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Full text: Berliner Leben Issue 28.1925

Jahrg. 26 
Nr. 3 
14 
* 
BERLINER LIEBESIDYLLE 
VERSE IN PROSA VON EGON H. STRASSBURGER 
mrnSmlt 
Bilder; Kamelhard 
DAS PAAR AM MÜGGELSEE 
„Elschen“, sprach Arthur, 
„Elschen, Geliebte, 
Wie schön sind die Wälder und Wasser 
Hier am sonnig verträumten. 
Herrlichen Müggelsee.“ 
Und es sprach die Geliebte, die schlanke, 
Die wohlgeformte Probiermamsell: 
„Möchtest du hier ein Häuschen 
Mit Salon dir bauen, Arthur? 
Ein Haus, wo wir träumen 
Und beide sehr glücklich und zärtlich sind?“ 
Arthur erwidert beklommen: 
„Ich bin ja gewiß fürs Bauen, 
Schon um zu spekulieren . . . 
Aus Steinen werden Dukaten, 
Aber du weißt, ich kann nicht, 
Denn ich bin ja verheiratet.“ 
Elschen schluchzte und seufzte: 
„Ich weiß, ich weiß, du bist Ehekrüppel, 
Aber ich nehme mir morgen das Leben, 
Geliebter! Morgen, um acht!“ 
Aber Arthur mahnte: 
„Laß deine bösen Gedanken, 
Wir geh’n in ein Restaurant 
Und essen Sülze 
Mit himmlischer Remoulade.“ 
Elschen nickte und siehe: 
Sie verschlang drei große Portionen, 
Und wie sie nun ganz und gar 
Gesättigt, haucht sie: 
„Geliebter . . . laß uns beide 
Nach Hause fahren! 
Doch zweiter Klasse, dann ruh’ ich 
Glücklich in deinen Armen, 
So wie es Brauch zwischen Geliebten. 
„Und wirst du Selbstmord begehen?“ 
Fragte Arthur sein Liebchen. 
Sie lachte: „Ich müßt’ ja verbohrt sein . 
Erst will ich leben, leben! 
Leben wie Götter im hohen Olymp, 
Oder wie Gott in Frankreich.“ 
Und Arthur rief laut und vernehmlich: 
„Herr Ober, 
Bitte, noch zwei Salvator!“ 
¥ 
DAS PAAR ZU MAUSE 
Lu saß bei Edgar und rauchte, 
Edgar saß auf dem Balkon, 
Vertieft in Ovids „Metamorphosen“. 
Lu rief plötzlich: 
„Du Elender, 
Du fauler Konzerndirektor, 
Laß den Ovid! 
Laß ihn, er kann mir nichts nützen. 
Doch was ist mit der Summe, 
Mit der du mich nächstens, du Rowdy, 
Über den Jordan beförderst?“ 
Edgar erwidert bedächtig: 
„Erst muß ich Ehemann heißen 
Und dann 
Edgar stockte feinfühlig. 
„Und dann?“ forschte Lu. 
„Dann schenk’ ich dir zehntausend 
Abzüglich 5% bei Zahlung in har.“ 
„Daß ich nicht lache!
        
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