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Full text: Berliner Leben Issue 28.1925

Nr. 8 
Jahrg. 28 
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Der Sanitätsrat (ganz den Käsestangen hinge 
geben): Gnädigste, dürfte ich Sie bitten, mir die 
Schüsse] . . danke, danke, köstlich, diese Wesh Rarebitsl 
Ja, Ihre kleine Minka... Sie sollten sie Tennis spielen, 
Schlittschuh laufen lassen. Sie scheint so ein bißchen 
miesepetrig. Wie? Ach, wenn Sie mir, Gnädigste, eine 
Ananasscheibe... 
Fräulein Tinchen (die ledige Schwester des 
Hausherrn, behaftet mit einem unheilvollen Drang zum 
Kunstgewerbe): Ja, sehen Sie, Herr Müller, die Kunst ist 
der Leitstern meines Lebens. Dieses Kleid hier habe ich 
mir selbst bemalt, ich mache Kissenentwürfe und 
Flügeldecken, ich habe neulich ein unbrauchbares 
Küchenblech mit einer entzückenden Winterlandschaft 
bemalt und zu Weihnachten verschenkt. Ich lasse nichts 
umkommen. Aus einem abgelegten Zylinder meines 
Bruders habe ich einen süßen Näh- und Flickkorb her- 
gestellt, aus einer Weißbierkruke eine Vase. Mit be 
sonderem Geschick verarbeite ich Zigarrenkisten zu 
Handschuhkästen, und meine Spezialität sind Korridor- 
ampeln aus Kürbissen. Sehen Sie, Herr Müller, andere 
junge Mädchen meines Alters machen Jagd auf Männer, 
ich mache Jagd auf Kehricht und fertige Kunstwerke 
aus unnützen Resten und trage mein bescheidenes
        
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