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Full text: Berliner Leben Issue 27.1924

6in CLkt uon Leo faetter 
lliustrationem Cony 
PERSONEN: 
Der Gent ~ Die Kokotte — Der Kommissar — Ein Beamter - Die Zofe. 
Efeg antes Boudoir. Wäßrend die Kokotte auf der Ottomane fiegt und eine Zigarette raucßt, ist die Zofe 
mit dem Decken des Teetiscßcßens ßescßäftigt. 
Die Kokotte: Doch! Das heißt, Marion hat mir sie vor 
gelesen. 
Der Gent: Hast du nichts Interessantes in ihr gefunden? 
Die Kokotte; Ich wüßte nichts . ; . . 
Der Gent; Aber es stand doch ganz fett auf der dritten 
Seite. ... 
Die Kokotte: Du langweilst mich, Walter! Du weißt, 
daß ich mich nicht gern anstrenge. 
Der Gent: Dann will ich dir sagen, was auf der dritten 
Seite zu lesen war. „Millionen-Einbruch am Kurfürsten 
damm. Beim Kommerzienrat Fechtner. Den Tätern fielen 
Schmuck und Silbergeräte im Werte von vielen Millionen 
in die Hände. . . 
Die Kokotte: Na, da werden gewisse Leute ihre Freude 
dran haben! 
Der Gent (lachend): Denke ich auch! Zum Beispiel . . . 
du, Vilma, ich habe dir etwas Entzückendes mitgebracht. 
Die Kokotte (blasiert); Was konnte mir schon Freude 
machen! 
Der Gent (holt ein Etui aus der Tasche, öffnet es, und 
hält es Vilma vor die Augen): Nun? 
Die Kokotte : (greift nach dem Etui): Ah, das ist wirklich 
prächtig! 
Der Gent: Diese großen Perlen für deine kleinen Ohren! 
Die Kokotte: Wirklich wunderschön! Nur schade . . . 
Der Gent: Was meinst du? Warum; nur schade? 
Die Kokotte: Wie, sagte ich das? Nein. Ich finde diese 
Perlen ganz wundervoll. Einer Königin würdig! 
Der Gent: Bist du für mich keine Königin, kleine Vilma? 
Die Kokotte: Ach, Walter, daß du dir die Überschwäng 
lichkeiten nicht abgewöhnen kannst! Ich gehöre nicht zu 
den Frauen, die sie lieben. Das könntest du am Ende doch 
schon wissen! 
Der Gent: Na, sieh doch, nun macht sie mir für Worte 
Vorwürfe, für die mir andere allein dankbar wären! 
Die Kokotte : Ich bin eben nicht wie andere. Woher sind 
die Boutons, Walter? 
Der Gent; Natürlich, diese Frage kommt daher, wenn man 
keine Zeitung liest! 
Die Kokotte: Ah! Sie sind doch nicht. . . . 
Die Kokotte: Und Sie wissen, Marion, was Sie zu tun 
haben? 
Die Zofe; Ich fürchte nur, gnädiges Fräulein werden sich 
furchtbar aufregen! 
Die Kokotte; Dummchen! Ich werde höchstens ein 
bißchen Aufgeregtheit spielen. 
Die Zofe: Mein Gott, wenn ich denke. . . 
Die Kokotte: Eine Episode, nichts weiter. Man kann 
doch nicht immer schlafen, Marion, nicht wahr? 
(Es klingelt draußen) 
Di© Zofe: (schrickt zusammen). 
Die Kokotte: Sie können mir noch eine Zigarette reichen, 
Marion, bevor Sie ihm öffnen gehen. 
Die Zofe: (reicht der Kokotte Zigarette und Feuer. Geht 
dann ab). ■■ 
Die Kokotte: (rollt sich auf der Ottomane wie eine 
Katze zusammen). 
Die Zofe (tritt schnell ein, eilt auf die Kokotte zu und 
sagt ihr, halb ins Ohr): Er ist es! 
Die Kokotte: Bitte, lassen Sie ihn eintreten. Sie wissen, 
Marion. . . . 
Die Zofe (im Abgehen); Ich . , . weiß . . . (ab). 
(Gleich darauf tritt der Gent ein). 
Der Gent: (eilt auf die Kokotte zu) Vilma! 
Die Kokotte: Nicht so stürmisch, lieber Walter, . . Wo 
hast du übrigens die ganzen Tage lang gesteckt, mein Teurer? 
Ich habe fast geglaubt, daß ich dich überhaupt nicht mehr 
zu sehen bekommen werde. 
Der Gent (hat sich neben sie gesetzt): Hast du die heutige 
Morgenzeitung nicht gelesen?
        
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