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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Jahrg. 27 
Nr. 3o 
London Vorsafllo-Band •'S* Mercedespalast 
Unter den Linden 50/51 
Tel. Zentrum 4239, 7983 
GRÄFIN BARBARA 
Die schöne Barbara liebte die Abwechslung und ihr 
Gatte, der Earl von Castlemaine, wußte nie, mit wem 
seine Kinder eine Ähnlichkeit aufzuweisen hatten. 
Aber er war, wie alle 
kluge Juristen, besser 
dazu angetan, in fremden 
Ehen Recht zu sprechen, 
als in der eigenen, wo er 
alles über sich ergehen 
lassen mußte, des lieben 
Friedens halber. 
Als Karl II. von Eng 
land Barbara Palmer (so 
hieß sie, bevor sie ihren 
Mann zum Earl von 
Castlemaine erheben 
ließ) kennen lernte, hatte 
sie gerade den Herzog 
von York als Liebhaber. 
Der König teilte ihr mit, 
daß er nicht gern die 
Liebkosungen einer Frau 
mit einem anderen Ka 
valier teilen möchte, sie 
möge in Ruhe dem Her 
zog auseinandersetzen, 
daß sie ihn nicht mehr 
liebe, sie wolle den Pfad 
der Tugend betreten. 
Barbara ging zum Her 
zog und teilte ihm den 
Tugendplan mit. Er 
lächelte überlegen, wußte 
er doch, wo der Weg hin 
führen sollte. Und so 
sagte er: 
„Liebe Freundin, der 
König ist der richtige 
Mann der Tugend, denn 
bis Ihr an die Reihe 
kommt, vergehen sechs 
Wochen.“ Und wie er 
klärend fügte er hinzu: 
Zwölf Lieblingsfrauen 
ermüden selbst Maje 
stäten.“ 
Barbara meinte: „Sehr 
gut, aber Ihr habt nicht 
bedacht, daß ich keine 
Dutzendware bin.“ Und bald war sie neben Nelly 
Gryen des Königs alleinige Freundin. Sie hatte ihn 
absolut richtig eingeschätzt. 
im 
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S-vnderru. 
KUPFE 
RIESLING 
den fierßen raffigen 
dterren- feßeflt! 
schäftigen . . . Dann entsteht die sonderbare Liebe zu 
einer „unscheinbaren“ Frau. Vielleicht ist dies das 
Süßeste —! Man muß die Frau langsam entblättern, 
sich in sie hineinsehen . . .“ 
„Wenn sie sich das gefallen läßt! . . .“ H. Rewald. 
KLIMAKTERIUM. 
„Deine Elli muß hei 
raten, Gustav!“ 
„Ach was! Sie wartet 
noch!!“ 
„Sie muß heiraten, 
Gustav! Noch ist die 
Konjunktur vorteilhaft, 
noch ist Elli in ihrer 
Floreszenz, noch hat sie 
den ganzen Zauber von 
Schönheit, von Jugend, 
von Weiblichkeit, von 
Scharm, Ingredienzien, 
die auf jeden Maskulinus 
vernunftbenebelnd wir- 
'anS ken, die ihn sogar zu der 
gigantischen Torheit, 
„Ehe“ genannt, verleiten 
könnten — —! Noch!! 
Wie lange noch!?!“ 
„Ach was! Sie wartet 
noch!“ 
„ Wie lange noch, 
sag’ ich! Schon sind 
sanfte Symptome des 
Verblühens dem scharfen 
Auge wahrnehmbar! Die 
Elli muß heiraten, 
Gustav! Schon ist ein 
feinster Hautgout nicht 
mehr hinwegschminkbar, 
schon —! Worauf wartet 
sie denneigentlichnoch?“ 
„Auf’n Mann . . .“ 
Chr. Adt. Kupferberg & Co., Mainz 
E.H.S. 
DER TIEFBLICK. 
„Es gibt Frauen, die auf den ersten Blick bestricken, 
— hinterher kommt man aber langsam von ihnen ab, 
ratenweise, — eine unaufhaltsame Entzauberung. 
Andrerseits gibt es Frauen, die man anfangs kaum be 
achtet, die einen der Zufall erst offenbart, die man dann 
langsam zu würdigen beginnt, deren feine, subtile Reize 
einem erst ins Unterbewußtsein eingehen, dann aber, 
dynamisch, anschwellend, alle Bewußtseinsstufen be- 
TAKTIK. 
— „Und wie pflegst du 
dich zu verhalten, Mar 
got, wenn dich ein Herr 
auf der Straße anredet?“ 
— „Ich messe ihn mit 
einem vernichtenden 
Blick vom Kopf bis zum 
Schnürsenkel und äußere: 
„Ich würde Sie überhaupt keines Wortes würdigen, 
o Herr, wenn Sie nicht zufällig einem Manne verblüffend 
ähnlich sähen, den ich mal leidenschaftlich geliebt habe!“ 
Bei 1 
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abonniert durch alle Buchhandlungen oder direkt beim Verlag / Copyright 1924 by Almanach^Kunstverlag A. G.
        
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