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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

7. Fortsetzung 
Roman von Jofantße Mares 
* 
Bi(tfert Linge 
arum wollte ich dich auch bitten. Ich 
bin gern bereit, die Reisekosten für uns 
beide zu tragen, aber für das Geld, das 
du verspielst, komme ich nicht auf.“ 
Rolf biß sich auf die Lippen und sah 
mit bösem Blick zu ihr hinüber. „Es ist 
selbstverständlich, daß ich dir, sobald 
x die Filmerei wieder losgeht, alles zu- 
rückerstatfe.“ Dann griff er zu der 
Zigarettendose und zündete sich eine Zigarette an. 
Alexandra hatte bei seinen Worten gelächelt. Auch 
sie langte zu den Zigaretten, die zwischen ihnen auf 
dem Rauchtisch standen. „Statt an diesem herrlichen 
Nachmittag einen Ausflug in die Berge oder eine Fahrt 
über den See zu machen, sitzt du im Spielsaal und ver 
treibst dir die Zeit beim Pferdchenspiel und ich liege 
im Zimmer und rauche aus Langeweile eine Zigarette 
nach der anderen.“ 
„Ja, Herrgott, warum fährst du denn nicht ohne 
mich?“ 
„Allein?“ — fragte sie gedehnt. 
„Du findest Anschluß, so viel du magst.“ 
„Ich mag aber nur mit dir zusammen sein. Überdies 
muß ich auf dich aufpassen.“ 
„Donnerwetter, das wird ja immer schöner!“ fuhr er 
auf. „Ich bin doch kein kleines Kind?“ 
„Kind — nein. — Aber — du könntest Dummheiten 
machen.“ Sie richtete sich ein wenig in die Höhe und 
sah ihn fest an. „Ich dulde es nicht, daß du einer 
anderen Frau den Hof machst. — Meinst du, ich habe 
es nicht bemerkt, wie du gestern mittag mit der ele 
ganten Frau, die uns gegenübersaß, Blicke gewechselt 
hast? Du gehörst mir, daß du es weißt.“ 
„Herrgott, ich habe mich doch nicht mit Haut und 
Haaren verschrieben. Wir reisen nun bereits seit 
Wochen umher, sind Tag und Nacht beisammen, kannst 
du es mir verdenken, daß mich da auch mal die Lust 
befällt, mit einer anderen Frau zusammen zu sein? Zu 
sammen zu sein — damit du es weißt — nicht nur Blicke 
zu wechseln.“ 
„Das wagst du mir zu sagen? Mir — die ohne dich 
nicht sein kann. — Mir — von der du verlangst, daß 
ich deine Rechnungen bezahle?“ Mit einem Ruck war 
sie emporgeschnellt, hielt ihn gepackt und schüttelte ihn. 
„Natürlich, das dumme Geld, das ist die Strippe, an 
der du mich zu halten denkst. Aber warte“ — er stieß 
sie zurück — „ich werde es mir beschaffen — jetzt — 
sogleich du sollst alles wieder haben, •— und dann 
gehen unsere Wege auseinander. — Auseinander — 
hörst du. schrie er sie an. Er machte Miene, das 
Zimmer zu verlassen. 
Wie eine Katze sprang sie ihn an. „Du bleibst, du 
gehörst mir. Ich kann ohne dich nicht sein. Ich werde 
nicht mehr von Geld reden. Spiele, wenn du magst. 
Ich will dir das Geld dazu geben. Aber — gib dich 
nicht mit einer anderen Frau ab — versprich es mir.“ 
In leidenschaftlicher Erregung stieß sie die Worte her 
vor, während sie an seinem Halse hing. 
