Path:

Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

Nr. 29 
Jahrg. 27 
13 
und grub sich im nächsten Augenblick tief in des 
Königs Herz. Ein roter Blutstrahl schoß aus der Wunde 
hervor. Röchelnd sank Peter zu Boden. 
Der Rächer ergriff des Königs Schwert. „Nun stirbst 
auch du, Maria Padilla!” Und er hob das Schwert zum 
verderbenden Schlag. Aber die Maitresse ergriff eine 
Hellebarde, die zum Zierrat an der Wand hing und 
hob sie hoch in die Luft. Schon wollte sie zum töt- 
lichen Stoß ausholen, da pfiff das Schwert des Ritters 
surrend durch die Luft und hieb der Courtisane beide 
Hände ab. Wimmernd sank die schöne Maria zu 
Boden. 
Ihre weißen, weichen Hände zuckten wie giftige, böse 
Schlangen. 
Der Ritter sprang mit einem mächtigen Satz aus dem 
Fenster, schlug die Torwache nieder und erreichte 
seinen Freund. Beide ritten in sausendem Galopp da 
von. 
„Der König ist tot, die Maitresse verblutet! Unser 
Werk kann beginnen, Alvaro Perez de Castro”, jubelte 
Heinrich von Trastamara. 
„Der Prinz von Wales steht mit seinen und unseren 
Truppen bereit”, gab der andere zur Antwort. 
Acht Tage später wurde die Königin Blanka unter 
dem Jubel aller Kastilianer aus ihrem Kerker befreit 
und im Triumphzug durch die Provinz Burgos geführt. 
iebes Mopsi — Herzenstopsi — wenn Du diese 
Zeilen liest — weiß ich, daß betrübt Du bist — 
ganz gebrochen wirst Du scheinen — ja, vielleicht 
wirst Du auch weinen — denn in diesem Brief steht 
drin — daß ich durchgegangen bin — fort mit einem 
Kavalier — der zugleich ein Freund von Dir. 
Ach, Du meine Augenweide — oh, Du ahnst nicht wie 
ich leide — während ich dies Brieflein schreibe — und 
ä tempo mich entkleide — denn die alten Toiletten — 
und die frischbezogenen Betten — laß ich unbetastet 
hier — denn so wilTs mein Kavalier — er ist edel, stark 
und gut — stets in Wallung ist sein Blut. — Lang hast 
Du ihn Freund genannt — und ihr habt euch nicht ge 
kannt — doch ich will nicht seitwärts schweifen — mein 
Batisttuch muß ich greifen — und es vor die Augen 
pressen — eins noch hätt ich fast vergessen — die Ka 
ninchen in dem Garten — kann ich fürder nicht mehr 
warten — pflege ihre junge Brut — sie vermehren sich 
so gut — und vergiß auch nicht dabei — unsern armen 
Papagei. — Ach, wie meine Tränen fließen — so, wir 
jetzo scheiden müssen — wenn man so beisamm’ ge 
lebt — solch ein Abschied widerstrebt — eins vergeß’ 
ich noch dabei — liebes Tierchen, bleib mir treu — der 
Gedanke soll mich führen — dies Bewußtsein muß mich 
rühren — immer wirst Du mir erscheinen — traurig 
stumm dann kann ich weinen. — Aber wenn Du 
mich betrügst — und bei einer andern liegst — ach, 
Du kannst’s ja nur versuchen — dennoch werd ich Dich 
yerfluchen — und zum Schluß, geliebtes Leben — will 
ich einen Rat Dir geben. — Folge mir, vorausgesetzt — 
daß ich Dich nicht überschätzt — wenn Du wieder 
lieben solltest — und wenn Du mal wieder wolltest — 
ist sie tapfer, brav und jung — sorge für die Feuerung 
rr ac h, mein lieber Stepsel-Kater — spiele weniger den 
Vater — spiele mehr den Kavalier — das freut sie und 
nützet Dir. — Ach, das Auge geht mir über — Ende! 
Punktum! Streusand drüber! 
Lebe wohl, mein dicker Schatz 
Deine süße Mausekatz. 
Tänzerin 
Leu
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.