Bedürf 
nisse des Kranken, sein eigenes Ich fast auflösend im 
Zusammenklang mit diseer in qualvollen Schwingungen 
ringenden Seele. Bis sein eigenes Leben jetzt Forde 
rungen stellte und Versuchungen für ihn brachte, denen 
er erlag. Er stahl vom Leben dieses Halbtoten, um sich 
Freude und Wollust zu erkaufen . . . 
In neuer Hingebung beugte sich Henn reuevoll über 
seinen gütigen Gebieter. 
miiiii!iiiiiniim |||,,,,,,,,l,l,m,,l,,,,,,l| iiimiiiiiiniiiiniiiiimn 
Charakter* 
| Beurteilung nach der Handschrift | 
| streng wissenschaftlich u. reell | 
— kein Humbug — 
5 auf Fähigkeiten, Talente, Gesinnung« § 
Treue u. Aufrichtigkeit 
| haarscharf und unfehlbar I | 
i onorar 
3 Jena* Ausführlichkeit 5,— u.lo.—.M. Skizze 3 — Mit, 1 
= Ul dar mindest» «tilgen «albst mit Tinte ge- 3 
= «chrlebencn Schriftprobe beLtufügen. Abschriften 3 
= »Ind ungeeignet. - Viele Dankschreiben. 3 
| üerlag Psyebograpb. Korrespondenz HbI i. B., | 
Fischergasse t | 
iliiiitiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinin'
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.