Path:

Full text: Berliner Leben Issue 28.1925

33 
Nr 6 
Jüßrg. 2S 
HUMOR 
” ■ 111 . . 
Ein 
kleines Mißverständnis. 
„Wieviel Toilettengeld 
gibt Ihnen Ihr Mann?“ 
„Fünf oder zehn Pfen= 
nig, je nachdem.“ 
♦ 
Im Reich der Lieblinge. 
Am Telephon. 
„Bist du es, mein Lieb* 
ling?“ 
„Ja. Wer dort?“ 
♦ 
Die zerstreute Jungfrau. 
„Denkst du gar nicht 
mehr an den Kuß, den ich 
dir gestern im finsteren 
Korridor gegeben habe?“ 
„Du? Um welche Zeit 
war es denn?“ 
« 
Blühende Geschäfte. 
„Wie geht es denn jetzt 
der Frau Schulze?“ 
„O, die hat ein blü* 
hendes Geschäft.“ 
„Unmöglich.“ 
„Ja, sie handelt mit 
Blumen.“ 
Die Hochzeitszeitung 
Eine Dame kam und fragte: „Mein Herr, Sie können 
dichten?“ 
„Was man für den Hausbedarf so braucht“, sagte ich. 
„Haben Sie schon einmal etwas gedruckt bekommen?“ 
fragte ihr Mann. 
Ich bejahte und legte ihr einige Bücher von mir vor. 
„Sind die Bücher gut besprochen worden?“ fragte sie 
weiter. „Legen Sie mir Besprechungen, bitte, vor.“ 
„Ich gebe nichts auf Rezensionen“, erwiderte ich. 
Der Mann flüsterte ihr leise zu: „Schon faul!“ 
„Lesen Sie mir ein Gedicht vor, Herr von Schiller“, 
wispelte die dicke Dame. 
Ich gab etwas von Liebe und gleich darauf ein Sonett 
zum Ohrenschmaus. 
„Gott, was für ein blödes Versmaß!“ erklärte sie bei 
dem Sonett. „Immer dasselbe Gereimsel.“ 
Ich erwiderte, daß der berühmte Petrarka und andere 
Könner diese Art bevorzugt hätten. 
Sie wurde spitz: „Meinen Sie etwa, ich gebe etwas auf 
solche Leute? Sie sind bei ihrem Versmaß auch sicher 
verhungert.“ Und der Gatte, eine Art Pantoffelheld, 
fügte hinzu: „Wenn die Dichtung nicht industriell be 
trieben wird, imponiert sie mir nicht.“ 
Ich wollte erwidern, er aber fuhr fort: „Sehen Sie 
den alten Schiller an; der Mann verkehrte nur mit 
Goethen, mit Engeln und so... und schlecht ging’s 
ihm.“ 
Seine Gattin unterbrach ihn: „Herr Schriftsteller, 
gehen wir aufs Ganze: in acht Tagen ist Hochzeit. 
Meine Tochter heiratet einen Weißbierwirt von 
Weißensee. Sein Bier ist gut abgelagert und beliebt..“ 
Der Mann machte Einwendungen; „So beliebt ist es 
zwar nicht, aber ...“ 
Die Frau fuhr heftig dazwischen: „Donner und Doria, 
Maxe, jetzt halt endlich einmal die Luft an “ 
„Also, was wünschen Sie, meine Herrschaften?“ 
wollte ich nun endlich wissen. 
„Gut!“ sagte sie... „Sie können mir eine Hochzeits 
zeitung zusammendichten.“ 
„Wie denken Sie sich das?“ wandte ich schüchtern 
ein. 
Sie lachte: „Max, der Mann will’n Dichter sein.“ 
Ich biß mir auf die Lippen. 
Sie wurde ernst, denn sie überlegte: „Also acht Seiten 
brauchen wir... vorn ein Gedicht, auf der zweiten 
Seite eines, auf der dritten zwei Gedichte, und hinten 
drei Gedichte.... Das macht sieben Gedichte. Dann 
kommt ein Eheartikel und wieder so ein Gedicht, aber
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.