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Full text: Berliner Leben Issue 28.1925

Nr. 23 
Jühtq. 28 
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Ihre Lieblinge Fenneker 
kaufte und kaufte, wahllos, unübersehbar, unnütz und 
verschwenderisch. Oder sie sprang von einem Auto ins 
andere und machte ziellose Fahrten. Oder sie wies mich 
acht Tage lang mit flammender Sprödigkeit ab. 
An einem Donnerstag spazierten wir mittags durch 
die Hauptstraße, und Hortenses Augen funkelten um 
her, denn ihre letzte Passion — Strumpfbänder — war 
eben abgeflaut. Plötzlich sagte sie erleichtert — und 
auch ich atmete auf, denn die Spannung war bereits un 
erträglich geworden — sie sagte das erlösende Wort: 
„Du, Schatzi, weißt du, was ich notwendig brauche? 
Eine süße kleine Handtasche. Hier diese silberne ist 
durchaus überlebt. Du hättest dich längst ihrer schämen 
müssen. Komm schnell, schnell. Da ist ja schon ein 
Ledergeschäft.“ 
Und m ir voran stürmte sie in das elegante Magazin 
und flötete ihren Wunsch einem jungen Mann ins ge 
neigte Ohr. 
In der nächsten Minute lagen zwanzig Täschchen, 
teuer, teurer, am teuersten, vor Hortense auf der 
Tischplatte, und sie — ja, sie sah den jungen Mann an! 
O, es entging mir nicht. Ach, ich hatte ja Grund, auf 
zupassen. Indeß er sprach, zeigte, lobte, empfahl, be 
trachtete sie ihn eingehend, und er schien ihr zu ge 
fallen. Dabei war er offenbar schüchtern Frauen gegen 
über, ein wenig blöde und unerfahren. 
Nim kam ein entzückendes grünes Täschchen an die 
Reihe mit einer ganz süßen Inneneinrichtung. Der 
junge Mann kramte allerlei daraus hervor: Spiegel, 
Puderquaste, Scher eben, Börse, Notizbuch mit Blei.
	        
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