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Full text: Berliner Leben Issue 28.1925

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sammenzubrechen . . . Was 
haben Sie mir angetan, 
Gräfin? — Sie sagen, ich 
sei noch jung und Paris 
reich an schönen Frauen, 
die mich gerne trösten 
wollten. Wozu der Hohn? 
Was kann dem, der jemals 
Ihre göttliche Zuneigung 
genossen hat, irgendein 
Weib noch bedeuten! — 
In diesem wunden Herzen 
ist kein Platz mehr für eine 
andere Liebe. Ich bin des 
Spiels so müde . . . Ich will 
nichts mehr erleben, nichts 
sehen, nichts hören, einsam 
will Ach bleiben und mich 
einzig weihen den Träumen 
der Erinnerung, an Sie, an 
damals . . 
Im blauen Salon warteten 
die Gourdan und iMariann- 
chen. 
Unbewegt, mit heißen 
Wangen, stand Marianne in 
der Mitte des Gemaches, 
unter dem kristallenen 
Lüster, dessen Kerzenglanz 
den Raum in gelblichen 
Schimmer tauchte, und 
wagte auf idem glatten Par 
kett keinen Schritt. 
Schon auf 'dem Wege ins 
Palais w.ar es Marianne, der 
Schüchternheit doch sonst 
nicht eigen, recht bänglich 
zumute geworden. Als sie 
hinter dem galonierten 
Lakai die stolze Treppe 
hinanstieg, hatte ihr Herz 
heftig .zu klopfen begonnen. 
Und die blendende Pracht, 
die sie nunmehr umfing, raubte ihr den 
letzten Rest von Mut und Sicherheit. 
„Coijrage“, flüsterte Frau Gourdan, 
„Courage, Kleine! Du hast ein unerhörtes 
Glück — der Herzog von Lauzun! Einer 
unserer reichsten und elegantesten 
Kavaliere. Verscherz 1 dir jetzt nicht 
alles durch tölpisches Benehmen.“ 
„O! Frau Gourdan, ich hab solche 
Angst,- solche Angst. . Marianne sah 
ganz verzweifelt zur Tür hin, als wäre 
sie am liebsten wieder auf und davon. 
„Angst? Ja wovor denn?“ 
Marianne machte eine unbestimmte 
Bewegung, die ihr Mißbehagen ganz im 
allgemeinen Ausdrücken sollte. Dann 
klagte sie; „Ich hab doch noch nie mit 
so einem Herrn gesprochen . . . wie soll 
ich denn mit ihm reden?“ 
„Du bist langweilig! Ich hab dir’s doch 
schon oft genug gesagt: wie mit einem 
Menschen oben. Was anderes ist er doch 
auch nicht, als ein Mensch, und ein sehr 
liebenswürdiger und ganz junger noch 
dazu, fast ein Kind. Sei höflich, aber 
nicht blöde! Und jetzt laß mich in 
Frieden mit deinem Gejammer! Schau 
dich einmal um, es verlohnt der Mühe, 
so was sieht man nicht alle Tage. Diese 
Surportes, großartig — und die Gobelins, 
alle Achtung!“ 
Ja, wahrhaftig, es gab genug zu 
schauen. Die Gobelins und Bilder, 
denen Frau Gourdan ihre Aufmerksam 
keit .schenkte — -sie verstand sich aus 
besseren Zeiten her noch etwas auf 
Kunst —, fesselten Marianne allerdings 
weniger als das kostbare Bric-ä-Brac, das 
auf den Tischen und Konsolen, in den 
gläsernen Vitrinen und auf dem Kamin 
sims umherlag: edelsteinbesetzte Dosen, 
Miniaturen, alte feingliedrige goldene 
Ketten, Statuetten aus buntem Por 
zellan und mattem Elfenbein, Schatullen 
aus eingelegten Hölzern und Schildpatt, 
Kameen, Gemmen, Uhren und da 
zwischen, überall, allerhand silbernes 
Spielzeug, das Marianne besonders ent 
zückte — winzige Wägelchen und 
Sänften mit zierlichen Puppen darin. 
„Da, da, Frau Gourdan, wie lieh . . .“ 
jubelte sie und ließ einen der kleinen 
Wagen auf ihrer Handfläche hin und 
herrollen. 
