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Full text: Berliner Leben Issue 28.1925

Nr. 4 
Jahrg. 28 
Buhlen mitteilte, daß das grauenvolle Verbrechen ge 
lungen. Wie hätte sie einen zuverlässigeren Boten 
wählen können, als diesen ahnungslosen Priester! 
Die Brüder riefen Margerita zu sich herein. 
„Wir werden dir helfen, Margerita.“ 
Sie weinte wieder. Tomnzung folgt. 
BERLINER ALLERLEI 
GUSTAV HEPPNER. 
Im Intimen Theater werden immer noch die vier reizenden 
Einakter „Scheidungssouper“ von Julius Horst, „Abenteuer 
nach dem Tode“ von Rudolph Lothar, „Katzi“ von Fedor- 
Frank und „Die Lebensretterin“ von Julius Horst und Deila 
Zampach gegeben. Die kleinen Nippes gefallen dem Publikum 
und das Theater erfreut sich regen Besuches. Gustav Heppner, 
Berlins größter Seladon, wenigstens auf der Bühne, schießt den 
Vogel ab und sein Monokel im linken Auge und die Zigarette 
im rechten Mundwinkel geben dem tüchtigen Schauspieler 
immerhin ein gewisses Gepräge, auch rein äußerlich. Der 
innerliche Darsteller zählt heute zu den tüchtigsten und be 
gehrtesten Akteuren. Str. 
* 
DAS SECHSTAGERENNEN. 
Das Sechstagerennen hat Berlin in helle Begeisterung ver 
setzt. Man sah wieder einmal, wie wüd die Berliner Jugend, 
die reifen Männer und Damen und auch die Greise vom 
Sportfimmel befallen wurden. Jedes Land hat seine Eigenart, 
der Spanier schlägt die Stiere tot, der Südamerikaner hat es 
mit den Hähnen zu tun, der Italiano besiegt seine Makkaroni, 
der Pariser die Herzen der schönen Frauen und der Deutsche 
setzt «ich um Mitternacht hin und beobachtet mit Gier und 
Begeisterung die strampelnden Radfahrer in der Neuen Auto- 
halle in Berlin. — Der Kriegsruf heißt Hehl Hehl Er ist un 
sterblich geworden. Str. 
* 
DER BERLINER BOCKBIERTRUBEL. 
Die Leser des Berliner Lebens bevorzugen sicher lieber Sekt 
und edlen Rheinwein, aber schließlich ist der Bockbiertrubel 
auch da, damit man dem Gambrinus seinen Obolus schenkt. 
Die Laune zurzeit des Bockbierausschankes ist in der Reichs 
hauptstadt immer sehr vergnügt, und die Herren Restaurateure 
strengen sich nach Leibeskräften an, ihren Gästen etwas zu 
bieten. Um die Zeit der Hochkonjunktur des Biergottes über 
trifft ein großes Berliner Lokal alle anderen Lokale, indem 
alles Mögliche und Unmögliche prämiiert wird. Die größten 
Lebemänner zeigen ihre Glatzen, hier werden die größten 
Dimensionen der Haarlosigkeit preisgekrönt. Den jungen 
Damen wird der kleinste Fuß prämiiert oder das graziöseste 
Bein. Bei manchen auch die umfangreichste Taille oder der 
„weißeste“ Hals. Wie man sieht, ist der menschliche Geist sehr 
erfindungsreich und er kommt immer wieder auf neue Ideen. 
Aber solche Ideen gehören zum Bockbiertrubel, denn, wo 
der Mensch nicht von innen heraus lachen kann, empfängt er 
das Lachen von außen. Str. 
* 
VICTOR HOLLAENDER, 
der Komponist der heiratslustigen Jugend, feierte sein vierzig 
jähriges Komponisten-Jubiläum. Ihm verdanken wir die 
reizendsten Melodien, die sich einst rasch in das Herz von 
jung und alt einsangen. Das Zipfelchen vom Himmelreich ist 
der klassische Operettenrefrain und bis heute kaum über 
troffen worden. In letzter Zeit hat sich Victor Hollaender 
nicht mehr besonders kompositorisch hervorgetan. Vielleicht 
liegt ihm der Jazzband-Klamauk mit dem Miau der Katzen 
und dem Bellen der Hunde nicht so recht. Aber mit Wehmut 
denkt man an die Glanztage des Metropolthoaters, da Hol 
laender als König dominierte. Mögen die jazzbandlosen Tage 
wiederkehren. Str.
        
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