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Full text: Berliner Leben Issue 28.1925

Nr. 5 
Jahrg. 2S 
32 
ich die Gräfin Granvillardo bin und daß auch Sie ge 
bunden sind. Ich bedaure Sie von ganzem Herzen, 
wenn meine unbedeutenden Reize Sie glauben lassen, 
daß Sie mich lieben. Gehen Sie, Präfekt, oder soll ich 
im Ernst glauben, daß der Polizeipräfekt von Rom sich 
soweit vergißt, eine Frau von makellosem Ruf zu be 
leidigen oder es für möglich hält, daß eine Frau, die 
eben vor aller Welt gestand, daß sie sich Mutter fühlt, 
ihrem Gatten die Ehe bricht. Gehen Sie, General, ich 
will nichts gehört haben, was Sie sprachen, sonst 
könnte ich nicht vergeben.“ 
Schritte ertönten im Korridor, der Präfekt stand auf. 
Der böse Blick tief verletzten Stolzes lag in seinen 
Augen. Der Graf trat ein und die beiden Männer 
grüßten sich stumm, dann verneigte sich der Präfekt 
tief und förmlich vor Margerita, diese aber lächelte 
schon wieder und streckte ihm die Rechte entgegen. 
Sie sagte mit bezaubernder Liebenswürdigkeit: 
„Sie können mir ruhig die Hand küssen, Präfekt. 
Mein Mann betrachtet sie immer als einen Freund 
unseres Hauses.“ 
Stumm küßte der Präfekt ihre Hand und ging, der 
Graf sah ihm nach: 
„Er schien verwirrt.“ 
Margerita nickte. 
„Er machte mir eben eine Liebeserklärung und ich 
habe ihn zurückgewiesen, wie es sich für eine ehrbare 
Frau und werdende Mutter schickt.“ 
Es schien, als betone sie diese letzten Worte, dann 
fuhr sie fort: 
„Nur der Ordnung halber und weil ich jetzt nicht 
weiß, wie du in Monaten denkst. Du weißt, daß du 
eben vor Zeugen deine Vaterschaft anerkanntest, weil 
du nicht widersprachst.“ 
Er zuckte die Achseln. 
„Warum nicht, es ist gut, wenn das Geschlecht der 
Granvillardo nicht ausstirbt.“ 
„Du gehst in den Krieg?“ 
„Vielleicht, noch weiß niemand, was kommt.“ 
„So wäre es möglich, daß dir ein Unglück zustößt.“ 
Er lachte laut und bitter. 
„Du würdest mich tief betrauern.“ 
Sie überhörte den Einwurf. 
„Es wäre gut, daß du mir für alle Fälle etwas hinter 
ließest, daß es dein Wille ist, daß ich unseres Kindes 
Vormund werde, wenn der Himmel es wollte “ 
Graf Granvillardo hatte ein seltsames Gefühl. Ihm 
war, als sei er dieser Frau in Wahrheit Dank schuldig, 
die durch ihn ihr Vermögen verloren und nun nicht 
einmal ein Wort des Vorwurfs hatte. Zudem war er 
entschlossen, nicht heimzukehren und in der Tat war es 
nur gut, wenn das Geschlecht nicht ausstarb. Wie hätte 
er, der ihr selbst den ersten Liebhaber zuführte, eine 
Regung der Eifersucht haben können. Er fragte auch 
nicht, wer der Vater des Kindes sei, ob der Marchese, 
den er nie mehr in seinem Hause gesehen und den er 
seit langem an diesem Tage zum ersten Mal wieder ge 
troffen — reisefertig wie er und nur auf kurze Stunden 
in Rom, oder ein anderer. 
„Mit Vergnügen, meine Liebe.“ 
Er schrieb was sie gewollt, dann stand er sinnend am 
Fenster, sie aber trat zu ihm. 
„Laß uns als gute Freunde voneinander gehen. Es 
war eben ein mißglücktes Geschäft, unsere Ehe, aber 
ich zürne dir nicht. Seit dem Tode meines Vaters werde 
ich sowieso mich von der Welt zurückziehen und hier 
friedlicher und beschaulicher leben, als du, der du dich 
in der Welt umherschlägst. Sei überzeugt, daß ich 
deinem Namen nie Schande mache und nun laß uns
        
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