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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Nr. 29 
Jahrg. 27 
27 
Schachmeister täglich im Mercedespalast 
Unter den Linden 50/51 
Telefon: Zentrum 4239 
entlang. Und dann sprach sie es aus. „Wer bist du? 
Und was willst du von mir?“ 
„Ich habe es dir schon gesagt. Ich will die schlechten 
Instinkte, die in dir ruhen, fördern. Und — ich will 
dich beherrschen.“ 
„Und wer oder was bist du?“ 
„Die anständigen Menschen würden mich einen Be 
trüger nennen.“ 
Sie wandte sich um und legte sich flach auf das 
Wasser. Eine Welle 
kam, hob sie in die 
Höhe und legte sie vor 
ihn hin, wie ein Ge 
schenk, das ihm das 
Meer darbrachte. 
„Und wann soll ich 
mit dir gehen?“ 
„Sehr bald, Elisabeth. 
Es sind nur noch ein 
paar Tage, dann wirst 
du dein Leben an das 
meine ketten.“ Mit 
einer wütenden, fast 
rohen Bewegung riß er 
sie an sich und preßte 
sie so stark, daß sie vor 
Schmerz aufschrie. „Ich 
empfand keine Spur von 
Leidenschaft für dich, 
ich wollte dich nur 
meinen Zwecken dien 
lich machen, aber jetzt 
— da ich weiß, wie kalt 
blütig du bist — welch 
eine Hilfe du mir sein 
kannst, jetzt liebe ich 
dich.“ 
Er ließ sie los. Und 
langsam schwammen sie 
zu den andern zurück. 
Einige standen schon 
auf dem Sande und 
ließen sich an der Luft 
trocknen, andere 
plätscherten noch im 
Wasser umher. Der 
Mond hatte sich wieder 
hinter einer schwarzen 
Wolke versteckt, auch 
die Sterne schienen 
ihren Glanz verloren zu 
haben. Es war dunkler 
geworden. 
Elisabeth fror, als sie 
aus dem Wasser kam. 
Sie frottierte sich mit 
ihrer Wolljacke die Haut und schlüpfte rasch m ihre 
Kleider. 
Martin, der der Frau „ohne Geist“ behilflich war, 
sich anzukleiden, sagte plötzlich ängstlich: „Kinder, 
wenn es nur keinen Skandal gibt.“ 
„Wieso Skandal?“ 
„Na, wenn man uns beobachtet hätte und wenn die 
Banausen morgen die Fanfaren blasen?“ 
„Quatsch! Die Banausen schlafen längst. Und wenn 
es dem Wächter oder sonst einem Kerl einfallen sollte, 
zu plaudern, so stopft man ihm eben das Maul. Geld 
macht alle Mäuler stumm.“ 
„Oh, Gott, wenn mein Mann es erfährt, und er sich 
von mir scheiden läßt, dann mußt du mich heiraten, 
Martin.“ Und die kleine Frau umklammerte seinen 
Arm. 
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KUPFERBERG 
RIESLING 
teuer, -aber Sehr gut! 
Chr. Adt Kupferberg & Co., Mainz 
„Gewiß, mein Putchen, das tue ich.‘ ! 
„Nun aber schnell in die Grube, die letzten Flaschen 
geköpft, ich glaube wahrhaftig, die Sterne erblassen 
schon.“ 
* 
Es war drei Tage später, als Elisabeth vom Strande 
hinaufgjng, um sich zum Mittagessen anzukleiden. Als 
sie ihr Zimmer betrat, sah sie sich ihrem Manne gegen 
über. Ein wenig erschrak sie. Aber sie verlor nicht 
ihre Beherrschtheit. 
Ruhig, mit ausgestreck 
ter Hand ging sie auf 
ihn zu. „Welch eine 
Überraschung. Warum 
hast du dich nicht an 
gemeldet? Ich hätte für 
dich ein Zimmer be 
stellen können.“ 
Er achtete nicht auf 
das, was sie sagte. Er 
übersah auch die ihm 
entgegengestreckte 
Hand. Hoch aufgerich 
tet, mit hartem, 
strengem Blick stand er 
vor ihr. Einen Augen 
blick schien es ihr, als 
ob er schwanke. 
„Nimm Platz, ich 
habe mit dir zu 
sprechen.“ 
Sie ließ sich in den 
Sessel fallen, neben dem 
sie stand. Er tat ein 
paar Schritte und lehnte 
sich mit verschränkten 
Armen gegen das 
Fensterkreuz. 
„Ich habe dem Fräu 
lein und der Jungfer 
Auftrag gegeben, ihre 
und der Kinder Sachen 
zu packen. Die Kinder 
fahren nach Hause. In 
zwei Stunden geht der 
Zug.“ 
„Und du? Fährst du 
mit ihnen?“ 
„Nein. Ich habe hier 
noch etwas zu er 
ledigen.“ 
„Und warum nimmst 
du die Kinder fort?“ 
„Um sie dir zu ent 
ziehen. Du hast dich 
T . nie um sie gekümmert. 
Ich sehe jetzt, daß das gut war. Man weiß nicht, was 
in ihnen steckt. Sie müssen streng erzogen werden. 
Dafür habe ich gesorgt. FortsetzungfoCgt. 
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