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Full text: Berliner Leben Issue 28.1925

Nr. 8 
Jahrg. 28 
35 
Im Zirkus Busch wird augenblicklich die Lady 
Hamilton gegeben, ein Stück für die große Masse. Paula 
Busch feierte Triumphe als Lady. Ihre feine Art als 
Mensch und Künstlerin ist ganz dazu angetan, ihr eine 
Rolle zu geben, die bis zum letzten Augenblick jeden 
Zuschauer in Spannung hält. Vielleicht hat Frau Busch 
manches Mal die Saiten ihres Spieles zu fein ange 
schlagen, aber im ganzen genommen war ihre Hamilton 
eine schöne Leistung. Sehr gut spielt auch die Königin 
von Neapel und der Komiker Beckmann, der den König 
Ferdinand kreirte. Er war faul, dick und gefräßig, hatte 
also alle die Eigenschaften, die man von einem Könige 
nicht erwartet. Aber der gute alte Ferdinand war ja ein 
Sybarit allererster Klasse und Beckmann traf den Nagel 
auf den Kopf. Die Galerie jubelte Beifall, aber ich 
persönlich bin immer dafür, daß man der Galerie nicht 
allzugroße Konzessionen machen soll. Immerhin war 
es sehr amüsant, besonders wenn das Thema auf die 
Esserei kam. 
Lord Nelson spielte seine Rolle brav und tapfer, wie 
es anders nicht von einem Lord Nelson zu erwarten 
war. Die Königsfamilie hatte offenbar einen solchen 
Hunger, daß sie den hohen geladenen Gast, Lord 
Nelson, in der Manege ganz vergaß, denn alle anderen 
gingen zur Galatafel, während Herr Nelson sehr mit 
Liebe auf der Bühne zu tun hatte. Aber das Publikum 
merkte es weiter nicht. Wenn ein Admiral Nelson 
Liebe flötet, schlägt das Zuschauerherz voller Begeiste 
rung. 
Ganz wundervoll war die Schlußszene. Hier gab es 
eine herrliche Wasser-„Land“-schaft, in der sich alle 
Seeungeheuer und alle begehrenswerten Nixen zu 
sammenfanden. 
Der Zirkus hat seinen großen Schlager und man kann 
die ausgezeichnete Paula Busch zu ihrem neuen Erfolge 
nur beglückwünschen. Str, 
Harald Paulsen 
spielt in der „Vertauschten Frau“ im Neuen Operetten 
haus eine fabelhafte Rolle. Neben Irene Palasty macht 
Harald Paulsen das ganze Stück. 
Harald Paulsen ist einer der feinsten Komiker, die 
wir haben. In diesem Jungen (er ist es trotz seiner 
30 Jahre) steckt soviel origineller Humor und soviel 
Feinheit, daß es nicht Wunder nimmt, daß er in so 
kurzer Zeit der Liebling aller Frauen und Mädchen 
Berlins geworden ist. Harald Paulsen begann seine 
Ruhmeskarriere mit der Kinderkomödie „Firlefanz“, wo 
er die Musik von C. Hildebrandt zu Ruhm und Ehren 
trug. In diesem Stück war Harald Paulsen der poe 
tischste Firlefanz der Welt, dort waren die Kinder von 
ihm begeistert. 
In einigen Gilbertschen Operetten gab er Entzücken 
des, und ihm hat Herr Gilbert einen nicht geringen 
Prozentsatz seiner Tantiemen zu verdanken. 
Die Kunst dieses Paulsen besteht in der Art der 
Wiedergabe seines fröhlichen Humors. Er macht das 
auf eine so harmlose, liebenswürdige, fast keusche 
Weise, daß man ihn liebgewinnen muß. Er ist nicht nur 
der Komiker des Kopfes, sondern hauptsächlich der 
Beine. Seine Beine sprechen ungeheuer komisch und es 
ist bewundernswert, welches Leben diese Beine haben. 
Harald Paulsen tanzt und singt und spielt und springt, 
er ist ein kleiner Universalkünstler. Str. 
Schaufensterwettbewerb. 
Summa summarum genommen, es war keine über 
wältigende Angelegenheit. Die Abwechslung war gering 
und alles war in Biedermeiergeist getaucht. Die Wachs 
figurenköpfe waren wie Milch und Blut und das ewige 
Einerlei wirkte schließlich ermüdend. Die großen 
Firmen hatten sich teilweise Dekorateure mit kultur 
historischem Einschläge engagiert und es klappte nicht 
immer so recht. Dann und wann wurde eine originelle 
Idee geboren, aber das Preisrichterkollegium ging 
manches Mal achtlos daran vorüber. Ich halte Schau 
fensterausstellungen mit dem Vorwurf .Einst und Jetzt' 
nicht für gut, Das Thema gestattet wenig Variationen 
und beim vierten Schaufenster kann man die Schlaf 
krankheit bekommen. Hoffentlich ist die nächste 
Schönheitskonkurrenz in den Schaufenstern inter 
essanter, so daß das Publikum mehr Interesse zeigt als 
dieses Mal. Schaufensterkonkurrenzen, an denen sich 
viele Firmen beteiligen, müssen den modernen Nerv 
treffen. Es muß eine Sache von heute sein, ganz auf das 
Heute gestellt, denn nur das packt Männlein wie 
Weiblein. Str. 
W. NELKE 
P H OTO - K U N STA N ST A LT 
* 
Aufnahmen für Propaganda und Reklame 
Künstlerische Wiedergabe von 
Innenräumen und Einzelmöbeln 
Heim- und Tier-Aufnahmen 
Aufnahmen von Architekturen, Kunstwerken 
sowie Industrieller Betriebe 
Anfertigung von Diapositiven und Klischees 
★ 
BERLIN W35, Lützowstr. 28 
Fernruf i-Utzow 2008 
„Ater Herr Herzog I" 
Dieser Nummer liegt ein illustrierter Kunstdruck« 
Prospekt bei über das im Morawc '2D Scheffelt 
Verlage soeben in neuer Auflage als 16.-22. Tausend 
erschienene köstliche Buch; „Aber Herr Herzog", 
Liebesabenteuer des Marschalls von Riche~ 
Heu. Eine chroniquc scandaleuse aus galanter Zeit. Aus 
der Fülle der nicht immer gleichwertigen Memoiren» 
Literatur ragt dieses Werk als ein kulturhistorisches 
Dokument und amüsantes Buch zugleich hervor. 
Das Buch schildert wie kaum ein anderes in fesselnder 
Form das 18, Jahrhundert, ein Jahrhundert der Äben» 
teuer, der Galanterie und des philosophischen Lebens» 
genusses. Zu dem Text hat der bekannte Kunst» 
mal er Franz Christophe meisterhafte Zeichnungen 
geschaffen, die das Zeitkolorit glänzend widcrspicgcln. 
Da auch der Verlag dem Buch ein reizendes Gewand 
mitgegeben hat, können wir die Anschaffung allen 
reifen Menschen nur bestens empfehlen. dg.
        
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