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Full text: Berliner Leben Issue 28.1925

Nr. t 
Jahrg. 28 
33 
nr. Julian Fuhs’ Foilies Band gern CroBen Sehaasplelhans sp i i ® lt ülercedespalasf 
Unter den Linden 50/51 
Tel. Zentrum 4239, 7983 
Damit huschte sie hinein und schloß schnell die Tür. 
Langsam ging der Graf um das Haus. Er war, wie vor 
den Kopf geschlagen und wußte nicht, sollte er lachen 
oder fluchen. Ein ehrvergessenes Weib, das sich in der 
Nacht mit ihrem Buhlen trifft, gibt ihm Anstands 
regeln. Seine Sicherheit kam fast in das Wanken. Er 
war nun an der Vorderpforte und trat in das Zimmer 
des Schwiegersohnes. Margerita war schon darin und 
hatte sogar eine Karaffe mit Wein und ein Glas hin 
gestellt und mit rascher Hand das Kaminfeuer neu ent 
facht. Keine Spur von Erregung oder Schuldbewußtsein 
in ihren Mienen. 
„Nun, Vater?“ 
Er verlor vor diesem Gesicht seine Energie. 
„Du wirst mir Rechenschaft geben. Wer war der 
Mann, mit dem ich dich traf?“ 
„Der Marchese von Santa Croce.“ 
„Das sagst du so ruhig?“ 
„O, warum sollte ich nicht?“ 
„Dein Buhle!“ 
„Ich muß dich bitten, mich nicht zu beleidigen.“ 
„Du glaubst, ich weiß nicht, daß du ihn schon als 
Mädchen geliebt hast?“ 
„Habe ich das? Vielleicht war es ein flüchtiger Irr 
tum. Ich denke, der Marchese hat es ebenso vergessen, 
wie ich.“ 
Dem Grafen riß die Geduld. 
„Und nun?“ 
„Der Marchese ist der Freund meines Mannes.“ 
„Du betrügst ihn mit ihm.“ 
„Ich verbot dir schon einmal, mich zu beleidigen.“ 
Der General fuhr auf. 
„Dann fordere ich die Erklärung. Was sollte dies 
nächtliche Zusammentreffen. Gib Antwort, wenn du 
es kannst.“ 
Sie lächelte ihn an. 
„Nein, Vater, das kann ich nicht.“ 
„So gesteh —" 
„Ich bedaure selbst, dir, meinem lieben Vater, die 
di plomatischen Aufträge nicht mitteilen zu 
dürfen, die ich von meinem Manne dem Marchese zu 
übermitteln habe.“ 
Der General war starr. Das hatte er nicht erwartet 
und er wußte keine Antwort. 
„Diplomatische Aufträge?“ 
„Du sagst es. Du weißt, daß mein Gatte in diplo 
matischer Mission im Ausland ist und auch der Mar 
chese steht im diplomatischen Dienst. Es war unnütz, 
daß du deinerTochter nachspürtest undvielleicht durch 
eine vorschnelle Tat nicht nur die Ehre deines Kindes, 
sondern auch das Interesse des Staates gefährdet 
hättest. Der Kardinal würde erzürnt sein und es 
meinem Bruder fühlen lassen. Geh zur Ruhe, Väter 
chen. Ich verzeihe dir gern den ungerechten Verdacht. 
Bedenke, daß deine Tochter weiß, was sie tut und dir 
in ihrem Leben, noch keine Veranlassung gab, an ihr zu 
zweifeln. Frage, wie die römische Gesellschaft über 
mich denkt und du wirst beschämt sein. Gute Nacht, 
Vater, und morgen will ich vergessen haben, daß es 
eine Stunde gab, in der du an mir zweifeltest.“ 
Sie küßte ihn zärtlich auf den Mund und verschwand 
in ihren Gemächern, während der General langsam und 
wie in einem Traum zu dem seinen emporstieg.
        
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