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Full text: Berliner Leben Issue 28.1925

Nr. 19 
Jahrg. 2S 
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madisierten Haar saß schief und keck eine Kesselbobby- 
mütze. Und sein Anzug, der schäbig und zerbeult war, 
gewann selbst durch den zierlichen Gang in einem merk 
würdig falschen Rhythmus nicht an Qualität. Einen 
etwas besseren Eindruck machte zwar die junge Dame, 
Es war zwei Tage später, als vor Geschäftsschluß in ein Herrenkonfektions 
geschäft der Gotersgade ein junger Mann trat, der einen Anzug verlangte. 
die ihn begleitete und die er mit Dagmar anredete — 
immerhin rief der Verkäufer des ersten Tisches, den die 
beiden passierten, mit lauter Stimme in das Geschäfts 
lokal hinein: Zwei, zehn! Das war ein Ausruf, den 
jeder für eine harmlose Kassenrapportbemerkung 
halten mußte, soweit er nicht die Gepflogenheiten der 
großen Kaufhäuser Kopenhagens kannte. Der Einge 
weihte aber wußte, daß diese zwei Zahlen eine Warnung 
bedeuteten: Achtet mit euren zwei Augen auf ihre zehn 
Finger! 
Der Kunde, den seine Begleiterin mit Gustaf an- 
redete, erstand einen Homespunanzug, scharf auf Taille 
gearbeitet, mit aufgesetzten Taschen, ohne Rückennaht 
und mit Beinkleidern, deren Hauptcharakteristikum war, 
daß sie zehn Zentimeter zu kurz waren, ferner einen 
schwarzen Melonenhut mit extrabreitem Rand, und end 
lich einen weiten Ulster, mit und ohne Gürtel zu tragen, 
von einer bewunderungswürdigen Lachsfarbe, wie man 
sie in ganz Kopenhagen zum zweitenmal nicht sah. 
imiimHiiiiiiinmiiiimiiiiiHiiiiiiiiiiitiiiniiimimumniiniiiiiinuiiniiiiHiiiiiiimuittnmmiiiiiiiiiiniiiiiimiüiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiimimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiimi^ 
ANZEIGEN IM 
BERLINER LEBEN 
finden lebhafte Beachtung in den kauf 
kräftigsten Kreisen innerhalb und außerhalb 
Deutschlands. Mit künstlerischen Entwürfen 
und Ratschlägen für zweckmäßige Ausge 
staltung des Inserates steht die Anzeigenab 
teilung des „Berliner Leben“ jederzeit gern 
zu Diensten. Schluß der Anzeigenannahme 
jeweils 14 Tage vor Erscheinen des Blattes. 
Der Verkäufer kam aus dem Staunen nicht heraus, 
als sein Kunde mit sicherem Blick von jeder einzelnen 
Sorte die teuerste und auffallendste aussuchte. Die Ge 
samtrechnung machte zweitausendvierhundert Kronen. 
Als der generöse Käufer nun mit kühler Grandezza drei 
Tausendkronennoten aus einem alten Segeltuchfutteral 
zog, da wurde dem Verkäufer mit einem Schlage him 
melangst, zumal er in besagtem Segeltuchfutteral noch 
eine größere Anzahl gleicher Scheine schimmern sah. 
Man hörte jetzt soviel von Banknotenfälschern! 
Während man Herrn Gustaf und seiner Begleiterin 
erklärte, das Einpacken erfordere geziemende Zeit — 
denn er wollte die gekaufte Ware sofort mitnehmen, 
was den Verdacht prompt bestärkte —, schickte man 
zur Polizei. Und wenige Minuten später trat ein Herr 
ein, der Herrn Gustaf bat, ihm auf das Kommissariat 
zu folgen. 
Hier stellte sich heraus, daß das Geld echt war. Den 
noch war die Angelegenheit nicht erledigt. Denn gleich 
zeitig erkannte man die Banknoten als jene, die der er 
mordete Thorbjörn Espeland am Vormittag seines 
letzten Lebenstages von der Bank abgehoben hatte. — 
Zwei Stunden später wurde der glückliche Besitzer 
dieser Banknoten dem Polizeipräfekten persönlich vor 
geführt. Joe Jenkins wohnte der Vernehmung bei. 
„Wie heißen Sie?“ 
„Gustaf Christiansen.“ 
„Was sind Sie?“ 
Der Gefragte antwortet nicht. 
„Hm. Wovon leben Sie?“ 
Auch diese Frage zog Pfeffergustaf vor, nicht zu be 
antworten. 
„Hm, hm. Woher haben Sie das Geld? Diese drei 
tausend Kronen und das übrige, das sich in Ihrer Brief 
tasche angefunden hat?“ 
„Ein Herr hat es mir gegeben.“ 
„Wer hat es Ihnen gegeben? Wofür hat er es Ihnen 
gegeben? Warum? Wo?“ 
„In der .Zuckerzange“. Zehtausend Kronen. Dafür 
sollte ich ihm meine Braut ein für allemal abtreten. Aber 
wissen Sie, Herr Assistent, Liebe ist nicht käuflich.“ 
„Das Geld haben Sie aber genommen?“ 
„Warum soll ich das Geld nicht nehmen?“ 
„Wer ist der Herr, der es Ihnen gegeben hat?“ 
„Woher soll ich das wissen?“ 
Der Präfekt schlug ein Aktenstück auf. „Sie sind der 
sogenannte Pfeffergustaf?“ 
„Sehr angenehm“, sagte Gustaf geschmeichelt. 
„Sie, hören Sie mal. Was Sie mir da erzählen, klingt 
ziemlich unglaubwürdig. Dies Geld stammt nämlich 
aus einem Mord.“ 
Der Präfekt schlug ein Aktenstück auf. „Sie sind der Pfeffergustav?“
        
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