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Full text: Berliner Leben Issue 28.1925

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Tante Klara war zusammengefähren, als habe das 
Schließen der Tür sie körperlich verletzt. Die Huttüte 
entfiel ihrer Hand. Einen Moment stand sie ganz ver 
wirrt. Dann aber straffte sie sich auf und ging mit 
energischen Schritten zur Tür, die sie öffnete, um ohne 
Umstände bei ihrer Nichte einzutreten. 
„Tissa“, rief sie fast streng, „kommst du noch immer 
nicht zur Vernunft? Wie lange soll ich das von dir 
ertragen?“ 
Tissa hatte am Toilettentisch gestanden und ihren 
Schmuck klirrend in den Kasten geworfen. Jetzt 
wandte sie ihr erblaßtes Gesicht der Tante zu. Sie rief: 
„Machst du mir auch noch Vorwürfe? War ich dir nicht 
folgsam und schrieb den lächerlichen Abschiedsbrief? 
Was soll ich noch mehr tun, um dich zufriedenzustellen? 
. . . Dagegen habe ich an dich nur die eine Bitte: Laß 
mich allein . . . Und halte mir den Wolfsheil fern . . . 
Ehe ich diesen Pinscher heirate, gehe ich ins Wasser' 
Bitte, sage ihm das!“ 
Sechstes Kapitel. 
Der Kostümball war doch eine herrliche Idee des 
Herrn Kurkommissärs. Von allen Seiten flogen dem in 
elegantem Schoßrook und Lackschuhen daherwandeln 
den, wiewohl militärisch auftretenden Herrn, beifällige 
und dankbare Blicke zu. 
Mit wachsendem Interesse verfolgten die Spazier 
gänger die Vorbereitungen im Park. Von ihren Fahr 
stühlen aus bewunderten die Kranken die an den Licht 
masten umherturnenden Installateure, denn der Park 
sollte eine ,Beleuchtungsfeerie‘ bieten. Im Kurhaus 
wurde genagelt und geraschelt. Es roch nach geschleiften 
Lorbeerbäumen und nach neuen Brettern wie bei einem 
Begräbnis. Bei der Roulette im Spiegelsaale saßen nur 
noch die alten Ratten beiderlei Geschlechts, um mit nie 
gesättigten Krallen nach dem Golde zu haschen. Die 
jüngere Gesellschaft indessen flirtete stärker als sonst 
und glühte in Vorahnung kommender Möglichkeiten. 
Die Damen warfen schon verheißungsvolle Blicke, die 
Herren lösten in ihren Träumen alle legitimen Bande. 
Beim Friseur und Blumenhändler war lebhafte Frequenz. 
Die Modistinnen fuhren mit der Droschke vor, um Zeit 
zu ersparen. 
Das Leben würde allen seine Pforten öffnen. Aber 
nicht das traurige, graue, sorgenbeladene, mit Verant 
wortungen belastete, mit Konsequenzen infam ver 
bitterte Leben, sondern ein Freischmaus des Daseins, 
eine Spanne Zeit aus .Tausendundeiner Nacht', eine 
Loslösung vom eigenen Leibe, eine Schmetterlingsfahrt 
der Seele, ein Bacchanal der irdischen Freuden. 
„Einmal noch leben — eh’ es vorbei . . . 
Einmal noch lieben — lieben im Mai . . .“ 
Alle Fiedeln winselten es, alle Herzen schmachteten 
es. Der Badediener, der die Wanne schrubbte, summte 
es. — 
Mit der Sonne, der goldenen, strahlenden, sickerte es 
durch die Bäume, und in jedes Einzelleben warf es den 
Zauber der Jugend. 
Auch in das rotverhangene Gemach drang es ein. 
Die Bratsche sang es. 
Erst glaubte Henn, eine Einbildung narre ihn. 
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In später Nachtstunde erwachten die leisen Klänge 
und schlichen einen leisen Sehnsuchtsreigen. Sie 
schwebten mit verhaltenem Schluchzen durch die stillen 
Räume und hatten die Blässe von Gespenstern. — 
(Fortsetzung folgt.)
        
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