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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

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Jahrg. 27 
„Es ist gut, wenn die Dame gleich Auskunft geben 
kann.“ Elisabeth wollte das sofort tun. Man brachte sie 
zum Gemeindevorstand. Dort gab sie an, daß der Er 
trunkene ihr Mann, daß er sie heut früh in Westerland 
aufgesucht, wohl, seinen Reden nach, aber schon 
gestern hier geweilt haben müsse. Er habe sie zu einer 
Wasserfahrt auf gef ordert. Sie sei ihm gefolgt, trotzdem 
er sonderbare Reden geführt. Auf dem Wasser hätte er 
ihr plötzlich die Mitteilung gemacht, daß er sie und sich 
ertränken wolle. Auf ihre Hilferufe hin wäre er über 
Bord gesprungen, wodurch er auch sie noch in Gefahr 
gebracht hätte. Man zweifelte nicht an ihrer Aussage 
und entließ sie mit der Bitte, sich geeigneten Falles zur 
nochmaligen Aussage bereit zu halten. 
Elisabeth bat um die Begleitung eines Mädchens, die 
mit ihr nach Westerland fahren sollte. Der Vorfall hatte 
sie so erschreckt, daß sie nicht allein bleiben vollte. 
* 
Es war gegen acht Uhr, als Elisabeth in Westerland 
anlangte. Die Sommergäste gingen in die Pensionen und 
in die Strandhallen, um zu Abend zu essen. Elisabeth 
ging allen Menschen aus dem Wege. Sie wollte allein 
sein. Das Nächste, was sie zu tun hatte, war, sich mit 
Berg in Verbindung zu setzen. Sie schickte einen Boten 
an ihren Stammtisch und bestellte ihn unverzüglich zu 
sich. Inzwischen kleidete sie sich um. Dann legte sie 
sich, in einen seidenen Schlafrock gehüllt, auf den 
Diwan nieder. Die Tür zu dem kleinen Balkon, den das 
Zimmer hatte,stand weit offen. Man hörte das Rauschen 
des Meeres, das heut nacht unruhig zu werden schien. 
Eine laue salzige Luft drang ins Zimmer und der Strahl 
der untergehenden Sonne glühte hinein. 
Elisabeth hatte nicht lange zu warten, bis Berg zu ihr 
ins Zimmer kam. Er hatte ihr ,Herrein!‘ nicht abge- 
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wartet. Sofort nach dem Klopfen trat er ein, nickte nur 
leicht mit dem Kopf, zog einen Stuhl herbei und setzte 
sich neben sie. 
„Nun — wie ist es gegangen?“ 
„Er hat mich morden wollen.“ 
Berg fuhr zurück. „Donnerwetter, daran habe ich 
nicht gedacht.“ 
„Ich auch nicht. Ich habe mit ihm kämpfen müssen. 
Schließlich ist er allein ins Wasser gesprungen. Ich bin 
mit knapper Not dem Ertrinken entronnen.“ 
„Und — wo ist er?“ 
Sie wies mit der Hand nach der Richtung, wo man 
das Meer rauschen hörte. „Dort draußen — irgendwo.“ 
Eine Weile schwiegen sie beide. Dann fragte er 
wieder: „Hast du nie daran gedacht, daß es so kommen 
könnte?“ 
„Daß er sich niederknallen könnte meinetwegen — 
der Gedanke ist mir wohl gekommen — aber — daß 
er auch mich — das ist doch absurd.“ Sie bettete den 
Kopf tief in die Kissen hinein und starrte zur Decke 
empor. Plötzlich durchschauerte sie ein Kältegefühl und 
im nächsten Augenblick ging eine Glutwelle über sie 
hin. Er merkte, wie es sie schüttelte. 
„Arme Frau, du hast dem Tode ins Auge geblickt, 
da verliert der Tapferste seine Kaltblütigkeit. Sind es 
Wollen Sie 
eine elegante Dame 
oder ein eleganter Herr sein, 
so wenden Sie sich an meine bestbekannte 
HERREN- UND DAMEN-SCHNEIDEREI 
Dreibundstr. 431 HOGRAEWE Südring 954
        
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