Path:

Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

26 
Jahrg. 27 
umy.BJBU 
8SBLIN. 
Nr. 28 
ein paar Schritten, ohne Dank, war sie aus dem 
Zimmer. 
Rolf zog das Tischchen näher heran, goß hastig den 
Wein in das Glas und trank gierig das kühle Getränk. 
Dann legte er sich wieder zurück und schloß die Augen. 
Wie kam es nur, daß er vor diesem Mädchen, das 
seine Dienerin war, so etwas wie Respekt empfunden 
hatte? Noch niemals hatte er einer Frau ein solches 
Gefühl entgegengebracht. Seine Absicht war es gewesen, 
ihr leichtfertig zu begegnen, sie zu demütigen. Er 
glaubte, daß sie ihn liebe. Er hatte sie in seinem Sinne 
beglücken wollen, um ihr dann, gewissermaßen als Be- 
Hulda setzte das Tablett auf ein Tischchen nieder 
Zahlung, das Armband zu geben. Der Stolz, der diesem 
Mädchen innewohnte, reizte ihn. Aber, als sie vor ihm 
stand, verwirrt und scheu, mit treu ergebenen Augen, 
doch voll innerlicher Abwehr, da zwang ihn etwas, ihr 
mit Achtung zu begegnen. 
Achtung! Noch niemals hatte er sie empfunden. 
Weder vor seinen Eltern, noch vor sonst irgend einem 
Menschen. Auch nicht vor seinen Brotgebern. Vor 
diesen schon gar nicht. Das wären alles Halsabschneider 
und Blutsauger. Und dieses kleine Mädchen — das so 
einfach und bescheiden war — wenn er dagegen an die 
stolze Alexandra dachte — da mußte er laut auflachen. 
Alexandra trug Stolz zur Schau, während ihr Denken 
gemein, niedrig, habgierig war. Geld und äußerer Tand 
zwang sie auf die Knie. Sie lebte im Überfluß und 
dennoch strebte sie nach immer neuen Schätzen. Hulda 
besaß nichts als ihren inneren Stolz. Der adelte sie. 
Wenn er solch ein Mädchen früher gefunden hätte? Im 
Anfang seiner Laufbahn. Bevor er der schöne, vielbe 
gehrte Rolf wurde. Hätte man da nicht zu zweien ein 
ruhiges, arbeitsames Leben führen können? Vielleicht 
nur in bescheidenem Rahmen, aber es wäre doch ein 
Leben, das sich zu leben lohnte. Was brachte sein 
Leben ihm denn ein? Glitzernden Schaum, der ihm 
| Der wimsdi Jeder Dame? | 
5 Schlank zu werden und zu bleiben! Dl*. tlOllbfllierS ߀S. ßCSCil. E 
s Cntlett«ngstal)letten sind ein seit Jahren erprobtes und erfolgreiches E 
5 M^el, w< r? c k es einen aus der Meeresalge gewonnenen, fettzersetzenden 5 
5 enthält und daher nicht mit ähnlichen Präparaten zu vergleichen, E 
welche starke Abführmittel oder gar Schilddrüsen enthalten. 
E Dr. Hollbauers Cntlettungstobletten wirken auf kein Organ E 
= wie Herz oder Niere, sondern nur auf vorhandenes, überschüssiges Fett» = 
E kein Diät/.wang. — Verlangen Sie kostenfreie ausführl. Broschüre mit E 
S Anerkennungen durch den Generalvertrieb: 
E £lefanicn~Apotheke, Berlin SW19, Leipziger Str. 24 (Dönhoffplatz) : 
INHALT DES LETZTEN HEFTES (HEF T 8) 
Mode / Der herbstliche Straßenanzug / D. Rausch; Der 
Turnsport / Lothar Sachs: Der Herrenreiter / Jolanthe 
Mares: Mord, Bilder Linge / Julius Knopf; Villa Waldfrieden, 
Bilder Boht / Felix Langer: Novelle der Enttäuschungen, 
Bilder Knötel / O. Henry: Die Unschuld vom Broadway, 
illustriert von Lonny / Kurt Münzer; Der vergessene Regen 
schirm, Bilder Krumnow / Christian Haugen: Liebe und 
Aktien, illustriert von Lonny / Hans Schönfeld: Die Fürstin 
Mentschikow, Bilder: Plantikow / Humor von Heute / Bode 
Wildberg: Lord Fisch, illustriert von Conny / Doris Wittner: 
Ein Wiedersehen, Bilder Linge. 
ABBILDUNGE N 
Kirchweih, Linge / Mode: Nach Modellen von Wertheim, 
Gustav Cords, Adam, Siskos, Herpich, Bilder E. Weber und 
W. Krumnow / Nach dem Bad, A. von Fink / Die Familie im 
Dienste der Wohltätigkeit, Bilder von Wellmann. 
unter den Händen zerrann. Alles, wonach er griff, war 
hohl. Hatte weder Wert noch Inhalt. 
Wenn er noch einmal von vorn anfangen könnte! 
Arbeiten. Aber was und wie? Nein — das war nun vor 
bei. Zur Arbeit paßte er nicht mehr. Auch über bürger 
liche Verhältnisse war er hinausgewachsen. Sein Leben 
mußte nun schon so zu Ende gehen, wie es begonnen 
hatte. Das Ende. Wie würde das Ende sein? Was kam, 
wenn er nicht mehr „der schöne Rolf“ war? Niemals 
hatte er daran gedacht, daß er das einst nicht mehr
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.