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Full text: Berliner Leben Issue 28.1925

Ja6rg. 2S 
Nt. 
20 
Nicht überzeugen kann man eine Frau ... 
Nur überreden. Doch schenkt sie meinen Worten 
Kein Gehör . . . Sie kennt mich zu genau. 
Das ist tatal für einen Ehemann. 
(nimmt Hut, Mantel, Köfferchen) 
Doch was jetzt tim? Was fange ich nur an? 
Verreisen . . . nee. Ich dank’ tür das Vergnügen. 
Ich seh’ den Zweck, die Logik gar nicht ein, 
Denn wollt’ ich wirklich meine Frau betrügen, 
Könnt’ ich’s zu Haus. Auch würd’ es bilTger sein! 
Doch halt, ich hab’s. So wird das Ding gedreht! 
Ich werde meine Abfahrt nur markieren. 
Wie meine Frau dann auf die Reise geht, 
Kehr’ ich zurück — mich hier zu amüsieren. 
Auf Schiidwach’ mit dem Koffer nun gezogen 
Und wie ein Posten auf- und abmarschiert! 
Bist du, mein Vögelchen, dann ausgeflogen. 
Sollst du mal sehn, wie „er ‘ sich revanchiert! 
(ab) 
Sie: 
(zurück mit Hut, Mantel, Köfferchen. Sieht ins Neben 
zimmer) 
Fort ohne Abschied! Wüßt ich nur mit wem? 
Er ging als Sieger und darf triumphieren. 
Im Schläfkupee macht er sich’s nun bequem. 
Ich könnte ihn und sie jetzt massakrieren 
Und mich dazu. Wie hab’ ich ihn geliebt! 
Nie könnt’ ein Zweifel meine Treue lähmen! 
Doch nur, wenn eine Frau versagt, nicht gibt, 
Kann halbwegs sie die Bestie „Mann“ bezähmen. 
D i e Kenntnis kommt mir leider spät, zu spät, 
Zu blind war meine Liebe, mein Vertrauen. 
Nun muß ich sehn, wie er mich hintergeht. 
Das ist das Los der tugendsamen Frauen. 
Doch was nützt heut die beste Theorie! 
Nun gilt’s, die Zähne fest zusammenbeißen! 
(zum Mädchen) 
Zum Auto bitte, das Gepäck, Marie! 
(Mädchen ab) 
Noch weiß ich nicht, wohin, mit wem verreisen! 
Ich glaub’, ich lerne das Betrügen nie . . . 
Es fehlt dafür mir leider das Talent. 
Nur gut, daß diese Schwäche „er“ nicht kennt. 
(ab) 
(Mädchen zurück, trägt das Teegeschirr ab) 
Er; 
(zurück) 
So — wieder da. Es war ein kurz’ Vergnügen. 
Mit meinem Ehepakt macht’ ich bankrott. 
Ins Unvermeidliche heißt’s nun sich fügen, 
Sonst hab zum Schaden ich auch noch den Spott. 
Ein schöner Reinfall mit dem Eh’vertrage! 
Mir sollt er nützen — den Profit hat s i e. 
Und ich hab nicht einmal ein Recht zur Klage — 
Das ist des Schicksals tollste Ironie. 
Nun von der Frau mich ohne Frau erholen 
Soll die Parole künft’ger Tage sein. 
Die ganze Ehe werde mir gestohlen! 
Es fallt der Mann doch immer dabei rein. 
(es schellt) 
Es schellt . . . Vielleicht ein Gläubiger von ihr . . . 
Sie mögen alle melden sich zur Stelle! 
Es machte mir ein höllisches Pläsier. 
Ich zahlte nichts . . . ich bin ja Junggeselle. 
Ich werde keinem einen Lappen geben. 
Mag der Gerichtsvollzieher hier Wappen kleben. 
Dienstmädchen: 
(bringt das Gepäck zurück) 
Sie; 
(tritt ein) 
Er: 
Nanu? Seh’ ich Gespenster? 
(tritt überrascht in den Hintergrund und setzt sich ritt 
lings auf seinen Koffer) 
Sie: 
(bemerkt ihn nicht) 
Ein guter Einfall war’s, daß rasch entschlossen 
Ich auf der Straße machte wieder kehrt. 
Mich hat erlaubte Untreu’ stets verdrossen, 
Es macht bekanntlich Spaß nur, was verwehrt. 
Nun von dem Mann mich ohne Mann erholen 
Soll die Parole künft’ger Tage sein! 
Die ganze Ehe werde mir gestohlen! 
Es fällt die Frau doch immer dabei rein! 
Er: 
Das Gleiche sagt ich eben von dem Manne. 
S i e : 
(aufschreiend) 
Du? Du bist hier, leibhaftig, nicht dein Geist? 
(setzt sich überrascht auf ihren Koffer) 
Er : 
(liebenswürdig) 
Wir hatten beide wohl ’ne Autopanne? 
Sie; 
(liebenswürdig) 
So kamst auch du zurück, bist nicht verreist? 
Er: 
Ich hab im Ernst nie solchen Plan erwogen 
Sie: 
Ich auch nicht; doch da du so renommiert — 
Er: 
Wir haben uns mit Worten nur betrogen. 
Sie: 
Aus Angst, daß wohl der andre triumphiert. 
E r; (lachend) 
Und jeder hat mit seiner Phantasie geprunkt 
Und ausgemalt die tollsten Abenteuer. 
S i e (lachen) 
Und sind doch lang’ noch nicht am toten Punkt 
Er : 
Wir haben beide noch genügend Feuer 
(Umarmung. Setzen sich beide auf einen Koffer) 
Sie; 
Aus unserem Käfig waren wir geflattert. 
Er: 
Nun sind wir glücklich wieder eingegattert. 
Ein zahmes Haustier ‘ist ein Ehemann. 
Sie; 
(scherzend) 
Er wird es ab und zu und dann und wann. 
Er wird es hie und da durch die Dressur. 
Doch ist er’s keineswegs schon von Natur. 
E r: (scherzend) 
Und oft schon ist es einer Frau passiert: 
Sie glaubt zu bänd’gen und wird selbst dressiert. 
Sie: 
Doch hör nun, Schatz, wie ich dich irrgeleitet! 
Bevor zur Rückkehr ich entschlossen mich, 
Sandt’ ich noch Karten, die ich vorbereitet, 
An eine Freundin — sie zu adressiem an dich. 
Drum wirst du sehr bald lesen mit Genuß 
Aus einem Badeort von mir ’nen Gruß. 
E r: (lachend) 
Den ich mit einer Karte aus der Schweiz 
Schon heut erwidert habe — meinerseits. 
Denn was du dir da listig ausgedacht, 
Hab’ ich natürlich gleichfalls schon gemacht. 
Sie: 
Man findet auch bei Männern manchmal Schläue 
Und was noch selt’ner ist, sogar auch . . . Treue. 
Er: 
Doch jetzt hab’ ich einen viel schöneren Plan. 
Wir treten uns’ren Eheurlaub nun — 
Sie: 
(ins Wort fallend) 
gemeinsam an: 
(beide Arm in Arm ab) 
Vorhang.
        
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