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Full text: Berliner Leben Issue 28.1925

Nr. 12 
Jahrg. 2S 
tenden Bogen und 
entschwand durch die 
Soffitten. Das Publi 
kum sah mit offenem 
Munde zu. Er zündete 
ein zweites Streich 
holz an, schleuderte es 
von sich; es folgte 
dem ersten. Ein drit 
tes, viertes und fünf 
tes; alle entschweb 
ten zum Himmel, und 
zwar jedes in einen 
anderen Winkel und 
an einer anderen 
Stelle. Das Gesetz der 
Schwere schien voll 
kommen aufgehoben; 
dieser Mann dort auf 
der Bühne schien es 
überwunden zu haben. 
„Jetzt kommt die 
Geschichte mit dem 
Kind“, sagte Einar 
Gundersen. „Ich kann 
so was nicht mitan 
sehen; ich gehe so 
lange ein bißchen her 
um.“ Dabei warf er 
einen so bezeichnen 
den Blick nach drü 
ben, wo man die 
Braune vermuten durf 
te, daß sein Ziel kaum 
zweifelhaft seinkonnte. 
Er wand sich tap 
pend die Treppe her 
unter, stieß ein paar 
mal mit den Füßen 
gegen Stuhlbeine und 
Barrieren und ent 
schwand in der Dun 
kelheit. 
Eine Kiste wurde 
aus den Kulissen ge 
reicht; der Zauberer 
gab sie in den Zu- .. 
schauerraum hinunter und bat um genaue Prü 
fung. Svedman nahm sie mit seinen langen 
Armen in Empfang; die drei klopften sie ab, 
wriggelten an den einzelnen Brettern des Bodens 
ein Deckel war nicht vorhanden — und stellten fest, 
daß diese Kiste geradezu ein Vorbild von Ehrlich 
keit sei. 
Dann wurde die 
Kiste wieder auf die 
Bühne gestellt. Ein 
Kind kam aus der Ku 
lisse getänzelt — mit 
jener unmotivierten 
und übertriebenen Af 
fektiertheit, die von 
artistischen Darbie 
tungen unzertrennlich 
zu sein scheint. Es 
drehte sich mit eitlem 
Lächeln hin und her; 
dann machte es,immer 
mit dem gleichen 
schiefen Schick, einen 
Satz und sprang in die 
Kiste, die gerade sei 
ner Länge entsprach. 
Der Zauberkünstler 
nahm nunmehr einen 
Speer. Auch ihn reich 
te er zur Prüfung hin 
unter; auch er wurde 
als einwandfrei in je 
der Beziehung befun 
den. Man reichte den 
Speer auf die Bühne 
zurück. Der Zauberer 
bat sich eine Nummer 
des „Politiken“ aus, 
die er schelmisch 
einem der Zuschauer 
aus der Tasche zog, 
und legte sie über die 
Kiste. Dann nahm er 
einen Speer und senk 
te ihn tief in die Mitte 
der Kiste. 
Ein Schrei gellte auf; 
man konnte nicht sa 
gen, ob er von dem 
Kinde kam — oder ob 
ihn jemand in dem Zu 
schauerraum ausge 
stoßen hatte. 
„Sieh nur!“ sagte eine Frauenstimme flüsternd. Ein 
schmaler roter Streifen wie ein glänzendes Band 
schlängelte sich durch eine der Eckfugen der Kiste, 
züngelte auf das Holz der Bühne hinauf, verbreiterte 
sich, floß auseinander. 
Blut! 
Ein paar Menschen sprangen auf; hier und da grollte 
krk ra/ßqe 0](mmU 
KUPFERBERG 
RIESLING 
teuer, -aber Sehr gut / 
Chr. Adt. Kupferberg & Co., Mainz 
DER HERRENFAHRER FAHRT »ELITE 
tlQ/rvi I/O 
UMZUG DER »ELITE« IN IHREN 
Telephon; Moritzplatz 4426-28 / Am 24 März 1925 Eröffnung 6er Aasste 
NEUEN AUSSTELLUNGSRAUM 
Ilungsräurae Friedrichstraße 94a-95 (Bahnhof Friedrichstraße)
        
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