Path:

Full text: Berliner Leben Issue 28.1925

Jahrg. 2S 
Nr. 28 
32 
EM 
illllllllllllillllllllllllllllllltillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllilllllillllllillllllllllllllllll.il’ 
i 
Vornehme Wandhehleidung 
= 
= 
Tapeten, Wand- 
— 
= 
Stoffe, Tekko, Velour, Leder 
Ü 
EE 
und sämtliche Künstlertapeten 
Ü 
n 
Edmund Hröbcr 
M 
Charlottenbung. Schloßstraße 30/31 
ES 
SS 
Fernsprech Anschluß; Wilhelm 1938, Steinplatz 15313 
= 
EE 
Untergrundbahnhof Sophie-Cnarlotta-Platz 
1 
nllllilllllllllllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllilllllllllllllllilllllillliliilillllllillllllilfi 
Sternenhimmel soviel Licht, daß auch auf der Erde 
keine Dunkelheit herrschte. 
Der Fürst würde diese Nacht nicht zu Bett gehen, 
denn in dieser Nacht jährte sich wieder der Moment 
seiner Geburt und den pflegte er nie zu verschlafen. 
Lächelnd betrachtete er von seinem Liegestuhl aus, mit 
Pelzen zugedeckt, die himmlische Welt. Auch Kenn 
lag, in einen Pelzmantel gehüllt, in einem Liegestuhl, die 
müden Augen himmelwärts gerichtet. In weißbläu 
lichem und goldrötlichem Glanz schwangen sich die 
Zirkumpolarsterne über den Zenit. Der Venusstern 
zitterte in bezaubernder Schönheit wie ein Tautropfen, 
auf den die Morgensonne fällt. 
Saturn, der Geheimnisvolle, der Schick salsvoll- 
strecker des Fürsten Porphyrie, ließ sich, von seinen 
Trabanten umgeben, in düsterer Pracht erblicken, sein 
bleifarbenes, schweres Licht ausstrahlend gleich einer 
Sendung unausweichbaren Unheils. Mit Vorliebe be 
trachtete der Fürst durch seine astronomischen Instru 
mente diesen seinen ,bösen 1 Stern, der zur Stunde seiner 
Geburt über Griechenland gestanden hatte, jene Stunde 
beherrschend. Wissende nannten ihn den .männlichen, 
melancholischen, irdischen und bösen Planeten“. Seine 
Macht traf das Menschenherz mit besonders gehässiger 
Schwere. 
„Weshalb wurde ich gerade unter dem unheilvollen 
Einfluß dieses Sternes der .Nemesis“ geboren?“ sprach 
der Fürst plötzlich ungewöhnlich laut. „Oh„ ich weiß. 
Weil meine Muter schön und lieblich und mein Vater 
ein Wüstling war. — Meine kleine, süße Mutter — wie 
du weißt, eine Araberin niedern Ranges — war erst 
sechzehn Jahre alt, als sie mich gebar. Mein Vater war 
schon fünfzig. Ich habe nie erfahren, weshalb sie so 
früh starb. Mit vierundzwanzig Jaihren. Vielleicht an 
gebrochenem, vereinsamten Herzen, vielleicht am Klima. 
Vielleicht aber auch nur an einem Orangenkern im Blind 
darm. Mich — ihren kleinen, geliebten Rio — hatte man 
ihr fortgenommen. Ich lebte mit meiner französischen 
Erzieherin bei den Verwandten in Athen, während mein 
älterer, der ersten Ehe meines Vaters entstammter Bru 
der Cimon im Hause meines Vaters auf wuchs. — Ich 
liebte meine Erzieherin und küßte sie heimlich, wenn sie 
schlief. Sobald man das merkte, gab man mir einen Er 
zieher. Der küßte mich, wenn ich schlief. Ich habe ihn 
nie verraten. Er ging von selbst von mir und ich bekam 
giiiiiiiiaBiiiiiiia 
| Pickel!! Mitesser!! | 
| Damenbart! | 
Ein einfaches, wunderbar wirkendes Mittel für je den 
der obigen Schönheitsfehler teile gern kostenlos mit. S 
| Frau n.Poloni, Hannover 29 | 
H EdenstraßeSOa m 
iininiBiiiiitniiiiiiniiniiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiüiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiifliiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiHi® 
einen anderen, der mich schlug. Ich war ein gutes, sanf 
tes, wiewohl stolzes Tier, zitterte und ließ mich klaglos 
schlagen. Mein Vater liebte mich wohl, hatte aber keine 
Zeit für mich. Durfte ich ihn einmal besuchen, so mußte 
ich mich stets hüten, mich nicht sterblich in eine seiner 
schönen Maitressen zu verlieben. Mir waren verfrühte 
Instinkte vererbt worden. Mit dreizehn Jahren wollte 
ich mich töten aus Leidenschaft für eine junge Frau, die 
einmal mein Haar streichelte und mir mit einem mich 
völlig verwirrenden Lächeln von Neugier und Erstaunen 
in die Augen sah. — An diesem lächelnden Blick litt ich 
lange. Ich wunde sehr melancholisch und war von da 
ab wohl ein Mann. — Aber ein Mann — ein empfinden 
der und schuldbeladener Mensch wurde ich erst durch 
sie, deren Blick mich in Himmel und Hölle trieb. — Du 
weißt, Bruder, wen ich meine und deren Name dort 
oben geschrieben steht neben dem meinen . . . Und auch 
der deine, Heinrich Henn, ist im Weltall verzeichnet. 
