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Full text: Berliner Leben Issue 28.1925

Nr, 6 
Jahrg. 2S 
34 
mit Schmalz und Butter und schließlich etwas von 
Scheidung.“ 
Der Mann grinste vergnügt: „Scheidung macht Spaß, 
was, Lenchen?“ 
„.Red’ nicht, Maxe, jetzt kommt der Ernst, das 
Tragische.“ 
Ich dachte, daß ich ein halbes Shakespeare-Stück noch 
zu schreiben hätte, und erlaubte mir die Frage: „Etwas 
Dramatisches, meine Herrschaften, auch noch?“ 
„Nee, was kostet das?“ forschte die runde Dame. 
Da ich nie in Hochzeitszeitungen gesündigt hatte, 
wollte ich es Max und Lenchen überlassen. Max und 
Lenchen wurden bescheiden gebeten, Vorschläge zu 
machen. 
Max erklärte; „Die Zeiten sind faul, und wenn es so 
weitergeht, stehe ich in vierzehn Tagen unter Ge 
schäftsaufsicht.“ 
Lenchen ergänzte: „Gott, was die Hochzeit kostet! 
Herr Schriftsteller, nur nicht heiraten.“ 
Ich erklärte, daß ich den Lenz hinter mir hätte, bat 
aber um Honorarvorschläge. 
Da wurde Max Geschäftsmann: „Ich schlage vor, 
Lene, wir geben dem Mann — na, was meinst du, 
Kind?“ 
Lene war tüchtig. Sie ahnte, daß Max sich in der 
Höhe vergreifen möchte, und sagte: „Sagen wir dreißig 
Mark.“ 
Ich erblaßte... dachte ich doch in meinem Opti 
mismus, man wolle mir 200 Mark vorschlagen. 
Lene bemerkte meine Blässe, 
„Ist Ihnen nicht gut?“ fragte sie gütig und mitleid 
voll. ' 
Da fühlte ich plötzlich, daß ich von besseren Eltern 
stammte, daß ich zwar mit Petrarka nicht den Geist 
und die Poesie, wohl aber einige Versmaße in stillen 
Stunden „gemein“ hatte. Großzügig, wie ich plötzlich 
war, ging ich zur Zigarrenkiste und wartete die „Echte“ 
auf; dann entkorkte ich rasch die letzte Likörflasche 
und schenkte den beiden Sprachlosen ein. 
„Ihre Entschließung?“ stammelte die runde Dame. 
Und er krächzte; „Wenn’s gut wird, kriegen Sie fünf 
Mark mehr. Ich bin nicht kleinlich.“ 
„Prost!“ sagte ich, und als sie gezwungenermaßen ge 
trunken und Max die „Echte“ ergriffen hatte, erklärte 
ich: „Meine Herrschaften, Sie haben mich vor einem 
Fehltritt bewahrt. Unter 200 Mark tauche ich die 
Feder nicht ein.“ 
Da sah sie ihren Max an und flötete ihm ins Ohr: 
„150 Mark.“ Max hüstelte und sagte: „Gut, sind Sie 
mit 130 einverstanden?“ 
Ich lächelte: „Zahlen Sie mir 100 Mark an und 60 
Mark bei Ablieferung.“ 
Der Geschäftsmann griff in die Tasche und — 
plötzlich fühlte ich, daß ich den Weg zur Industrie be 
schritten hatte, daß Petrarka fern und ferner rückte ... 
Egon H, Straßburger. 
Spezialarzt Dr. Dammann 
Geschlechts-, Haut-, Frauen-, Harnleiden, 
Syphilis, Blulkrankhelf, Mannesschwäche. 
Schnellkur ohne Berufssförung. 
Oänzl. schmerzlos nach eigenem erprob: Verfahren, 
Genaue Untersuchung u. Aufklärung. Lang jähr. Praxis. 
Während derWirfschaftskrise billigste Honorareu.Teilz. 
Berlin; Potsdamer Straße 123b (an der BrUcke); 
Königslraße 36/57 (gegenüber Rathaus). 
Sprachst.t 0-12,4=7 (Sonnfag 10-12) Potsdamer Sfr. 123b
        
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