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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

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Jafirg. 27 
habe eine Bestellung auszurichten. Fräulein Hella hat 
angeläutet, daß sie nicht kommen könne heute abend.“ 
„Kommen Sie einmal her, Hulda.“ Er schien die Be 
stellung gar nicht zu beachten. „Nein — kommen Sie 
noch etwas näher heran, und nun beantworten Sie ein 
mal ehrlich meine Frage. Was würden Sie tun, wenn ich 
Sie jetzt umarmen und verführen würde?“ 
„Herr Roderich!“ stammelte sie. Ihre Augen, die 
für gewöhnlich klein waren, wurden weit und groß. 
„Würden Sie nicht beglückt sein?“ 
„Das würden Sie niemals tun, Herr Roderich.“ 
„Ihr Vertrauen ist rührend, Hülda. Aber, nehmen wir 
Als sie endlich einschlief, war es bereits heller Morgen. 
einmal an, es geschähe doch. Ich bin ein Künstler — 
der Abgott der Frauen — Sie würden doch beglückt 
sein.“ 
„Das wäre ja die größte Schande, die Sie mir antun 
könnten!“ schrie sie auf. 
„Na, erlauben Sie mal — vornehme, elegante Frauen 
betrachten das als eine Gunst und Sie nennen es eine 
Schande?“ Er beugte sich weit vor und sah sie erstaunt 
an. 
„Ich bin doch keine vornehme Dame“, sagte sie leise 
und schlug die Augen nieder. 
„Nein, Sie sind keine vornehme Dame und es ist 
lächerlich, sich mit Ihnen über so etwas zu unterhalten. 
Gehen Sie nur wieder in Ihre Küche zurück.“ 
Wieder paffte Rolf den Rauch in die Luft. Das war 
nun heut nachmittag das zweite Mal, daß man seine 
Gunstbezeugungen verschmähte. Er konnte gar nicht 
denken, wann sich ihm jemals eine Frau verweigert 
hätte. Er lachte auf. Dann aber wurde er nachdenklich. 
Bei dieser dummen Gans, der Hulda, hatte er im Ernst 
nicht daran gedacht, sie in die Arme zu nehmen. Es war 
ihm nur, nach dem Abfall, den er bei der Sand erlitten, 
eine Befriedigung gewesen, die Augen einer anderen 
Frau aufglänzen zu sehen, in dem Gedanken, ihm ange 
hören zu dürfen. Das, was er als Gnade ansah, empfand 
dieses Mädchen als Schande. Sie wußte nicht, wie 
lächerlich sie sich damit machte. 
Noch immer nachdenklich, drückte er den Rest seiner 
Zigarette in die Aschenschale. 
Oder — hatte er ausgespielt? Hatte seine innere 
Müdigkeit sein Äußeres verändert? 
Mit einem Ruck sprang er empor und ging im Zimmer 
auf und nieder. Auf was für dumme Gedanken ihn die 
Einsamkeit brachte. Warum war er allein? Warum war 
keine Frau an seiner Seite? 
Umv.BfBL 
BE RUN, 
Nr. 27 
Ah — heut abend würde es sich zeigen, ob er aus 
gespielt hatte oder ob er noch der Gott war, zu dem 
die Frauen ihn gemacht. 
# 
Gegen Morgen erst hatte sich Hulda in ihrer kleinen 
Kammer zur Ruhe begeben können. Lange konnte sie 
keinen Schlaf finden. Vom Weindunst und Rauch durch 
schwängerte Luft und die Wüstenei, in der sie hatte 
hantieren müssen, hatten ihr den Kopf schwer gemacht. 
Sie lag mit offenen Augen und starrte in den 
dämmernden Morgen. Heute nacht hatte sie gesehen, 
wie elegante Frauen sich bemühten, von ihm bemerkt 
zu werden. Wie eine jede von ihnen bereit war, sich 
ihm hinzugeben. Eine hatte es ganz besonders darauf 
abgesehen, ihn an sich zu locken. 
Hulda schloß nun doch die Lider. Sie glaubte, da 
durch das Bild, das vor ihre Augen getreten war, fort 
scheuchen zu können. _ Es gelang ihr nicht. Fest schien 
es in ihre Netzhaut eingeätzt zu sein. 
Um Belästigungen und frechen Bemerkungen zu ent 
gehen, hatte sie den Weg in die Küche durch sein 
Schlafzimmer genommen. Wie hatte sie ahnen können, 
daß er dort, umgeben von einer Gruppe liebestoller 
Weiber thronte. Wie sie sich auch mühte, sie wurde 
diesen Anblick nicht wieder los. Und noch immer 
saßen sie dort drinnen. Sie hörte das Gelächter und 
Gekreisch bis zu sich herüber. Als sie endlich einschlief, 
War es bereits heller Morgen. 
„Hulda! — Sie schlafen ja wie ein Murmeltier. Rasch 
aufstehen. Wir müssen das Frühstück besorgen. Franz’ 
energisches Klopfen weckte sie aus tiefem Schlummer. 
„Na, Sie sehen ja nett verkatert aus“, empfing er sie, 
als sie die Küche betrat. „Sie sind an unsere nächt 
lichen Vergnügungen noch nicht gewöhnt. Nun 
trinken Sie mal erstem Schälchen Schwarzen und dann 
stellen Sie mir alles für drinnen bereit. Stücker drei 
sind wieder da geblieben, die konnten den Weg nach 
Hause nicht mehr finden. Die ausländische Schwarze, 
WEINRESTAURANT 
KURFORSTENDAMM 1t 
Das vorzügliche Wiener Miitagessen 
Gedeck M 3,00 • Pilsener Urquell ■ 5 UHR TEE 
Das ersfklassige Abendessen 
Gedeck M 5,00 ■ Die reichhaltige Abendkarte 
KONZERT - Kapelle Hugo Weickert 
Dienstag, Donnerstag, Sonnabend, Sonntag Gesellschaftsabend na. Tanz 
(Ausschneiden und ausgefällt an eine Buchhandlung senden 
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