Path:

Full text: Berliner Leben Issue 28.1925

25 
an kennt das 
Sprichwort: „Ehen 
werden im Him 
mel geschlossen“ 
und man kennt 
auch die boshafte 
Schlußfolgerung: 
„aber sie enden in 
der Hölle.“ Nun, 
man soll nicht im 
mer das Schlimm 
ste annehmen. 
Es gibt viele Ehen, 
die durchaus keine 
Hölle sind. Das 
eine aber ist sicher, 
der Himmel kann 
sich nicht für ihr 
Huh,r D " Zustandekommen 
gut erhalten 
bemühen! Es gab 
einmal eine romantische Zeit, in der 
man sich „Liebe auf den ersten Blick" 
leisten konnte und in der man sich 
von keinen irdischen Rücksichten als 
da sind: Geld, Einkommen, Beruf leiten 
lassen brauchte. Heute aber erkennt 
man immer mehr, daß solch romanti 
sche Liebe ohne Geld ein Luxus ist, den 
man noch weniger bezahlen kann, als die 
Luxussteuer auf Pelze, seidene Wäsche 
und Brillanten. Die Ehe ist heute viel 
mehr eine ökonomische Frage und die 
Wünsche des Herzens müssen sich ihr 
unterordnen. 
Finden sich heute junge Menschen 
zusammen, die sich heiraten wollen, so 
wird ihre Überlegung nicht mehr ins 
Auch die Kunstmalerin Laura Saftgrün 
sucht einen Gatten 
Rosenrote,. Unbestimmte schweifen. 
Romantische Träume von Glück und 
Zärtlichkeit werden verstummen vor der 
Frage: „Wie finanzieren wir unsere Ehe?“ 
Und es wird in den meisten Fällen 
sich der Entschluß zur Ehe leichter ge 
stalten, wenn Mann wie Frau Ver 
dienstmöglichkeiten haben. 
Daneben aber gibt es viele Leute, die 
in der heutigen Zeit den rechten Ehe 
partner nicht finden können. Entweder 
haben sie in ihrem Kreise keine Ge 
legenheit dazu, oder die familiären und 
Lie sind hier richtig! Alles am Lager, 
gleich zum Mitnehmen 
finanziellen Verhältnisse verlangen eine 
ganz bestimmte Frau und einen ganz 
bestimmten Mann. Und da man, wie 
gesagt, sich auf den Himmel nicht mehr 
glaubt verlassen zu können, versucht 
man es einmal mit der Heiratsvermitt 
lung. Wer kennt nicht all die Inserate; 
„Auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen 
Wege“, oder; „Fesche Frau, schuldlos 
geschieden“. Allerhand interessante 
Annoncen findet da der psychologisch 
Interessierte. So las man vor einigen 
Jahren folgendes Heiratsgesuch in den 
großen Berliner Zeitungen; „Ritter 
gutsbesitzer, vierzig Jahre alt, will den 
letzten Wunsch seines sterbenden 
Mütterleins erfüllen und sich mit Dame, 
nicht unter zwei Millionen Vermögen, 
verheiraten,“ Man weiß nicht, ob der 
so eminent praktische Wunsch des 
sterbenden Mütterleins sich erfüllt 
und der ebenso gehorsame Sohn die 
Dame „nicht unter zwei Millionen“ 
gefunden hat. Sicher ist, daß er sie 
durch die Heiratsvermittlung bestimmt 
nicht bekommen hätte. Denn so er 
staunlich es klingen mag; für Unbe 
scheidenheit und Phantasterei wie für 
absolute Kaltherzigkeit bei der Wahl ist 
die Heiratsvermittlung, wenigstens die 
reelle, durchaus nicht das Geeignete. 
Wir hatten Gelegenheit mit einem der 
bekanntesten und ernsthaftesten Heirats 
büros uns in Verbindung zu setzen und 
mit den Inhabern zu plaudern. Und wir 
müssen gestehen, daß sich unser Urteil 
über den Wert dieser Institutionen 
wesentlich geändert hat. In solch ein 
„Sanatorium für einsame Herzen“ 
kommen nicht nur gewissenlose Mit 
giftjäger, nicht Frauen, die mit Gold 
einen unehrlich gewordenen Namen in 
einen ehrlichen Männernamen durch 
eine Kaufehe eintauschen wollen. All 
solche Klienten, all solch unerfreuliche 
Existenzen finden ebenso schnell den 
Weg wieder hin 
aus, wie sie ihn 
hergefunden haben. 
Zu der ernsthaften 
Ehevermittlerin 
kommen vielmehr 
Menschen, die aus 
irgendwelchen 
Gründen, zumeist 
seelischer Natur, 
nicht den rechten 
Lebenskameraden 
gefunden haben, 
denen der Ehege- 
nosse starb, oder 
die, durch die Ent- 
täuschungen einer 
Liebesheirat sehend 
geworden, in einer 
Vernunftehe, die 
sich auf Überein 
stimmung der An- 
Der tfLadenhiitei" 
C50 Semester)
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.