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Full text: Berliner Leben Issue 28.1925

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Seit Eva in den Apfel 
biß, und, -wie uns von 
wohl informierter Seite 
geschildert wird, mit 
flammendem Schwert aus 
dem Paradies vertrieben 
wurde, geht von den ver 
botenen Früchten eine 
merkwürdige faszinieren 
de Anziehungskraft aus, 
namentlich, wenn sie in 
Nachbars Garten pran 
gen. Wir naschen gerne 
heimlich von roten Kir- 
schen-Lippen (aber nicht 
zuviel „rouge“), machen 
uns trunken von den 
Küssen eines kleinen 
Aprisosen-Mundes, be 
rauschen uns an dem 
Duft und der Zartheit 
einer pfirsich-samtenen, 
weichen Haut und lieben 
den Schimmer goldblon 
der Haare, die den Glanz 
der Goldorange haben 
und in denen sich die 
Strahlen einer südlichen 
Sonne gef angen zu haben 
scheinen. So suchen wir 
auf Erden für das ver 
lorene Paradies ein neues 
Eden. Aber reife Früchte 
fallen uns nicht in den 
Schoß. Man muß lange 
schütteln. Beim ersten 
Schütteln fallen bekannt 
lich nur — faule Früchte, 
die der Wurm zernagt. 
Frauen und Früchte . . . 
ein sinniges Symbol. 
Frauen und Früchte ist 
auch ein beliebtes Sujet 
für die Maler aller Zeiten 
gewesen. Rubens und 
Tizian, um nur ein paar 
der größten Namen zu 
nennen, haben dieses 
dankbare Motiv in zahl 
reichen Variationen auf 
die Leinwand gebannt. 
Und in der Tat; gibt es 
einen reizvolleren, einen 
ästhetischeren Anblick 
als schlanke weiße 
Frauenhände, die kunst 
gerecht und mit Grazie 
schöne Früchte zerlegen? 
Eine Frau kann soviel 
Schelmerei und Kokette 
rie mit der Tätigkeit des 
Früchtenaschens verbin 
den. Frauen und Früchte 
— ein harmonischer Zu 
sammenklang,, ein rei 
zendes Bild, das das 
Auge jedes Beschauers 
entzückt. s.
        
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