„Alexandra, höre, was ich dir sage. Ich will dieser 
Frau gehören — nur zwei, drei Tage — dann — ich 
verspreche es dir — dann kehre ich wieder zu dir zu 
rück. Sei klug, Alexandra — nur so kannst du mich 
an deiner Seite halten.“ 
„Und wenn du nicht zurückkehrst?“ 
„Dann sagst du, ich hätte deine Brillanten gestohlen, 
und läßt mich verfolgen.“ Sie setzte sich auf seine Knie 
und umschlang seinen Hals. „Sei nicht kindisch, Alex 
— ich gehe doch gar nicht fort — nur ein paar Stunden 
am Tage oder des nachts sollst du mich freigeben. — 
Siehst du — ich hätte das ja hinter deinem Rücken tun 
können —- aber dann hätte es wieder Krach zwischen 
uns gegeben.“ — 
„Natürlich hätte es Krach gegeben“, fuhr sie da 
zwischen, „aber — es ist doch ein bißchen viel, was 
du da von mir verlangst. — Zu wissen, wenn du nicht 
bei mir bist, bist du mit einer anderen Frau zusammen 
— du“ — sie ballte die Faust — „glaubst du, ich werde 
das ertragen können?“ 
„Du wirst es ertragen müssen. Doch nun komm — 
wenn du Lust hast, können wir uns jetzt noch ein 
wenig hinausrudern lassen, bevor wir zu Abend essen.“ 
Als sie auf dem Wasser schaukelten, dessen dunkel 
blaue Fläche von den hin und her fahrenden Dampfern 
leicht gekräuselt wurde, blickte Rolf auf die den Vier- 
waldstädter See umschließenden Berge. 
„Du hast recht, es ist eine Sünde, sich im Zimmer 
einzuschließen, bei so viel Schönheit. Wir wollen heut 
abend im Freien bleiben, wenn es dir recht ist.“ 
Gestern sagtest du, die Berge langweilen dich.“ 
„Nun ja, du weißt, daß ich ein Stimmungsmensch 
bin. Gestern sah das alles anders aus, weil ich 
schlechter Laune war, heut bin ich froh gestimmt. Heut 
kann ich mich an der Natur erfreuen. Schau, wie klar 
die Berge heut abend hervortreten. Wie deutlich man 
den Schnee in den Mulden liegen sieht.“ 
Alexandra blickte nur flüchtig auf die Bergkette hin. 
Sie sah wieder auf Rolf und rückte nahe an ihn heran. 
„Ich weiß, warum du in froher Stimmung bist.“ 
„Verdirb uns doch nicht den heutigen Abend, 
Alexandra.“ 
„Nein — denn heut — nicht wahr, heut bleibst du 
doch bei mir?“ 
„Ja, ich bleibe bei dir.“ Seine Blicke wandten sich ab 
von den Bergen und müde sank er zusammen. 
ft 
„Da, Kinder — ich bin froh, daß ich wieder zurück 
bin. Reisen ist ja ganz schön. Aber immerzu Berge 
und Seen, Seen und Berge! — Und das muß man sehen 
— und diesen Berg soll man besteigen. — Und das 
ewige Hotelleben mit seinem Zwang bekommt man 
auch satt.“ 
„Aber — Herr Roderich waren doch so froh, fort 
zu kommen, haben geflucht und gewettert, weil es 
nicht schnell genug ging,“ 
„Stimmt, Franz — stimmt! Aber nun bin ich zu 
frieden, daß ich wieder da bin und daß die Geschichte 
wieder los geht. Ich kann ohne den Guckkasten nicht 
mehr leben. Und all das Drum und Dran, über das 
ich täglich schimpfe, das fehlt mir, wenn ich es nicht 
habe. Also, ich bin wieder da und werde mich sofort 
in die Arbeit stürzen. Sie werden heut abend noch 
telephonieren, Franz. Um zehn soll der Wunderlich 
antreten. Um elf muß der Schneider hier sein. Das 
dauert lange. Wird mich den ganzen Vormittag in An 
spruch nehmen. Vorläufig nichts weiter. Wenn ich mit 
Wunderlich konferiert habe, werden wir weiter sehen. 
„Na, Hulda, und wie ist es Ihnen in den Ferien er 
gangen? Haben Sie sich inzwischen einen Schatz an 
geschafft?“ 
„Ich bitte, Herr Roderich“ — Hulda errötete tief. 
„Aber Kindchen, Sie hätten sich doch verlieben 
können. So etwas ist doch menschlich und kann jedem 
passieren.“ 
„Ich verliebe mich nicht“, sagte Hulda und sah ihn 
unwillig an.
        
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