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Periodical volume

Full text: Berliner Leben Issue 28.1925

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alle Zeit zu schützen wissen . . . 
Richtig: er hatte sich die Freiheit ge 
nommen, eine wertlose Aufmerk 
samkeit mitzubringen — einen 
weißen Reiher in einer Brillant 
agraffe. Sie verschmähe sein Ge 
schenk nicht? Sie mache ihn ja über 
glücklich, und seih unverdientes 
Glück wäre voll, wenn sie sich mit 
diesem Geschenk zum erstenmal in 
seiner Gegenwart schmücken wollte. 
Er lud sie ein, mit ihm heute nacht 
ein Fest im Palais Rohan zu besuchen. 
Unter jeder schuldigen Rücksicht 
auf den Unglücksfall: sie gingen im 
Domino, maskiert, würden sicherlich 
von keinem Menschen erkannt wer 
den, und seiner Verschwiegenheit 
könne sie sicher sein. — Die Mar 
quise? ... Er selbst werde mit ihr 
sprechen. 
Er betäubte jedesBedenken, wider 
legte jeden Einwand, seine zärtlichen 
Mandelaugen schmachteten und 
kosten, seine Stimme, heiß und zit 
ternd! im Verlangen, warb, lockte, 
betörte. 
Sie spielte mit der weißen Feder 
und schaute zur Porzellanuhr auf der 
Kommode, einmal, zweimal — dann 
nahm sie an. 
. . . Herr von La Chätre aber, wie 
der unten in seinem Wagen, ganz 
ruhig,ganz gelassen, etwasedhaulfiert 
höchstens, gleich einem routinierten 
Schauspieler, der seinen Part ohne 
innere Anteilnahme zwar, doch mit 
dem Auf gebot aller äußerlichen Mit 
tel vor dem Publikum soeben her 
unter deklamiert hat, Herr von La 
Chätre schmunzelte zufrieden vor 
sich hin. 
Der Marschall von Richelieu nahte 
wie ein Sieger, mit hochmütiger, 
lächelnder Zuversicht. Seine Liebe 
war die Gnade eines Großen, seine 
Waffen waren die blendende Glo 
riole seines Namens und höfischen 
Ansehens, sein Stolz und die Sage 
seiner Erfolge. Er ging und ließ eine 
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goldene Spange zurück, gering von 
Wert, aber gereicht in jener groß 
artigen Haltung mit der Gekrönte 
Verdienste lohnen. — 
Brancas! — Er war zu drollig . . . 
Er drohte, nie mehr einen Witz zu 
machen, im härenen Gewand eines 
Bettelmönohes sein Leben zu be 
schließen, oder sich auf Korsika tot 
schießen zu lassen. Auf den Knien zu 
ihren Füßen trug er ein selbstver 
faßtes Madrigal vor, das sehr ge 
wagte Dinge in frech-graziöse Verse 
kleidete, und als er in.der Erregung 
die Perücke vom glänzenden kahlen 
Schädel riß, da mußte Mariannchen 
Tränen lachen — und konnte nicht 
länger ungnädig sein. 
Der Marquise durfte es recht sein: 
ihr Salon erfreute sich eines Zu 
spruches wie nie vorher. Der Ruf 
von Mariannens Schönheit wuchs, je 
größer der Kreis derer wurde, denen 
sich die erlesene Pracht ihrer weißen 
Glieder enthüllt hatte, und die Be 
glückten rühmten ihre Zärtlichkei 
ten. Denn von dem einzigen Wunsch 
erfüllt, zu gefallen und zu erobern, 
gab sie sich immer anders! Träu 
merisch versonnen sank sie dem 
Träumer in die Armeund trotzig rang 
sie mit dem, der als Starker sich ge 
fiel, lustig und übermütig neckte sie 
das heitere Weltkind und mild glät 
tete ihre Hand die müde Stirne des 
Sorgenvollen. Sie verstand, jedem 
der Widerhall seines Fühlens und 
Denkens zu sein; tausend Sprachen 
mußte sie sprechen, mit dem Ver 
schlossenen schwieg sie. Dame war 
sie im Liohterglanz des Salons und 
Weib im Dämmer des Alkovens. Die 
Formen des gesellschaftlichen Ver 
kehrs und die Gesetze der Etikette 
hatte sie bald erlernt. Sie konnte 
plaudern, wenn man Rede von ihr 
erwartete, und interessiert zuhören, 
wenn Männer sprachen; und Ge 
heimnisse, die in den Kissen sich 
entrangen, wußte sie zu vergessen. 
Eine kleine Kassette füllte sich mit 
funkelnden Kostbarkeiten. 
Gar mancher wünschte, den schö 
nen Vogel in einen goldenen Käfig 
zu sperren, und bot ihr den Luxus 
eines großen Lebens. Das aber schlug 
sie aus. Sie wahrte sich ihre Frei 
heit. Für einen, zu dem auch im 
Taumel der Ausschweifungen ihre 
Gedanken immer zurückkehrten: für 
den kühlen Baron von Humieres. 
Denn der Traum von Macht und 
Reichtum und Ruhm und der be 
schaulichere von einem stillen Glück 
neben dem Geliebten, sie hatten alle 
beide Platz in ihrem unruhigen Her 
zen. Sie konnte weinen, in der Stim 
mung unsäglicher Verlassenheit und 
von Sehnsucht nach Athanasius von 
Humieres verzehrt, — da wurde ihr 
eine Berlocke gebracht, und ihre Trä 
nen verwandelten sich zu solchen 
der Freude und des Jubels. Dem 
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