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Full text: Berliner Leben Issue 28.1925

Nr S 
Jahnj. 28 
23 
Boccaccio: Der Kaufmann und die Dime 
Grunenberg 
j 
ian v'i 
/ dBL 
y 
nirgends fand sie sich mehr zurecht. Handys Haus 
lag, wenn man ging, eine halbe Stunde weit weg am 
Wege nach Bristol — wie sollte sie es erreichen. — 
Sie erreichte es nicht. Als der Morgen graute, sah 
ein Bauer aus der Gegend von Bath eine schone 
Schifferin übers Wasser kommen; er rief sie an; sie 
erzählte; er nahm sie auf. War des reichen Reeths 
Tochter schon an sich ein willkommener Gast: noch 
willkommener war es den guten Bauersleuten, dem 
fetten Fischzüchter einen Streich zu spielen. Nein, ihm 
sollte nichts vom Aufenthaltsort seines Lämmchens 
bekannt werden; aber Handy Birkhead wußte schon am 
nächsten Tage, wo seine kleine Geliebte zu finden war. 
So gingen Briefe in Booten hin und her, und über den 
Wassern schwebte der Geist der Liebe. 
Eine Woche später, gegen Mai schon, begann das 
Wasser zu sinken, und nach ein paar Tagen " die 
Sonne hatte Strahlen, die wie der weißglühende Stahl 
waren, den man ins Wasser steckt, wenn Krebse ge 
sotten werden und der Dampf aus dem Kessel steigt 
— wurde die Erde trocken. 
Es wurde Zeit; denn man hatte gehört, daß der alte 
Reeth wütend auf der Suche nach seinem Töchterchen 
war. Aber ehe sie nach Bristol flohen, um sich vor den 
Griffen des Alten an den Altar zu retten, wollten die 
Liebenden sich noch einmal an der Stelle treffen, wo 
sie im Herbst ihre ersten heißen Küsse getauscht hatten. 
Der Haselstrauch streckte grüne Flämmchen in das 
sinkende Abendlicht; der Schatten der Cotswold-Höhe 
legte sich in die Mulde: da liefen von zwei Seiten des 
Weges Handy und Evelyne einander in die ausge 
breiteten Arme. 
An der Stelle, wo sie sich vor dem Winter allabendlich 
gebettet hatten, legten sie sich auch jetzt nieder. „Aber, 
was flattert und klatscht denn hier?“ fragte^ Lve- 
ly ne plötzlich. „Aber, was ist denn dies, schrie rlandy 
auf, „schau nur: meine Füße stecken im oumpi. 
— „Pfui!“ fuhr jetzt Evelyne auf, „ich liege im Nassen!
        
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