Die Gourdan sagte nur verächtlich: 
„Ja, ja“, und widmete sich einer ein 
gehenden Betrachtung der hohen chine 
sischen Vasen in den Ecken. 
Lauzun siegelte den Brief und drückte 
das Wappen darauf. 
Die beiden nebenan hörten den Ton 
einer silbernen Schelle, dann eine helle 
Stimme; „Der Frau Gräfin . . — den 
Namen verstanden sie nicht — „durch 
den Kurier zu bestellen.“ 
Ein Diener riß von innen die Tür auf, 
trat heraus und verbeugte sich tief: 
„Seine Herzogliche Gnaden.“ 
Auf der Schwelle stand ein schöner 
Knabe, zart und blaß, in mattlila Seide. 
Die Frauen knicksten. Der Herzog 
Die Organisation 
Zebensbund 
* e,f 1914 wne/tme u. diskrete Weg d. 
Sichfindens der gebildet Kreise, die bei der 
Wahl ihres Lebensgefährten sich nicht auf 
ihren Bekanntenkreis beschränken, u. auch 
nicht auf d. Zujall warten wollen Tausenaf. 
Anerk, aus allen Kreisen Keine gew. Ver- 
mittlg. Bundesschriften gegen 30 Pfg. Porto 
durch Verlag G. Bereiter. München 62 
Maximdianstr 31 u BerHn~Friedenau 12 
Ceciliengärten — Zweigst, im Auslande. — 
schritt mit kurzem, lässigem 
Nicken an der Gourdan vor 
bei, auf Marianne zu. 
„Ich bitte mit Ergebenheit 
um die Erlaubnis, Seiner 
Gnaden Fräulein Marianne 
vorsteUen zu dürfen“, sagte 
die Gourdan. 
„Ich freue mich.“ Darauf 
drehte er den Kopf leicht 
zur Gourdan zurück: „Ich 
danke.“ 
Frau Gourdan knickste 
•wieder und verschwand. — 
Sie .saßen einander gegen 
über, zu beiden Seiten des 
K amins-, neben flackernden 
Gueridons. 
Jedes war ein wenig be 
fangen, und jedes bestrebte 
sich das zu verbergen. 
„Sie verzeihen, daß ich Sie 
warten ließ. Wichtige Korre 
spondenzen . . -Der Herr 
Herzog warf mit graziöser 
Bewegung die -Sp-itzenman- 
schette, die fast bis an die 
Enden der Finger fiel, zu 
rück und fuhr sich über die 
Stirn, als müßte er Sorgen 
verscheuchen. 
Marianne lispelte: „O 
■bitte, Herr Herzog. Euer 
Gnaden sind wohl sehr be 
schäftigt?“ 
Lauzun schlug die Beine 
überein,ander und lehnte 
sich müde zurück. „Das bin 
ich allerdings. Ich bedaure 
mitunter, -schon aus Eng 
land zurück,gekehrt zu sein. 
Das Leben dort ist freier 
und schöner. Man war doch 
zum Teil jener lästigen Verpflichtungen, 
enthoben, die hier in Paris so drücken.“ 
„Ah, England, — ich habe einen guten 
Freund drüben“, schwatzte Mariannchen, 
nur um. etwas, zu sagen. 
„Darf man wissen, wer -es ist? Ein 
Pariser?“ 
Seine Frage war ihr unangenehm. 
„Sic dürften ihn kaum kennen, Euer 
Gnaden.“ 
„Nicht immer .Euer Gnaden“ . . . Wer 
weiß, vielleicht kann ich Ihnen von ihm 
erzählen. — Oder müssen Sie verschwie 
gen sein?“ 
Marianne wußte sich nicht recht zu 
raten. Aber keinesfalls wollte sie sich 
eine Unhöflichkeit zuschulden kommen 
lassen. „Es ist kein Geheimnis.“ 
„Wenn’s kein Geheimnis ist —setzte 
ihr Lauzun lächelnd zu. 
„Kennen Sie den jungen Grafen von 
Devonshire?“ 
„William Devonshire? Natürlich. Sie 
haben ihn wahrscheinlich während seines 
letzten Pariser Aufenthaltes kennen- 
gelcr-nt?“ Er drohte ihr mit dem Finger. 
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