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Full text: Berliner Leben Issue 28.1925

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Nr. 21 
Jahrfi. SS 
„Sie haben doch hoffentlich nicht warten müssen? 1 
beginnt sie ihre „geschäftliche Rücksprache“. 
Er ist ein großer, sehr elegant angezogener Mann. 
Sein Gesicht ist glatt und ruhig wie bei einem Men 
schen, den kein Gedanke an den morgigen Tag stört. 
„Es lohnt sich nicht, von solchen Kleinigkeiten zu 
sprechen, antwortet er mit weichem Bariton und lächelt 
mit vollen, saftigen Lippen. 
„Vielleicht will Mademoiselle mit mir durch die Allee 
promenieren?“ 
„Vergnügen!“ antwortete Flipotte, „ich habe etwas 
freie Zeit.“ 
„Ich habe Sie einige Male in ,Messallinette‘ gesehen 
und Ihre Tänze haben mir immer wirkliches Vergnügen 
bereitet“, sagt ihr Begleiter. „Sie haben soviel Rhyth 
mus, soviel Grazie.“ 
Sie hört nur mit halbem Ohr hin. Mein Gott, die 
Männer sagen immer wieder dasselbe, wenn sie eine 
hübsche Frau kennen lernen — Außer Leon. Aber 
Leon ist ja Ausnahme. 
Als man ihr die Visitenkarte dieses Herrn in die 
Garderobe brachte, hatte sie lange geschwankt. Aber 
Madeleine hatte seinen Namen gelesen und mit Über 
zeugung gesagt; 
„Du wirst ein Schafskopf sein, wenn du ihm absagst.“ 
„Also Mademoiselle“, fährt der Herr fort, „ich habe 
mir endlich erlaubt, mich Ihnen vorzustellen. Sie haben 
mir eine große Ehre erwiesen, und wenn Sie gestatten,
        
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