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Full text: Berliner Leben Issue 28.1925

Nt. 22 
Jafirg. 28 
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Die Nähe des schönen Mädchens betäubte ihn fast. 
Dazu wirkte sie heute weniger imposant auf ihn. In 
dem kurzen Batistkledd, mit den Rosen im Arm, ohne 
so viel Schmuck und Prunk war sie lieblicher und 
jugendlicher, als er sie je gesehen hatte. Ihre hohe, 
volle Gestalt hielt sich weniger herrisch. Und ihr halbes 
Lächeln war fast schüchtern. 
„Welches Ziel hatten Gnädigste?" 
Jetzt hielt auch sie den Schritt an — 
„Soll ich allein weitergehen?“ fragte sie. 
.Lassen Sie uns dort ein wenig Platz nehmen, bat 
Kenn. „Ich möchte diese Minuten auskosten! 
„Wie kann ich mit einem Herrn plaudern, dessen 
Visitenkarte nicht auf meinem Tische lag“, entgegnete 
Tissa, ging aber auf die nächste Bank zu. „Weshalb 
ließen Sie sich mir noch nicht vorstellen?“ 
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„Die Gelegenheit ergab sich noch nicht, Gnädigste . . 
Ist in gewissen Situationen nicht auch der Name leerer 
Schall ... Ist es nicht gleichgültig, ob ich Grau oder 
Blau heiße?“ 
„Sie wissen aber, wer ich bin —?“ 
„Allerdings, Gnädigste . . . das war leicht zu er 
fahren . . . Ich fragte nur nach dem Namen der 
schönsten Frau der Welt . . . Und so erfuhr ich den 
Ihren!“ 
„So banal sollten Sie nicht sein — Durchlaucht!“ 
tadelte sie mit wegwerfender Miene. Trotzdem blitzten 
dabei ihre Augen auf. 
Henn prallte ein wenig zurück. 
Da lächelte sie: „Sie sehen, auch ich bin orientiert . . . 
Wollten Sie inkognito bleiben, Fürst Vouzso?“ 
„Und wenn Gnädigste sich irrten?“ stammelte Henn. 
„Wie kommen Gnädigste darauf, mich für Fürst Vouzso 
zu halten?“ 
„So wie Durchlaucht darauf kommen, mich für Tissa 
Brownson zu halten!“ Sie lachte und reichte ihm etwas 
geziert die Hand. — „Außerdem weiß ich, daß Sie ein 
Sonderling und Menschenfeind sind. Deshalb sieht man 
Sie auch sonst nirgends . . . Wird das nun anders 
werden?“ 
Henn hatte ihre Hand an seine Lippen geführt. Er 
war jetzt puterrot im Gesicht. Die Verwechslung 
brachte ihn in äußerste Vrlegenheit. Gleichwohl sagte 
er sich sofort, daß er jede Chance verlor, entpuppte er 
sich als der, der er war. Besser war es, das entzückende 
Abenteuer jäh und ohne Aufklärung abzubrechen. 
„Wird man Sie von nun an öfter sahen?“ wieder 
holte indessen Tissa. 
„Vielleicht nicht da, wo Gnädigste mich zu sehen 
wünschen!“ antwortete Henn endlich. „Ich kann meine 
Lebensweise nicht ändern!“ 
„Was hat Sie denn so zum Einsamen gemacht?“ fragte 
Tissa und ordnete ihre Blumen, um ihre innere Erregung 
zu verbergen. „Ist Ihnen die Menschheit zu gering?“ 
Jedenfalls entbehrlich . . . Besonders an Ihrer Seite. 
.... loh muß wieder banal siein!“ 
Er griff nach einer ihrer Hände. Und als sie den 
Kopf nach ihm wandte, sah er ihr dicht in die Augen. 
„Wann und wo sehen wir uns wieder?“ flüsterte er, 
ihre Hand festhaltend. 
Der Griff tat ihr weh und doch auch seltsam wohl. 
Sie fühlte einen leidenschaftlichen Willen über sich. Und 
empfand gleichsam die eigene glühend wirkende Macht. 
Alle Hemmungen wollten sich lösen. Das Verlangen 
kam über sie, sich blindlings dem glühenden Lebens 
strom zu überlassen, der sie durchpulste und der auch 
den Mann an ihrer Seite zu durchtoben schien. 
Ihre Hand, groß, warm und samtweich, schloß sich 
langsam um die seine. Sie sagte leise; „Ich hin frei . . . 
Aber Sie scheinen Rücksichten zu nehmen . . . Ich fahre 
morgen um diese Stunde nach Sankt Annen . . . Und 
nun gehen Sie . . . Bevor Leute kommen!“ 
Henn hätte ihren ihm so nahen Mund küssen mögen. 
Er hätte auf der Stelle das Weib an sich pressen mögen 
in wilder Freude. Aber er ließ nur sein Gesicht auf ihrer 
weichen, warmen Hand ruhen, bis sie’s ihm wehrte. 
Dann stand er auf und eilte davon, vollständig trunken. 
Drittes Kapitel. 
„Schach der Königin!“ meldete Fürst Porphyrio. 
Henn fuhr zusammen. Was war das? Er übersah das 
Spiel gar nicht. 
„Wo sind Ihre Gedanken?“ fragte der Fürst und 
stützte sich gegen den Spieltisch. „Ich beobachte Sie 
schon die ganze Zeit . . . “ 
^Fortsetzung folgt) 
Bei zunehmender Körperfülle, 
Herz- und Atembeschwerden 
sollte man nicht zum ersten besten Mittel greifen, sondern sich zunfichstklar darüber 
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