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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Nr. 31 
Jahrg, 27 
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wenn Sie mir nicht den Verstand verwirrt hätten — 
aber — nun kann ich nicht mehr zurück — ich muß es 
zurückholen — Ninon —“ 
Er preßte seinen Kopf auf ihre nackte Brust — „es 
war ja nicht mein Geld, das ich gestern verspielt 
habe —“ Wie Schluchzen kam es aus seiner Kehle. 
„Armer junge!“ Sie streichelte ihm das Haar. „Ja — 
der Spielteufel — ist es denn so viel, was du verloren 
hast?“ 
„Viel?“ stöhnte er. „Mein und meiner Eltern ganzes 
Vermögen. Das ihrige muß ich wiedergewinnen — 
verstehst du mich? Es 
geht um mein Leben.“ 
„Ninon!“ schrie er plötz 
lich laut auf und stieß sie 
von sich, „du trägst die 
Schuld — du — du hast 
mich verleitet, zu immer 
höheren Einsätzen — 
ach, meine armen 
Eltern —“ 
"Fortsetzung folgt. 
EnllcHungs- «ml SdiftnlicKshurcn 
mittels des Entfettungsstuhles nach Professor Bergonie und 
der Vibrations-Massage. Nicht nur Beseitigung der allg. F ett- 
suchtjSondern auch einzelner Fettansammlungen (Leib, Hüften, 
Schenkel usw.), Hautpflege, Beseitigung von Hautunreinig 
keiten, Hautblässe, Hautfalten, Muskelerschlaffungen usw. 
Künstliches Hühensonnenbad „AKTIS“ 
„Ich möchte wissen“, wandte sich Bender an Ninon, 
„wie nennst du dich jetzt? Bist du die Baronin Berg 
oder immer noch Ninon?“ 
„Ich nenne mich noch immer Ninon de Barry.“ 
„Du hast keinerlei Verpflichtungen ihm gegenüber?“ 
Sie lachte, daß die Zähne zwischen den blutrot ge 
färbten Lippen aufblitzten. „Verpflichtungen — wohl 
— aber — nicht in bezug auf meine Freiheit.“ 
Sie waren an den Spieltisch getreten. Rolf und 
Bender machten sich bereit, an dem Spiel teilzunehmen, 
während Ninon sich den anderen Gästen widmete. 
Sie setzte ein kokettes 
Lächeln auf, ließ ihre 
Blicke aufmunternd um 
hergleiten, rief dem und 
jenem ein Scherzwort zu 
und näherte sich einem 
blonden, sehr jungem 
Manne, der soeben das 
Zimmer betreten hatte 
und einen Augenblick, 
wie zögernd, neben der 
Tür stehengeblieben war. 
Beide Hände streckte sie ihm entgegen. „Ah, lieber 
Weißenfeld, warum so niedergeschlagen?“ Sie hielt 
seine Hände fest und zog ihn ganz dicht an sich heran. 
„Kommen Sie — treten Sie hier herein — einen kleinen 
Augenblick kann ich mich unseren Gästen schon ent 
ziehen —“ Sie hatte einen dunklen Samtvorhang ge 
hoben und trat mit ihm in einen kleinen, matterleuchte 
ten Raum. Bequeme Polstersessel luden zur Ruhe ein. 
Flaschenhälse ragten aus eisbeschlagenen Kühlern, die 
auf einem Tisch seitwärts standen. Ninon ergriff eine 
Flasche, füllte die Gläser, hielt ihm das gefüllte Glas 
entgegen und forderte ihn auf, zu trinken. „Auf daß 
Sie heute mit Mammon beladen von dannen ziehen 
können.“ 
„Das muß ich auch, das muß ich“, stöhnte er, „denn 
sonst —“ Er stürzte den Wein hinunter. „Ninon — 
' Zirkus Busch« „Nicht eine der anwesenden Frauen ist ihrem 
Manne so recht von Herzen gut“, behauptete an einem der letzten 
Abende der Spaßmacher — und er gewann seine Wette glänzend — 
denn nicht eine der liebenden Gattinnen, die im Zirkus saßen, er 
hob sich, als der Manege-Philosoph aufforderte, durch Erheben vom 
Platz Liebe zum Eheliebsten zu bekennen. — Auch sonst gibt es 
mancherlei, so die weltberühmte Bonhair-Truppe in ihren Ikarischen 
Spielen, die wohl als Phänomen zu bezeichnen sind, Frau Therese 
Renz (Hohe Schule), Miß Ruth Ryle „Die Dame auf den Gläsern in 
der Luft“, Mid Air Motor Race, Kapitän Wall mit seinen kaliforni 
schen Alligatoren und Riesenkrokodilen. Kapitän Wall ißt, trinkt 
und raucht unter Wasser, schläft sogar dort, eine Leistung, die all 
abendlich berechtigtes Staunen hervorruft. Den ergötzlichsten Part 
spielt das Senior-Krokodil (250 Jahre alt), wenn es wieder in seine 
Behausung eingepackt werden soll, indem es durch Schwanzwedeln 
vier Männer ins Parterre zwingt. Den zweiten Teil füllt das Wasser 
schaustück Carmen aus. Alles in allem ein Programm erster Frie 
densqualität. sy. 
Kleine Ursachen, große Wirkungen 
* ■ ——— ★ 
ALFRED BRIE 
ines Morgens befahl Antoine de 
Tressels, ein niedlicher kleiner Abbe, 
ebenso bekannt durch seine Galanterien 
wie durch seinen Geist, daß man seinen 
Wagen anspanne, und er begab sich zu 
der Marquise Chevreuilles, der er seit 
langer Zeit den Hof machte. Er traf 
sie in ihrem Boudoir, müde, abge- 
„ _ _ spannt, und anscheinend in übelster 
Stimmung. Nachdem er das weiße Händchen, das sie 
ihm nachlässig entgegenstreckte, zärtlich geküßt hatte, 
fragte er besorgt: 
„Was konnte Sie, reizende Marquise, in diese Stim 
mung versetzen?“ 
„Ich leide ..... die schwüle Luft, der Regen, der 
unablässig fällt und doch keine Erfrischung bringt, 
machen mich melancholisch. Ich habe ausdrücklich 
meiner Zofe Lisette befohlen, niemand vorzulassen, 
aber Sie, Abbe, scheinen eine Ausnahmestellung bei 
dem Mädchen einzunehmen.“ 
„Verdient das Mädchen wirklich Ihren Tadel, schöne 
Freundin, weil sie Ihrem ergebensten Diener gestattete, 
auf Ihrem zarten Antlitz die Weiße des Schnees nach 
den Rosen des Frühlings zu bewundern?“ 
„Ein solcher galanter Vergleich macht alles wieder 
gut“, lächelte die schöne Frau matt. „Und da Sie nun 
einmal hier sind, Sie liebenswürdiger Schmeichler, so 
erzählen Sie mir, was es Neues bei Hofe gibt. Hat man 
die arme Pompadour zur Ruhe bestattet?“ 
„Heute morgen. Es war ein ärmlicher Zug. Nur 
wenige Diener folgten.“ 
„Und unser vielgeliebter König?“ 
„Seine Majestät beobachtete den Zug vom Fenster 
aus und bemerkte nur: Die arme Marquise hat sich für 
ihren letzten Weg schlechtes Wetter ausgesucht.“ 
„Ein sehr liebevoller Nachruf und der guten Pompa 
dour wird viel verziehen werden um dieses Wortes 
willen.“ 
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Bei ~ 
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