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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Nr. 31 
Jaßrg. 27 
29 
„Das kann man sich doch denken, bei der Auf 
machung.“ 
Sie hatten gerade ihr Roastbeef verspeist, das in der 
Tat vorzüglich zubereitet war, als sie bemerkten, daß die 
Gäste an den anderen Tischen sich erhoben und im 
Nebenzimmer verschwanden. „Zahl’ du zunächst mal, 
Bender, ich möchte meinen Einsatz nicht verkleinern.“ 
Als sie den Nebenraum betraten, dessen Wände im 
Dunkel lagen, in dem nur ein strahlend helles Licht sich 
über den Spieltisch ergoß, entfloß beiden ein Laut der 
Überraschung, als eine raffiniert angezogene schlanke 
Frau auf sie zutrat, um sie lächelnd zu begrüßen. 
„Nimm, du?“ Rolf ergriff ihre Hand. 
„Donnerwetter, das ist eine Überraschung oder — 
vielmehr keine. Gerade vor einer Stunde habe ich zu 
Roderich gesagt, daß ich nicht daran zweifle, daß wir 
dich bald Wiedersehen werden.“ 
„Du hast dich gemein benommen, Benderl“ Sie zog 
die beiden in eine dunkle Ecke. 
„Kind, sei froh, daß ich noch so viel Vernunft besaß, 
dich allein zu lassen.“ 
„Ja, aber auch später gabst du kein Lebenszeichen.“ 
„Ich glaubte, du hattest genug von mir.“ 
„Hatte ich auch. Aber dann — nachher — ich wurde 
sehr krank danach.“ 
„Dein Mann hat sich doch das Leben genommen“, fuhr 
Rolf dazwischen. 
„Er hat sich vor meinen Augen ins Wasser gestürzt 
und mich wollte er auch ertränken. Ich hatte Mühe ge 
nug, ihn davon abzubringen.“ 
„Und wie lebst du jetzt? Was tust du hier? Bist du 
hier engagiert oder bist du auch Gast?“ 
„Ich lebe mit dem Baron zusammen und bin hier die 
Hausfrau.“ 
„Da hast du dir doch aber wieder einen luxuriösen 
Rahmen gegeben, und gerade den hast du doch so ver 
abscheut.“ 
Ninon lächelte verächtlich. „Der Rahmen ist doch 
nur vergoldet, wenn man ein wenig kratzt, dann sieht 
man, was drunter sitzt.“ 
„Aber dein Beruf — denn auf einen Beruf läuft es 
doch hinaus — das, was du hier betreibst, — behagt 
dir?“ fragte Bender. 
„Vorläufig, ja. Es hat Reiz, dieses Leben, und macht 
das Blut prickeln, wie Champagner. Und vor allem die 
Gefahr — doch lassen wir das jetzt. Ihr seid ge 
kommen, um zu spielen. Ein anderes Mal können wir 
plaudern. Vielleicht bei Bender — nicht hier.“ 
„Ja doch, gehen wir an den Spieltisch, ich habe die 
Absicht, zu gewinnen, Ninon. Ich hoffe, du hast mir 
Glück gebracht. Übrigens, dieser Baron Berg, ich er 
innere mich jetzt, da ich ihn sehe, war doch einmal bei 
mir gewesen?“ 
„Ganz recht, an dem Abend, als ich mich das erste 
Mal unter deine Gäste mischte.“ 
Der heutigen Ausgabe des BERLINER LEBEN 
liegt eine Ankündigung der Firma Dr. med. Ro» 
facrt Hahn 'S) Co., G. m, h, H., Magdeburg, über 
ihren in vielen Tausenden von Fällen bewährten 
natürlichen Gcsundheitswiedcrhcrsteller 
„SAIVITO” 
hei, auf welchen wir unsere Leser hiermit ganz he» 
sonders hinweisen. Ein Versuch mit diesem Mittel 
dürfte sich auf jeden Fall empfehlen.
        
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