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Full text: Berliner Leben Issue 28.1925

Nr. 5 
Jahrg. 28 
35 
das Amen in der Kirche. Die Handlung ist nett aulgebaut, 
nicht überwältigend, aber die Bilder sind reizend. 
Es ist als sicher anzunehmen, daß Jackie Coogan hier viele 
ausverkaufte Häuser machen wird, und daß viele Mamas und 
Papas an der Kasse umkehren müssen, weil kein Platz mehr 
für sie vorhanden ist. 
Nachdem ich das Kinotheater verlassen hatte, sagte ich zu 
meiner Frau: „Meine liebe Frau, wir haben ein so nettes Kind, 
aber warum waren wir nicht befähigt, einen Jackie Coogan 
uns anzuschaffen. Hätten wir ein Jackie Coogan-Kind, so 
brauchten wir zeitlebens nicht zu arbeiten und unser Liebling 
würde uns ernähren bis zum Grabe.“ 
Die treusorgende Gattin erwiderte: „Du irrst dich, mein 
teuerer Gatte, wenn Jackie Coogan älter ist, hört das mit 
seiner Kunst auf und auch mit der Ernährung seiner Eltern. 
Es ist schon besser, wir machen es wie bisher und schaffen 
uns keinen Jackie Coogan an.“ 
Immerhin: Jackie Coogan ist ein hochbegabtes Kind, aber 
der Schauspieler übertrifft bei ihm schon alle kindlichen 
Nuancen. 
Schade, armer Junge! Str. 
Hochsaison der Bälle. 
Die Bälle haben Hochsaison. Es geht wild zu in der Reichs 
hauptstadt. Jeden Abend ein großer, öffentlicher Ball oder 
deren mehrere 1 Am Sonnabend sicher ein Dutzend. Die 
Göttin Berolina sorgt für das Vergnügen und der Prinz 
Karneval hilft ihr dabei. 
Bedeutend und erstklassig war der Opemball Unter den 
Linden. Er war das große, gesellschaftliche Ereignis. Man 
sah hier alle Koryphäen des Geistes und des Geldbeutels. 
Zwar fehlten einige Konzerndirektoren, aber der Staatsanwalt 
hatte die Liebenswürdigkeit, sie zu entschuldigen. Einige 
Dutzend Raffke brillierten mit Brillanten, und ihre Damen 
trugen ihre körperlichen Vorzüge zur Schau. Die Kunst und 
das Theater „lieferten“ Leute vom Schlage Corinth, Kampf. 
Klemperer. Vom Theater erschien die göttliche Massary, Max 
Pallenberg der Geniale, Käthe Dorsch, Erika von Thellmann 
und viele andere. Die Theaterschriftsteller waren spärlich 
vertreten, wohl, weil zurzeit die Herren Theaterdirektoren mit 
ihren Tantiemen sehr zurückhaltend sind. Immerhin sah man 
den Mann, den man bei solcher Gelegenheit immer sieht, 
Ludwig Fulda, und von den guthonorierten Romanschrift 
stellern die Herren Wassermann, Kellermann, von Zobeltitz 
und die Dame Viebig. 
Das Haus duftete verführerisch. Herr Lohse sandte „rose 
malmaison“, um alles in guten Geruch zu setzen. 
Deutsches Opernhaus Charlottenburg. 
Boccaccio wäre erfreut gewesen, wenn er im Deutschen 
Opernhaus die reizende Emma Zador-Bassin gesehen hätte, 
vielleicht hörte er sie vom Himmel herab. Sie spielte seine 
Rolle prachtvoll. Diese Frau hat einen beneidenswerten 
Charme, eine wohlklingende Stimme und die schönsten Beine 
der Welt. Um diesen Charme hätte Boccaccio sicher ein halbes 
Dutzend Novellen geschrieben, aber sie kam für ihn zu spät 
auf die Welt. 
Boccaccio als komische Oper ist heute noch ein Schlager 
ersten Ranges, wenn auch nicht verschwiegen werden soll, daß 
das Buch von Zell und Genee nicht immer packend ist, aber 
die reizenden Melodien zünden heute noch. Es steckt soviel 
Grazie in dieser Musik, soviel Schelmcnhaftigkeit, und sie hat 
vor alllen Dingen Linie. 
Bötels Prinz von Palermo war eine abgerundete, schöne 
Sache und er erntete Beifall in Menge. 
Boccaccio, der so viele Gehirne von Schriftstellern be 
fruchtete, hätte heute als homo novus vielleicht nicht mehr 
das Glück wie im alten Florenz, denn ich bin überzeugt, daß 
man seine reizenden Novellen fürsorglich beschlagnahmt hätte. 
Str. 
Eine Probe bebensdeutnng 
frei für Leser dieses Blattes. 
Der wohlbekannte Astrologe Prof. Roxroy hat sidi 
wieder entschlossen, für die Bewohner dieses Landes ganz 
kostenfreie Probe*Horoskopc ihres Lebens auszuarbeiten. 
Prof. Roxroys Ruhm ist so weit verbreitet, daß er wohl 
kaum mehr einer Einführung durch uns bedarf, keine 
Fähigkeit, das Leben anderer zu deuten, einerlei wie weit 
entfernt sie audi von Ihm 
wohnen mögen, soll an 
das Wunderbare grenzen. 
Selbst Astrologen von 
verschiedenen National!* 
täten und Ansehen in dar 
ganzen Welt sehen in ihm 
ihren Meister und folgen 
In seinen Fußstapfen. Er 
zählt Ihre Fähigkeiten auf, 
sagt Ihnen, wie und wo 
Sie Erfolee haben können 
und erwähnt die günstigen 
und ungünstigen Epochen 
Ihres Lebens. 
Seine Beschreibung ver* 
gangener, gegenwärtiger 
und zukünftiger Ereignisse wird Sie in Staunen ver» 
setzen und Ihnen helfen. 
Herr Paul Stahmann, ein erfahrener Astrologe, Ober* 
Ncoadern, sagt: 
„Die Horoskope, die Herr Prof. Roxroy für mich 
aufgestellt hat, sind ganz ,dcr Wahrheit entsprechend. 
Sie sind ein sehr gründliches, wohlgchmgenes Stüde 
Arbeit. Da ich sattest Astrologe hin, habe 
Ich sein« planet arischen Berechnungen 
und Angaben genau untersucht und ge* 
fanden, daß seine Arbeit ln allen Einzelheiten perfekt, 
er selbst in dieser Wissenschaft durchaus bewandert ist." 
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