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Full text: Berliner Leben Issue 28.1925

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Nr. IC 
JaSrg. SS 
Lektüre im Grünen 
Seher 
Ich uberließ mich fieberisch meinen Gedanken und 
sann unablässig, wie ich mich an Juan rächen könne. 
Ja! Ich trat vor ihm hin und sah ihn im Triumph 
an: Dies wirst du für mich tun! 
Und erwartete . . . daß er zurückschrecken, um mich 
kämpfen, mich halten würde. War Don Juan nicht ein 
Mann — und sind Männer nicht eitel? Können sie 
es ertragen, wenn wir einen andern ihnen vorziehen? 
Wie demütigte mich Don Juan! Wie ließ er mich 
krank vor Gram und Kummer heimkehren, mich mei-, 
nen Versuch, ihm untreu zu sein, bereuen! 
Er lächelte ... oh, dieses entsetzliche Lächeln Don 
Juans für eine ausgeliebte Frau! Er tötet alle Schwung 
kraft einer liebenden Seele und macht sie siech und 
elend. 
Er lächelte, verneigte sich und schritt auf seinen 
Freund zu, der am andern Ende des Saales stand, in 
dem ein Fest mir die ersehnte Begegnung gebracht 
hatte. Ich ließ ihn nicht fort, hängte mich an ihn, bat 
befahl ihm, nicht zu tun, was ich verlangt hatte. Qual 
und Scham ließen mich weinen . . . 
Er aber lächelte ... 
Da lief ich aus dem Saal und reiste noch spät in 
der Nacht weit fort, Ich habe Don Juan und seinen 
Freund nicht wiedergesehen ... So kann man ihm un 
treu werden, liebe Freundin . . • und so wird man dafür 
bestraft! Deine unglückliche Yessa.
        
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