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Full text: Berliner Leben Issue 28.1925

Nr. 2! 
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Überall erhältlich. 
Karton S Mk. 
einen Moment die Augen zu ihm emporrichtete. Große, 
blaue, ernste Augen . . . 
Dann neigte sie den Kopf und ging vorbei. 
Henn holte, fast ohne zu wissen, was er tat, Hut, 
Stock und Handschuhe und war auf der Promenade, 
ehe er sich’s versah. 
Er folgte der weißen, blendenden Gestalt. 
Sie schien es alsbald zu fühlen und ihr Schritt be 
schleunigte sich nervös: dann verlangsamte er sich, so 
daß es Henn alsbald gelang, an ihr vorbeizugehen. Ein 
wenig sah er sie von der Seite an, sie aber hielt den 
Blick gesenkt. Er ging schnell ein Stück weiter, an 
einer Wegbiegung machte er kehrt, um ihr nun ent 
gegenzukommen. 
Da sah er zu seiner Enttäuschung, daß die ältere 
Dame nunmehr aufgetaucht war und neben der V enus 
herschritt. Lässig ging er den Damen entgegen. Die 
Venus sah ihn an — als aber sein Blick an ihrem Ant 
litz haftete, senkte sie wieder die Lider. Sie erblaßte 
dabei so jäh, daß ihr Gesicht schneeweiß wurde. Und 
Henn dachte: Wenn sie tot wäre, würde ich sie küssen, 
bis sie wieder die Augen aufschlüge ... 
Wie von einem Bann befallen, schritt er ziellos 
weiter. 
Zweites Kapitel. 
Die Damen aber gingen rasch über den knirschenden 
Wegkies. 
Leise fragte die Ältere: „War er das nicht wieder?“ 
„Ja, ich glaube!“ antwortete die andere. 
Die Ältere sah sich schnell ein wenig um und, den 
Arm ihrer Nichte nehmend, meinte sie; „Als ob du’s 
nicht bestimmt wüßtest. Du zucktest ja richtig zu 
sammen unter seinem Blick ... Er hat aber auch 
wirklich etwas Unheimliches in seinen Augen. Nimm 
dich in acht vor dem, Liebling!“ 
„Herrgott, ich tue ja weiter nichts, als mich in acht 
nehmen!“ Es klang ungeduldig, geärgert, vorwurfs 
voll und wie von einem Kinde, das man fort und fort 
quält, sich beim Spiel die schönen Kleider nicht zu 
verderben. 
„Verstehe mich doch recht . . . Ich meine es doch 
gut!“ beschwichtigte die Ältere. „Niemand würde dir 
Gutes mehr gönnen als ich!“ 
„Gutes?“ Die Junge lachte. „Woher soll m i r denn 
das kommen? . . . Ich habe diesen Ort schon gründlich 
satt, Tante. Ich finde, alle Badeorte-Parks der Welt 
sind sich ähnlich, alle Leute gleichen sich, alle Diners 
schmecken egal. Ich möchte jeden Kellner ohrfeigen 
und jeden “ 
„Und jeden Anbeter dazu?“ lachte die Altere 
neckend. 
„Ja!“ nickte die Blonde. „Der Frack macht sie ja 
auch gleich. Und nicht minder die Spekulation aufs 
gute Trinkgeld!“ 
Sie blieb stehen, zog den Chiffonschal von den Schul 
tern und knüllte ihn zusammen. 
„Was war das gestern wieder für eine Langeweile! 
Dieser eklige Wollfsheil!“ 
Wieder lachte die Ältere. 
„Eklig nennst du diesen netten, kleinen Kerl, den 
Wollfsheil? ... Ja, gucke mich nur an, Tissachen . . . 
Siehst du, da wäre das Gute . . . Da hätten wir’s!“ 
„Mein Ehrgeiz geht höher, liebe Tante!“ entgegnete 
Tissa . . . Ein winziges Gut hat er und einen winzigen 
Verstand. Und die kleine, unansehnliche Figur! Ich 
finde seine Annäherung einfach vermessen!“ 
„Nun, sein Name gilt doch auch etwas! Auch sein 
Charakter ist nicht schlecht. Er ist solid und macht 
sicher Karriere! . . . Aber das solltest du selbst be 
denken! Du bist ja gescheiter als ich! . . . Wir wollen 
nicht streiten! Ich habe Flunger . , . Wir wollen früh 
stücken!“ 
Sie gingen zu einer kleinen Konditorei, die — in 
Biedermeierstil eingerichtet — zu bestimmten Stunden 
der Treffpunkt der eleganten Welt war. 
Nur wenige Gäste waren anwesend, aber 
deren Interesse wandte sich sofort den eintreten 
den Damen zu. 
Man war sich noch nicht klar, wer diese Tissa 
Brownson war. Man behauptete, sie sei Amerikanerin, 
ihre Tante, Fräulein Klara Kalkbrenner, verstand aber 
kein Wort englisch. Reich mußten die Damen sein, 
aber sie reisten ohne Bedienung und hielten sich auch 
gesellschaftlich zurück. 
Viele behaupteten, Tissa Brownson sei die ,beaute‘ 
der Saison. Man konnte darüber streiten. Ihr Haar 
war fast zu grell und ihre Gesichtszüge nicht eben fein. 
Aber das reizte die Männer . . . Man konnte auf aller 
lei Interessantes gefaßt sein. 
Tissa wußte, daß man so über sie dachte und 
tuschelte. Sie ließ ihre großen, blauen Augen aber 
ruhig und mit etwas Hochmut über ihre LJmgebung 
streifen und dachte: „Jetzt taxieren sie wieder mein 
Kleid! Wie würden sie sich ärgern, wenn sie wüßten, 
daß es doppelt so teuer ist, als sie es einschätzenl“ 
(Fortsetzung folgt.) 
BESTELLSCHEIN 
Ich bestelle hiermit zur regelmö&igen Lieferung ein Exem 
plar der Zeitschrift „BERLINER LEBEN". Den Betrag für 
13 Hefte — Goldmark 15,00 — habe ich auf das Post 
scheckkonto Berlin 52014. ALMANACH-KUNSTVERLAG 
A.G., eingezahlt - bitte per Nachnahme zu erheben — 
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(Deutliche Schrlftl)
        
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