Ich sah ihn über jenem Kruzifix flimmern . . . Jetzt 
sieht man ihn nicht mehr . . . Und auch Magdalena ist 
fortgeschlichen. Ihre Tränen waschen aber noch den 
Felsen wund.“ 
Henn konnte seine Not kaum mehr meistern. Sie 
wich nicht von ihm, so sehr er kämpfte. Tissas Bild ver 
folgte ihn unablässig und änderte sein Denken. Wie, 
wenn er an sie schreiben würde. Sie rufen. Ob sie 
kommen würde? 
Immer stärker wurde die Versuchung. Immer mehr 
gewann sie Gewalt über ihn. Verführerische Bilder 
schlichen sich in seine Träume. Je stiller es um ihn her 
wurde, desto lauter sprach sein Blut. 
Der Fürst war seit jener Geburtsnacht, in der er so 
viel und so klar geredet hatte, in Schweigen versunken. 
Oft erhob er sich tagelang nicht von seinem Liegestuhl, 
lächelte ungemein traurig und hielt den kleinen Fuchs 
im Schoß, den Marion gefangen hatte. Mit kleinen blau- 
grünen Augen guckte das junge Tierchen listig um sich 
und ließ sich das noch graue Flaumpelzchen streicheln. 
Schon fing es an zu herbsten, als Henn an Tissa 
schrieb. Dabei erging es ihm sonderbar. Er hatte unter 
heißem Ringen mit seiner Eitelkeit und Selbstsucht be 
schlossen, reumütig zu beichten und sich ihrer Ver 
zeihung oder Verurteilung zu unterwerfen. Was aber 
dann aus seiner Feder floß, war etwas ganz anderes . . . 
In demselben ,fürstlichen Tone, mit dem er zu ihr ge 
sprochen, formierte er etwas hochmütig seine Zeilen. 
Dabei sprach er innerlich zu sich: „So, das ist viel ge 
scheiter! Wozu voreilig beichten?. Aus ihrer Antwort 
werde ich jetzt bestimmt ihre Gesinnung erkennen und 
darnach werde ich mich dann richten! Die monatelange 
Trennung war eine gute Prüfung! Ich sehe es ja an mir 
selbst, daß sich das wahre Empfinden mit der Zeit klärt. 
Freilich — bei mir hilft ja nun auch das Exil mit, der 
Appetit aufs Leben, das mir hier fern ist. Sie dagegen 
war inzwischen wohl immer von Verehrern umgeben 
und brauchte nicht zu schmachten!“ 
In solche und ähnliche Selbstgespräche verlor sich 
Henn mehr und mehr auf seinen einsamen Bergwan 
derungen. Auch entwarf er immer von neuem in ver 
schiedenartigen Formen Tissas Antwort und dann 
träumte er von einem Wiedersehen nächsten Winter in 
Italien. Denn der Fürst hatte geäußert, dort den Winter 
verleben zu wollen. 
So konnte es. verkommen, daß Henn oben auf wolken 
nahen Felsengipfeln, inmitten tiefen sterilen Natur 
schweigens, wo kein Wunsch blühte, keine Freude mehr 
jubelte, keine Leidenschaft brütete, daß er da oben von 
den üppigen Gärten des Südens träumte und Luft und 
Lust irdischer Wonnen trank. — Stieg er dann bergab 
über Steine — Steine — immer nur Steine, ließ er die 
graue Unfruchtbarkeit der schneegekrönten Regionen 
hinter sich und betrat er das stille Haus der ehemaligen 
kranken Tänzerin, — fand er darin den kranken Mann 
mit dem blöden Lächeln, dem kleinen, unbewußt schon
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.